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Samsung beteiligt sich am Bau eines Atomkraftwerks für Google
Technik · 22.09.2026 18:08

Samsung beteiligt sich am Bau eines Atomkraftwerks für Google

Kurz: Der südkoreanische Konzern Samsung C&T investiert bis zu 100 Millionen US-Dollar in das US-Start-up Kairos Power, um den Bau von SMR-Atomreaktoren für Google zu

Ein strategisches Bündnis für die Energiezukunft

In einer bemerkenswerten Kooperation zwischen der Technologiebranche und dem Bausektor hat der südkoreanische Mischkonzern Samsung angekündigt, sich maßgeblich am Bau von Atomkraftwerken in den Vereinigten Staaten zu beteiligen. Im Zentrum dieser Entwicklung steht das US-amerikanische Start-up Kairos Power, welches den Auftrag erhalten hat, für den Internetriesen Google eine neue Generation von Reaktoren zu errichten. Das Ziel dieser Partnerschaft ist es, den stetig wachsenden Energiebedarf der energieintensiven KI-Rechenzentren von Google durch den Einsatz von Atomkraft zu decken, ohne dabei Treibhausgasemissionen zu verursachen. Samsung Construction and Trading Corporation, kurz Samsung C&T, fungiert dabei als strategischer Partner und Investor. Die Beteiligung des südkoreanischen Unternehmens unterstreicht den globalen Trend, bei dem große Tech-Konzerne verstärkt auf alternative, CO2-arme Energiequellen setzen, um ihre digitalen Infrastrukturen zukunftssicher und klimaneutral zu betreiben. Die Zusammenarbeit markiert einen wichtigen Meilenstein für Kairos Power, da das Unternehmen nun auf die langjährige Expertise von Samsung im Bereich des Kraftwerksbaus zurückgreifen kann, um die ambitionierten Pläne für die kommerzielle Nutzung von Small Modular Reactors (SMR) in die Tat umzusetzen.

Die finanziellen und technischen Details der Kooperation

Die finanzielle Dimension der geplanten Unterstützung durch Samsung C&T ist beachtlich. Wie Kairos Power offiziell mitteilte, plant der südkoreanische Konzern, bis zu 100 Millionen US-Dollar in das Projekt einzubringen. Diese Summe setzt sich aus zwei wesentlichen Komponenten zusammen, wobei die finale Umsetzung noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen steht. Laut Angaben einer Konzernsprecherin gegenüber dem US-Onlinemagazin TechCrunch sollen bis zu 70 Millionen US-Dollar direkt als Investition in das Start-up Kairos Power fließen. Der verbleibende Betrag ist für die Bereitstellung technischer Dienstleistungen vorgesehen. Samsung C&T bringt hierbei eine fundierte Erfahrung ein, da das Unternehmen weltweit bereits an etwa einem Dutzend Atomkraftwerksprojekten mitgewirkt hat. Die technische Expertise des Konzerns soll nun dazu dienen, den Bauprozess der spezialisierten Reaktoren effizienter und sicherer zu gestalten. Die genaue Aufteilung der Mittel verdeutlicht, dass es Samsung nicht nur um eine reine Kapitalbeteiligung geht, sondern um eine aktive Einbindung in die operative Umsetzung des Kraftwerksbaus, was die strategische Bedeutung dieses Unterfangens für beide Unternehmen unterstreicht.

Technologische Grundlagen: Was sind Small Modular Reactors?

Kairos Power setzt bei seinem Vorhaben auf sogenannte Small Modular Reactors, kurz SMRs. Diese Reaktortypen unterscheiden sich grundlegend von den konventionellen, großflächigen Atomkraftwerken, die in der Vergangenheit das Bild der nuklearen Energieerzeugung prägten. SMRs sind deutlich kompakter dimensioniert und liefern dementsprechend weniger Energie als ihre massiven Vorgänger. Das Konzept hinter diesen Anlagen ist darauf ausgelegt, den Bauaufwand zu minimieren und gleichzeitig das Sicherheitsniveau durch innovative technische Ansätze zu erhöhen. Ein zentrales Merkmal der Reaktoren von Kairos Power ist das Kühlsystem: Anstelle von Wasser wird ein flüssiges Salz verwendet, um die thermische Energie abzuführen. Als Brennstoff kommen spezielle Kugeln aus einem keramischen Werkstoff zum Einsatz. Laut den Angaben von Kairos Power zeichnen sich diese Brennstoffkugeln durch eine außergewöhnliche thermische Stabilität aus, da sie selbst weit über die Schmelztemperaturen herkömmlicher metallischer Reaktorbrennstoffe hinaus ihre strukturelle Integrität behalten sollen. Diese technologische Wahl zielt darauf ab, das Risiko einer Kernschmelze signifikant zu reduzieren und den Betrieb in einem Hochtemperaturbereich zu ermöglichen, was für die Effizienz der Stromerzeugung entscheidend ist.

Der Standort und die historische Dimension der Entwicklung

Die gegenwärtigen Aktivitäten von Kairos Power konzentrieren sich auf den US-Bundesstaat Tennessee, genauer gesagt auf den Standort Oak Ridge. Dieser Ort ist historisch tief mit der Entwicklung der Kernenergie verwurzelt, da dort in den 1940er Jahren im Rahmen des Manhattan-Projekts das Uran für die ersten Atombomben angereichert wurde. Heute dient Oak Ridge als Schauplatz für den Bau von zwei Reaktoren, die den Weg in eine neue Ära der zivilen Nutzung ebnen sollen. Einer dieser Reaktoren trägt den Namen Hermes 1. Dabei handelt es sich um einen Demonstrator mit geringer Leistung, der primär dazu dient, das Designkonzept von Kairos Power in der Praxis zu verifizieren und die technischen Annahmen zu validieren. Die Erfahrungen, die am Standort Oak Ridge gewonnen werden, sind essenziell für die weitere Skalierung der Technologie. Es ist ein bemerkenswerter Kontrast, dass an einem Ort, der einst für die militärische Nutzung der Kernspaltung bekannt wurde, nun modernste, kleinteilige Reaktoren entstehen, die den Energiehunger der digitalen Wirtschaft des 21. Jahrhunderts stillen sollen.

Einordnung der Kapazitäten und die Rolle der KI

Um die Dimensionen der geplanten Anlagen einzuordnen, ist ein Vergleich mit abgeschalteten Kraftwerken hilfreich. Der geplante Hochtemperaturreaktor Hermes 2, der ebenfalls mit Fluoridsalz gekühlt wird, soll ab 2030 Strom für die Rechenzentren von Google liefern. Die Leistung dieses Reaktors ist mit 50 Megawatt spezifiziert. Zum Vergleich: Das deutsche Atomkraftwerk Neckarwestheim 2, das zu den zuletzt abgeschalteten Anlagen zählte, verfügte über eine Leistung von 1,4 Gigawatt. Die Leistung von Hermes 2 ist also vergleichsweise gering, was jedoch dem modularen Konzept der SMRs entspricht. Google verfolgt mit diesem Schritt eine klare Strategie: Die KI-Rechenzentren, die enorme Mengen an Rechenleistung und damit Strom erfordern, sollen ohne den Ausstoß von Treibhausgasen betrieben werden. Den Berichten zufolge ist dies Teil einer umfassenderen Bemühung der Tech-Branche, den ökologischen Fußabdruck ihrer KI-Infrastruktur zu minimieren. Auch andere Unternehmen wie Microsoft gehen ähnliche Wege, etwa durch die geplante Reaktivierung des Kraftwerks Three Mile Island. Einzuordnen ist das so, dass die Tech-Giganten die Atomkraft als notwendige Grundlastquelle betrachten, um ihre ambitionierten Klimaziele trotz des massiven Wachstums durch Künstliche Intelligenz zu erreichen.

Offene Fragen und der weitere Zeitplan

Der vorliegende Quelltext lässt einige Fragen offen, die für eine vollständige Bewertung der Situation von Bedeutung wären. So bleibt unklar, welche konkreten Sicherheitsauflagen die US-Behörden für die Genehmigung der Investition von Samsung C&T stellen und wie die öffentliche Akzeptanz für diese neuen Reaktoren an den geplanten Standorten ausfällt. Zudem wird nicht detailliert erläutert, wie die Entsorgung der radioaktiven Abfälle bei den SMRs im Vergleich zu herkömmlichen Reaktoren geregelt ist. Auch die ökonomische Skalierbarkeit der 50- bis 75-Megawatt-Reaktoren im Vergleich zu großen Kraftwerken bleibt ein Punkt, der in der Fachwelt weiter diskutiert werden dürfte. Hinsichtlich des weiteren Vorgehens ist der Zeitplan jedoch klar definiert: Nach der Inbetriebnahme von Hermes 2 im Jahr 2030 plant Kairos Power bis zum Jahr 2035 den Bau von sechs weiteren Reaktoren an verschiedenen Standorten in den USA. Diese weiteren Anlagen sollen jeweils eine Leistung von 75 Megawatt erbringen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die technologische Verifizierung durch den Demonstrator Hermes 1 erfolgreich verläuft und ob die ambitionierten Ausbaupläne für die zweite Hälfte des Jahrzehnts tatsächlich wie geplant umgesetzt werden können.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-hand-smartphone-laptop-17737277/ · Foto: Walls.io
Quelle: https://www.heise.de/news/Samsung-beteiligt-sich-am-Bau-eines-Atomkraftwerks-fuer-Google-11462327.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag