Die neue Art der Informationsbeschaffung
Die Art und Weise, wie Menschen Informationen im Internet suchen, befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Klassische Suchmaschinen wie Google oder Bing werden zunehmend durch KI-gestützte Chatbots ergänzt oder gar ersetzt. Laut einer Bitkom-Umfrage aus dem Jahr 2025 gaben bereits die Hälfte der Befragten in Deutschland an, gelegentlich auf KI-Tools zurückzugreifen. In der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei zwei Dritteln. Auch Suchmaschinenbetreiber haben auf diesen Trend reagiert und integrieren zunehmend KI-Modi oder direkte KI-Übersichten in ihre Suchergebnisse.
Doch dieser Komfort wirft eine fundamentale Frage auf: Auf welcher Basis generieren diese Systeme ihre Antworten? Eine Untersuchung des Softwareunternehmens Blinq, die zwischen Januar und Juni 2026 rund 250.000 Antworten von führenden KI-Tools wie ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity auswertete, liefert hierzu aufschlussreiche Daten.
Unternehmensseiten und soziale Netzwerke dominieren
Die Auswertung verdeutlicht, dass KI-Modelle keineswegs auf ein neutrales oder rein wissenschaftliches Wissensarchiv zugreifen. Stattdessen stammen rund zwei Drittel aller zitierten Quellen von Unternehmenswebsites. Dazu zählen Firmenblogs, offizielle Unternehmenspräsenzen und Landingpages, die primär Marketingzwecken dienen.
Betrachtet man die am häufigsten herangezogenen Einzelquellen, zeigt sich eine deutliche Präferenz für nutzergenerierte Inhalte und soziale Plattformen:
* **Youtube und Reddit:** Diese führen das Feld mit jeweils rund 15 Prozent der Quellen an.
* **Wikipedia:** Mit etwa 9 Prozent ein zentraler Pfeiler für die Informationsbeschaffung.
* **Linkedin:** Erreicht einen Anteil von rund 7 Prozent.
Im deutschsprachigen Raum spielen zudem Nachrichtenseiten eine Rolle, wobei die Gewichtung je nach KI-Tool variiert. So stützt sich ChatGPT beispielsweise verstärkt auf Medienhäuser, was Beobachter teilweise auf bestehende Kooperationen zwischen KI-Entwicklern und Verlagen zurückführen.
Unterschiede in der Strategie der KI-Modelle
Die Analyse der verschiedenen KI-Systeme offenbart, dass die Wahl der Quellen stark vom jeweiligen Modell abhängt. Während ChatGPT eine starke Affinität zu Reddit, Wikipedia und bestimmten Nachrichtenportalen zeigt, setzt Googles AI Overviews auffällig oft auf Youtube-Inhalte. Interessanterweise taucht Youtube in den Top-Quellen von ChatGPT in der Blinq-Studie hingegen kaum auf. Perplexity wiederum kombiniert eine breite Palette aus sozialen Netzwerken, Videoplattformen und Fachmedien.
Die Gefahr bei sensiblen Themen
Die Abhängigkeit von Quellen wie Youtube oder Reddit birgt erhebliche Risiken, insbesondere bei komplexen oder sensiblen Themen wie der Gesundheit. Eine ergänzende Studie von SE Ranking zur Suche nach Gesundheitsinformationen mittels Google AI Overviews bestätigte, dass Youtube häufiger zitiert wird als offizielle ärztliche Institutionen oder Gesundheitsbehörden.
Das Problem liegt in der Natur dieser Plattformen: Inhalte können dort ohne fachliche Prüfung veröffentlicht werden. Dies kann dazu führen, dass KI-Systeme irreführende oder gar gesundheitsschädliche Empfehlungen ausgeben, da sie die inhaltliche Qualität der Quellen nicht im menschlichen Sinne bewerten können.
Einordnung: KI als Wahrscheinlichkeitsmaschine
Es ist wichtig zu verstehen, dass große Sprachmodelle keine Wissensdatenbanken im klassischen Sinne sind. Die Forscher betonen, dass es sich um „Wort-Wahrscheinlichkeitsmaschinen“ handelt. Sie verfügen über kein eigenes Fachwissen, sondern gleichen die Anfragen der Nutzer mit den Daten ab, die sie in ihrem Trainingsmaterial und bei Live-Recherchen im Internet vorfinden.
Die Konsequenz für Anwender ist klar: KI-generierte Antworten sollten niemals ungeprüft übernommen werden. Besonders bei kritischen Themen ist es ratsam, die angegebenen Quellen selbst zu verifizieren. Da die Systeme lediglich Muster in den Daten erkennen und keine inhaltliche Wahrheit prüfen, bleibt die kritische Distanz des Nutzers das wichtigste Korrektiv im Umgang mit dieser Technologie.