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Die Identität von „El Hor“: Die geheimnisvollste Schriftstellerin des frühen zwanzigsten Jahrhunderts
Kultur · 09.08.2026 10:48

Die Identität von „El Hor“: Die geheimnisvollste Schriftstellerin des frühen zwanzigsten Jahrhunderts

Kurz: Lange galt die Schriftstellerin „El Hor“ als literarisches Rätsel. Nun konnte der Germanist Claus Zittel die Identität der geheimnisvollen Autorin entschlüsseln

Ein literarisches Rätsel gelöst

Über Jahrzehnte hinweg blieb die Identität einer Autorin, die unter dem Pseudonym „El Hor“ publizierte, ein ungelöstes Rätsel der Literaturgeschichte. Während andere literarische Größen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts intensiv erforscht wurden, blieb diese Stimme weitgehend im Verborgenen. Nun ist es dem Germanisten Claus Zittel gelungen, die wahre Identität der Schriftstellerin aufzudecken und damit eine Lücke in der literarischen Aufarbeitung dieser Ära zu schließen.

Der Kontext einer legendären Publikation

Die Spur zu „El Hor“ führt in das Jahr 1910. In der Osterbeilage der Prager Zeitung „Bohemia“ vom 27. März jenes Jahres erschien eine Publikation, die heute vor allem für die ersten Prosaskizzen von Franz Kafka bekannt ist. Diese Texte bildeten später die Grundlage für Kafkas erstes Buch „Betrachtung“. In derselben Ausgabe fanden sich jedoch auch Beiträge namhafter Zeitgenossen wie Max Brod und Paul Leppin.

Lange Zeit konzentrierte sich die Forschung fast ausschließlich auf die prominenteren Namen dieser Ausgabe. Dabei übersah man eine Autorin namens Else Onno, die ebenfalls einen Beitrag mit dem Titel „Jugend“ beigesteuert hatte. Die nun vorliegenden Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es sich hierbei um die Person hinter dem Pseudonym handelt.

Vom plötzlichen Verstummen zur Entdeckung

„El Hor“ war keineswegs eine unbedeutende Randerscheinung. Zu ihrer aktiven Zeit veröffentlichte sie ihre Werke Seite an Seite mit den bedeutendsten Schriftstellern ihrer Epoche. Doch im Jahr 1923 endete ihre literarische Karriere abrupt; die Autorin verstummte plötzlich und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück.

Der entscheidende Durchbruch bei der Identifizierung gelang durch Dokumente aus dem Literaturarchiv Prag. Ein spezifisches Schriftstück lieferte den Beweis: Die unter dem Namen „El Ha“ bekannte Autorin gab darin ihre eigene Adresse für die Korrespondenz an und nannte als Empfängerin ihren tatsächlichen Namen. Diese direkte Verbindung zwischen dem Pseudonym und der realen Person ermöglichte es Claus Zittel, die Identität zweifelsfrei zu klären.

Bedeutung für die Literaturwissenschaft

Die Enttarnung von „El Hor“ als Else Onno ist ein bedeutender Schritt für die Germanistik. Sie erlaubt es, die literarische Landschaft des frühen zwanzigsten Jahrhunderts in Prag, Wien und Berlin präziser zu kartieren. Es stellt sich nun die Frage, welche weiteren Texte der Autorin bisher unter ihrem Pseudonym oder anderen Bezeichnungen übersehen wurden. Die Forschung steht hier vor der Aufgabe, das Werk von Else Onno neu zu bewerten und ihren Platz in der literarischen Moderne des frühen Jahrhunderts zu bestimmen. Die nun gewonnenen Erkenntnisse bieten einen wichtigen Anknüpfungspunkt für künftige literaturhistorische Untersuchungen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-gehen-kleid-festhalten-20785123/ · Foto: Zeynep Sude Emek
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/die-identitaet-der-grossen-schriftstellerin-el-hor-accg-201070363.html