News aus aller Welt
Start
Die FIFA kann sich nicht selbst reparieren
Sport · 01.08.2026 13:42

Die FIFA kann sich nicht selbst reparieren

Kurz: Gianni Infantinos Ära bei der FIFA neigt sich dem Ende zu. Doch ein bloßer Personalwechsel reicht nicht aus, um die tief verwurzelten Probleme des Weltverbandes

Ein Machtvakuum im Weltverband

Die Präsidentschaft von Gianni Infantino an der Spitze der FIFA steht vor ihrem faktischen Ende. Nachdem selbst die UEFA und einflussreiche Verbände dem amtierenden Chef das Vertrauen entzogen haben, erscheint ein Verbleib im Amt kaum noch vorstellbar. Der Auslöser für diesen massiven Vertrauensverlust war der gescheiterte Plan, Anteile an Weltmeisterschaften an externe Investoren zu verkaufen. Dieses Vorhaben stieß auf derart breiten Widerstand, dass sich der Weltverband gezwungen sah, das Projekt offiziell zu stoppen.

Die politische Dynamik innerhalb der Organisation hat sich drastisch verändert. Nicht nur die europäischen Verbände, sondern auch Kräfte aus Nordamerika und Asien haben sich öffentlich von Infantino distanziert. Erste Rücktritte in seinem engsten Mitarbeiterstab deuten darauf hin, dass die interne Loyalität erodiert ist. Während im Hintergrund bereits potenzielle Nachfolger gehandelt werden – darunter Namen wie der kanadische Verbandschef Victor Montagliani oder der katarische Funktionär Nasser Al-Khelaifi –, stellt sich die grundlegende Frage, ob ein bloßer Austausch an der Spitze ausreicht.

Die Lehren aus dem Jahr 2015

Der organisierte Fußball blickt auf eine Vorgeschichte zurück, die wenig Anlass zu Optimismus gibt. Nach dem großen Korruptionsskandal im Jahr 2015, der mit Verhaftungen in einem Zürcher Luxushotel weltweit für Schlagzeilen sorgte, schien ein Neuanfang greifbar. Zwar wurden zunächst sinnvolle Reformen implementiert, doch unter Infantinos Führung wurden viele dieser Ansätze systematisch wieder zurückgedreht.

Die Gewaltenteilung innerhalb der FIFA wurde zugunsten einer zentralisierten Machtfülle eingeschränkt. Zudem wurden zuvor abgeschaffte Posten wieder eingeführt, die primär dazu dienen, Funktionäre durch Versorgungsposten an das System zu binden. Auch die Rückkehr zur intransparenten Praxis der Doppelvergabe von Weltmeisterschaften – exemplarisch sichtbar bei der Vergabe der WM 2034 nach Saudi-Arabien – unterstreicht, wie sehr die ursprünglichen Reformziele verwässert wurden.

Das Schweigen der Verbände als Systemfehler

Ein kritischer Punkt in der Aufarbeitung der FIFA-Strukturen ist das lange Schweigen der großen Verbände. Über Jahre hinweg gab es kaum öffentlichen Widerspruch von Institutionen wie der UEFA oder dem DFB, selbst als die Nähe Infantinos zu politischen Akteuren wie Donald Trump offensichtlich wurde. Sogar die Verleihung eines FIFA-Friedenspreises an Trump wurde in Teilen des deutschen Fußballs noch verteidigt.

Bezeichnend ist, dass Boykottdrohungen oder ernsthafte Konsequenzen erst dann zum Thema wurden, als finanzielle Interessen und die Machtverteilung innerhalb des Verbandes direkt bedroht waren. Bei Themen wie Menschenrechtsverletzungen in Gastgeberländern oder bei hochgradig korrupten WM-Vergaben blieb die Kritik der Verbände hingegen weitgehend aus. Diese selektive Empörung legt offen, dass es den Funktionären in erster Linie um die Sicherung von Einfluss und Kontrolle geht.

Warum Selbstheilung unwahrscheinlich ist

Die aktuelle Situation verdeutlicht, dass die FIFA nicht in der Lage ist, sich aus eigener Kraft grundlegend zu reformieren. Die Kultur des Verbandes ist zu eng mit den Interessen der Nationalverbände verknüpft, die das bestehende System über Jahre hinweg gestützt haben. Wenn Infantino als Person geht, bleiben die Strukturen, die ihn erst in diese Machtposition gehoben haben, bestehen.

Die UEFA hat jüngst einen Kulturwechsel gefordert und betont, dass die Aufgabe, das Vertrauen in den Weltverband wiederherzustellen, erst am Anfang steht. Ob dies jedoch durch interne Umbesetzungen gelingen kann, bleibt zweifelhaft. Die bisherige Historie legt nahe, dass eine echte Erneuerung nur durch Einflüsse von außen erzwungen werden kann. Der organisierte Fußball hat 2015 die Chance auf einen echten Neuanfang ungenutzt gelassen; die aktuelle Krise ist somit das Ergebnis eines über Jahre hinweg konservierten Systems, das auf Macht und Geld fokussiert ist, statt auf die Integrität des Sports.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-stadion-spiel-gucken-12537018/ · Foto: Md Jawadur Rahman
Quelle: https://www.sportschau.de/fussball/die-fifa-kann-sich-nicht-selbst-reparieren,fifa-kommentar-100.html