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Dekagon: Weltraumteleskop Hubble fotografiert zehneckigen Sturm auf dem Saturn
Technik · 03.09.2026 13:51

Dekagon: Weltraumteleskop Hubble fotografiert zehneckigen Sturm auf dem Saturn

Kurz: Das Weltraumteleskop Hubble hat am Südpol des Saturn ein zehneckiges Sturmsystem entdeckt. Das Dekagon wirft bei Forschern neue Fragen zur Dynamik des Planeten

Ein unerwartetes Phänomen am Südpol des Saturn

Das Weltraumteleskop Hubble hat eine spektakuläre Entdeckung im äußeren Sonnensystem gemacht: Am Südpol des Saturn wurde ein ausgeprägtes zehneckiges Sturmsystem identifiziert, das von Wissenschaftlern als „Dekagon“ bezeichnet wird. Während die Fachwelt seit Jahrzehnten mit dem berühmten, stabilen Hexagon am Nordpol des Gasplaneten vertraut ist, stellt das nun am anderen Ende des Planeten beobachtete Pendant die bisherigen Modelle zur atmosphärischen Dynamik vor neue Herausforderungen. Die Entdeckung gelang durch eine Kombination aus amateurastronomischen Beobachtungen und hochauflösenden Aufnahmen aus dem Erdorbit. Dass sich eine derart komplexe geometrische Struktur in der Saturnatmosphäre formiert, gilt als ein einzigartiges Ereignis, das die Aufmerksamkeit der globalen Astronomie-Community auf sich zieht. Die Beobachtungen zeigen, dass die Atmosphäre des Ringplaneten weit dynamischer ist, als es die bisherigen, über Jahrzehnte hinweg gesammelten Daten vermuten ließen. Die Entdeckung markiert einen bedeutenden Fortschritt im Verständnis der komplexen Wetterphänomene auf Gasriesen, die sich fundamental von den terrestrischen Wettersystemen unterscheiden, da sie über keine feste Oberfläche verfügen, die den Luftstrom behindern könnte.

Die Details der Entdeckung und die Rolle der Beobachter

Die Identifizierung des Dekagons verlief über einen Zeitraum von etwa einem Jahr und erforderte die Zusammenarbeit verschiedener Akteure. Den Ausgangspunkt bildete das Programm „Planetary Virtual Observatory and Laboratory“ der Universität des Baskenlandes in Bilbao. In diesem Rahmen können Amateurastronomen ihre Beobachtungsdaten einreichen, die dann von professionellen Wissenschaftlern ausgewertet werden. Ein Forschungsteam unter der Leitung von Agustín Sánchez-Lavega entdeckte dabei auf Amateuraufnahmen ein zunächst kaum wahrnehmbares, wellenförmiges Band, das den Südpol des Saturn umspannte. Erst ein Jahr später wurde die Struktur auf weiteren Bildern deutlicher erkennbar. Um eine abschließende wissenschaftliche Bestätigung zu erhalten und die Struktur in ihrer vollen Komplexität abzubilden, wurde das Weltraumteleskop Hubble hinzugezogen. Hubble ermöglichte es, eine vollständige Rotation des Planeten zu erfassen, was für die detaillierte Darstellung des Zehnecks entscheidend war. Die NASA, die ESA und das STScI sind maßgeblich an der Aufbereitung der Bilddaten beteiligt, wobei Alyssa Pagan für die Bildverarbeitung verantwortlich zeichnete. Die Ergebnisse wurden in einer wissenschaftlichen Publikation im Fachmagazin Science Advances veröffentlicht.

Hintergrund und historische Einordnung der Saturnstürme

Die Entdeckung des Dekagons erfolgt mehr als 40 Jahre nach der ersten wissenschaftlichen Beschreibung des Hexagons am Nordpol des Saturn. Dieses nördliche Phänomen ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der planetaren Beobachtung und zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Stabilität aus. Es ist ein dauerhaftes Merkmal der Saturnatmosphäre, das bei jeder Untersuchung des Nordpols präsent ist. Im Gegensatz dazu ist das Dekagon am Südpol eine vergleichsweise junge Erscheinung, die sich erst ab dem Jahr 2023 formiert hat. Die Wissenschaftler betonen, dass es sich bei dem Zehneck nicht um eine einfache, isolierte Wolkenformation handelt. Stattdessen beschreibt die NASA das Phänomen als eine atmosphärische Welle, die tief in den mächtigen Jetstream des Planeten eingebettet ist und sich über verschiedene Schichten der Saturnatmosphäre erstreckt. Diese strukturelle Tiefe unterscheidet das Dekagon von oberflächlichen Wetterphänomenen. Die Tatsache, dass sich eine solche geometrische Form erst jetzt, nach jahrzehntelanger Beobachtung, am Südpol zeigt, während der Nordpol seit jeher sein Hexagon aufweist, stellt die Forscher vor ein Rätsel bezüglich der zeitlichen und räumlichen Entwicklung solcher atmosphärischen Wellen.

Beteiligte Institutionen und wissenschaftliche Akteure

Die Erforschung des Saturn-Dekagons ist ein internationales Gemeinschaftsprojekt. Federführend ist das Team um Agustín Sánchez-Lavega von der Universität des Baskenlandes in Spanien. Die Arbeit wird maßgeblich durch die Expertise von NASA-Wissenschaftlerin Amy Simon unterstützt, die die Einzigartigkeit der zeitlichen Entstehung des Sturms hervorhebt. Ebenfalls beteiligt ist Michael Wong von der University of California, Berkeley. Die institutionelle Unterstützung durch die NASA, die ESA und das Space Telescope Science Institute (STScI) unterstreicht die Bedeutung der Entdeckung für die moderne Astronomie. Besonders bemerkenswert ist die Einbindung von Amateurastronomen, die durch das Programm der Universität in Bilbao einen direkten Beitrag zur wissenschaftlichen Forschung leisten konnten. Diese Kooperation zwischen professionellen Instituten und der astronomischen Gemeinschaft zeigt, wie wichtig die kontinuierliche Überwachung des Weltraums durch verschiedene Kanäle ist, um kurzlebige oder plötzlich auftretende Phänomene wie das Dekagon überhaupt erst erfassen zu können.

Einordnung der Beobachtungen und wissenschaftliche Bewertung

Einzuordnen ist das Dekagon als ein Phänomen, das im Sonnensystem in dieser Form als einzigartig gilt. Zwar lassen sich auf der Erde in den Jetstreams ähnliche wellenförmige Muster beobachten, doch sind diese auf unserem Planeten aufgrund der geografischen Hindernisse wie Gebirge und Kontinente niemals so stabil oder ausgeprägt wie auf dem Saturn. Auf dem Gasplaneten fehlen solche topografischen Barrieren, was es den atmosphärischen Wellen ermöglicht, über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte hinweg zu bestehen, wie das Beispiel des Nordpol-Hexagons zeigt. Den Berichten zufolge ist die Stabilität des neuen Zehnecks am Südpol jedoch noch völlig unklar. Die Wissenschaftler bewerten die Entstehung des Dekagons als hochinteressant, da sie die Frage aufwirft, warum sich eine derart komplexe Struktur gerade jetzt gebildet hat. Es ist einzuordnen, dass die atmosphärische Dynamik des Saturn noch lange nicht vollständig verstanden ist, da die Mechanismen, die zur Ausbildung dieser geometrischen Formen führen, bisher nicht im Detail erklärt werden können. Die unterschiedliche Ausprägung und Langlebigkeit zwischen Nord- und Südpol bleibt ein zentraler Diskussionspunkt in der Fachwelt.

Offene Fragen zur Entstehung und Dynamik

Trotz der hochauflösenden Aufnahmen durch Hubble bleiben wesentliche Fragen unbeantwortet. Die Forschungsgruppe räumt ein, dass die grundlegenden Mechanismen hinter der Entstehung der eckigen Strukturen noch immer im Dunkeln liegen. Konkret bleibt offen, warum die Natur auf dem Saturn überhaupt dazu neigt, derartige geometrische Formen in den Jetstreams zu erzeugen. Zudem ist unklar, warum sich das Dekagon erst ab 2023 gebildet hat und ob es eine ähnliche Langlebigkeit wie das nördliche Hexagon aufweisen wird. Die Wissenschaftler stellen sich die explizite Frage, warum das Phänomen gerade jetzt auftritt, obwohl der Südpol zuvor über lange Zeiträume hinweg keine vergleichbaren Strukturen zeigte. Auch die physikalischen Unterschiede, die dazu führen, dass sich die Stürme an den Polen so deutlich voneinander unterscheiden, sind bisher nicht geklärt. Die Lücke zwischen der Beobachtung des Phänomens und einer theoretischen physikalischen Erklärung ist nach wie vor groß, da die bisherigen Modelle die plötzliche Ausbildung des Dekagons nicht vorhergesagt haben.

Zukünftige Schritte in der Saturnforschung

Die Forschungsgruppe hat angekündigt, das Dekagon am Südpol des Saturn weiterhin intensiv zu beobachten. Ziel dieser Bemühungen ist es, festzustellen, ob sich die Struktur über die Zeit stabilisiert oder ob sie lediglich ein vorübergehendes Ereignis in der Saturnatmosphäre darstellt. Durch die kontinuierliche Überwachung mittels Hubble und möglicherweise weiterer Teleskope erhoffen sich die Astronomen, Aufschluss über die Entstehungsprozesse und die langfristige Dynamik des Zehnecks zu gewinnen. Es gibt derzeit keine festen Termine für den Abschluss dieser Untersuchungen, da die Beobachtung von der Verfügbarkeit der Teleskopzeit und der weiteren Entwicklung des Sturms abhängt. Die Wissenschaftler planen, die gesammelten Daten in den kommenden Monaten und Jahren weiter zu analysieren, um die atmosphärischen Wellen besser zu verstehen und in die bestehenden Modelle zur Planetenatmosphäre zu integrieren. Die Entdeckung dient somit als Ausgangspunkt für eine neue Phase der Saturnforschung, in der die Vergleichbarkeit der beiden Pole des Planeten eine zentrale Rolle spielen wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/leuchtender-kosmischer-nebel-mit-sternenklarem-hintergrund-37269543/ · Foto: Marek Pavlík
Quelle: https://www.heise.de/news/Dekagon-Weltraumteleskop-Hubble-fotografiert-zehneckigen-Sturm-auf-dem-Saturn-11439571.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag