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Nasa-Weltraumteleskop vor Start: „Roman“ soll 100.000 Exoplaneten finden
Technik · 24.08.2026 14:27

Nasa-Weltraumteleskop vor Start: „Roman“ soll 100.000 Exoplaneten finden

Kurz: Die NASA bereitet den Start des Nancy Grace Roman Space Telescope vor. Es soll über 100.000 Exoplaneten finden und das Universum in 3D kartieren.

Ein Meilenstein der Weltraumforschung steht bevor

Am Sonntag, dem 30. August, schlägt die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA ein neues Kapitel in der astronomischen Forschung auf. Mit dem Start des Nancy Grace Roman Space Telescope, kurz NGRST, beginnt eine Mission, die das Verständnis des Kosmos grundlegend erweitern soll. Der Start erfolgt vom Kennedy Space Center im US-Bundesstaat Florida, wobei eine leistungsstarke Falcon-Heavy-Rakete des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX zum Einsatz kommt. Das Ziel dieses ambitionierten Projekts ist es, das Weltall mit einer bisher unerreichten Präzision zu vermessen. Die Erwartungen der wissenschaftlichen Gemeinschaft sind immens, da das Teleskop nicht nur zur Entdeckung von über 100.000 neuen Exoplaneten beitragen soll, sondern auch fundamentale Fragen zur Beschaffenheit des Universums adressiert. Mit seiner hochmodernen Technik wird das Gerät, das nach einer bedeutenden US-Astronomin benannt wurde, in eine Position gebracht, von der aus es den Himmel in einem bisher unbekannten Detailgrad beobachten kann. Der Start markiert den Beginn einer fünfjährigen primären Missionsdauer, in der das Teleskop kontinuierlich Daten zur Erde übermitteln wird, um die Geheimnisse ferner Sonnensysteme und die rätselhafte Natur der Dunklen Energie zu entschlüsseln.

Technische Spezifikationen und die Hardware der Mission

Das Nancy Grace Roman Space Telescope ist ein wahres Schwergewicht der Ingenieurskunst. Mit einer Masse von etwa 8000 Kilogramm – ein Wert, den die NASA anschaulich mit dem Gewicht eines Tyrannosaurus rex vergleicht – stellt es ein komplexes Instrumentarium dar. Nach dem vollständigen Entfalten aller Komponenten im All wird das Teleskop eine Länge von 12,7 Metern und eine Breite von 4,4 Metern erreichen. Das Herzstück des Systems bildet ein Hauptspiegel mit einem Durchmesser von 2,4 Metern, der in Kombination mit einem aus 18 Teilen bestehenden Detektor arbeitet. Dieser Detektor verfügt über eine beeindruckende Auflösung von 300 Millionen Pixeln. Diese technische Konfiguration ermöglicht es, mit jeder einzelnen Aufnahme einen signifikanten Himmelsausschnitt in einer außergewöhnlichen Detailtiefe zu erfassen. Die Energieversorgung erfolgt über Solarpaneele, die nach dem Start entfaltet werden und eine Leistung von 4 Kilowatt bereitstellen sollen. Die Datenmenge, die das Teleskop täglich zur Erde senden wird, ist mit 1,4 Terabyte pro Tag beispiellos und stellt eine neue Herausforderung für die Datenverarbeitung der NASA dar. Über die gesamte Laufzeit der Mission hinweg werden voraussichtlich mehr als 20 Petabyte an wissenschaftlichen Daten generiert, die für die Forschung von unschätzbarem Wert sein werden.

Historische Entwicklung und Namensgebung

Die Entstehungsgeschichte des heutigen Nancy Grace Roman Space Telescope reicht weit zurück. Ursprünglich wurde das Projekt unter der Bezeichnung Wide Field Infrared Survey Telescope, kurz WFIRST, konzipiert. Im Jahr 2020 entschied sich die NASA jedoch für eine Umbenennung, um die Verdienste einer herausragenden Wissenschaftlerin zu würdigen. Nancy Grace Roman war eine US-amerikanische Astronomin und die erste Frau in einer Führungsposition bei der NASA, wo sie maßgeblich für den Bereich der Astronomie verantwortlich zeichnete. Aufgrund ihrer zentralen Rolle bei der Entwicklung und Realisierung des berühmten Hubble-Weltraumteleskops wird sie in Fachkreisen respektvoll als „Mutter von Hubble“ bezeichnet. Die Umbenennung unterstreicht nicht nur ihr Lebenswerk, sondern setzt auch ein Zeichen für die Bedeutung weiblicher Pionierarbeit in der modernen Astrophysik. Die Entwicklung des Teleskops durchlief verschiedene Phasen, in denen das Design und die wissenschaftlichen Ziele kontinuierlich verfeinert wurden, um den Anforderungen der modernen Astronomie gerecht zu werden und die Lücke zwischen bestehenden Observatorien und zukünftigen Anforderungen an die Himmelsdurchmusterung zu schließen.

Die wissenschaftliche Zusammenarbeit im All

Das NGRST agiert nicht isoliert, sondern fügt sich in ein bestehendes Netzwerk aus Weltraumobservatorien ein. Es ist dazu konzipiert, die Daten des bereits im All befindlichen James-Webb-Weltraumteleskops sowie des ESA-Weltraumteleskops Euclid sinnvoll zu ergänzen. Während Euclid einen größeren Bereich des Himmels mit einer geringeren Detailtiefe durchsucht, wird Roman in der Lage sein, spezifische Bereiche mit einer weitaus höheren Auflösung zu analysieren. Beide Projekte widmen sich gemeinsam den großen Rätseln der modernen Kosmologie: der Erforschung von Dunkler Materie und Dunkler Energie. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es den Wissenschaftlern, verschiedene Methoden zur Himmelsdurchmusterung zu kombinieren und so ein umfassenderes Bild der Struktur des Universums zu erhalten. Die Erstellung einer umfangreichen 3D-Karte des Kosmos ist dabei ein zentrales Ziel, das durch die synergetische Nutzung der verschiedenen Teleskopdaten erreicht werden soll. Die internationale Kooperation und die Abstimmung der Beobachtungsstrategien sind entscheidend, um die Grenzen unseres Wissens über die großräumigen Strukturen des Universums zu verschieben.

Die Jagd nach Exoplaneten als Kernaufgabe

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Mission liegt in der Suche nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Bisher sind mehr als 6300 Exoplaneten wissenschaftlich bestätigt, doch das NGRST soll diese Zahl drastisch erhöhen. Insgesamt werden über 100.000 neue Funde angestrebt, wobei die Forscher insbesondere auf die Entdeckung erdähnlicher Planeten hoffen. Hierbei kommen zwei unterschiedliche Methoden zum Einsatz. Zum einen die Transitmethode, bei der das Teleskop Helligkeitsschwankungen von Sternen misst, wenn ein Planet vor ihnen vorbeizieht. Zum anderen die sogenannte Galactic Bulge Time-Domain Survey. In dieser speziellen Beobachtungsreihe wird das Teleskop über sechs Zeiträume von jeweils 72 Tagen auf das Zentrum unserer Milchstraße blicken. Dabei wird nach Mikrolinsenereignissen gesucht: Zieht ein Exoplanet eng an einem Stern vorbei, krümmt er dessen Lichtstrahlen minimal, was zu einer kurzzeitigen Aufhellung führt. Diese Methode ist besonders vielversprechend, um Planeten zu finden, die sich in anderen Sonnensystemen befinden und bisher schwer detektierbar waren. Theoretisch könnte Roman Entsprechungen für alle Planeten unseres Sonnensystems mit Ausnahme des Merkur identifizieren.

Einordnung der wissenschaftlichen Bedeutung

Einzuordnen ist das Projekt als ein Quantensprung in der astronomischen Beobachtungstechnik. Den Berichten zufolge könnte das NGRST das Kepler-Weltraumteleskop, das bisher als der produktivste Exoplanetenjäger galt, nicht nur ablösen, sondern dessen Ergebnisse in den Schatten stellen. Die schiere Menge an Daten, die das Teleskop liefern wird, verspricht eine neue Ära der statistischen Analyse in der Astronomie. Dass das Teleskop in der Lage sein soll, Hunderte von erdgroßen Planeten zu finden, könnte die Frage nach der Häufigkeit lebensfreundlicher Welten im Universum entscheidend beantworten. Die Kosten von rund 5,3 Milliarden US-Dollar spiegeln die Komplexität und den technologischen Anspruch wider, der mit dieser Mission verbunden ist. Es handelt sich um ein Instrument, das darauf ausgelegt ist, die Grenzen dessen, was wir über die Entstehung und Verteilung von Planeten in unserer Galaxie wissen, massiv zu erweitern. Die Kombination aus großflächiger Himmelsdurchmusterung und gezielter Suche nach Mikrolinsenereignissen macht das Teleskop zu einem einzigartigen Werkzeug, das sowohl die Kosmologie als auch die Planetenforschung maßgeblich beeinflussen wird.

Offene Fragen und verbleibende Unbekannte

Obwohl die technischen Parameter und die wissenschaftlichen Ziele präzise definiert sind, bleiben einige Aspekte naturgemäß offen, da der Betrieb erst nach dem Start beginnt. Der Quelltext lässt beispielsweise offen, welche spezifischen atmosphärischen Bedingungen bei den potenziell entdeckten erdähnlichen Planeten vorliegen könnten, da das Teleskop primär auf die Detektion und nicht auf die detaillierte spektroskopische Analyse der Atmosphären in jedem Einzelfall ausgelegt ist. Auch die exakten Zeitpunkte für die Veröffentlichung der wissenschaftlichen Ergebnisse nach der ersten Datenaufnahme Anfang 2027 sind noch mit einer gewissen Unschärfe behaftet, da die Inbetriebnahme im All ein komplexer Prozess ist. Zudem bleibt abzuwarten, wie sich die Datenmenge von 1,4 Terabyte pro Tag in der Praxis auf die Kapazitäten der Bodenstationen auswirken wird und ob die Verarbeitung der 20 Petabyte über die fünfjährige Missionsdauer reibungslos verläuft. Die genaue Zusammensetzung der Dunklen Materie, die das Teleskop untersuchen soll, bleibt ebenfalls ein Rätsel, dessen Lösung zwar angestrebt wird, deren Erfolg jedoch von der Qualität der gewonnenen 3D-Karten abhängt.

Der Zeitplan für Inbetriebnahme und erste Daten

Nach dem Start am Sonntag sind für die Reise zum Einsatzort, dem sogenannten Lagrange-Punkt L2, und die anschließende Inbetriebnahme insgesamt 90 Tage vorgesehen. In den ersten Stunden nach dem Start steht das Entfalten der Solarpaneele an, gefolgt von der Ausrichtung der Antenne und einer ausfahrbaren Blendenabdeckung nach wenigen Tagen. Die US-Weltraumagentur hat angekündigt, Informationen über den Fortschritt der Inbetriebnahme zeitnah in einem eigenen Blog zu veröffentlichen, um die Öffentlichkeit über den Status der Mission auf dem Laufenden zu halten. Dieser Prozess ist kritisch, da jeder Schritt präzise aufeinander abgestimmt sein muss, um die volle Funktionalität des 2,4-Meter-Spiegels zu gewährleisten. Nach Abschluss der Testphase und der Kalibrierung der Instrumente wird das Teleskop mit seiner regulären wissenschaftlichen Arbeit beginnen. Die astronomische Fachwelt und die interessierte Öffentlichkeit blicken gespannt auf den Beginn des Jahres 2027, für das die Veröffentlichung der ersten Aufnahmen des Nancy Grace Roman Space Telescope geplant ist. Bis dahin wird das Teleskop damit beschäftigt sein, die ersten Datenströme aus den Tiefen des Alls zur Erde zu senden und die Grundlage für die umfangreichste 3D-Karte des Universums zu legen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/licht-person-weltraum-technologie-7671966/ · Foto: Mikhail Nilov
Quelle: https://www.heise.de/news/NASA-Weltraumteleskop-vor-Start-Roman-soll-100-000-Exoplaneten-finden-11423581.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag