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Das Rätsel der verschwundenen Pyramide von Gizeh
Schlagzeilen · 08.08.2026 08:13

Das Rätsel der verschwundenen Pyramide von Gizeh

Kurz: In Abu Rawash liegen die Überreste einer vergessenen Pyramide. Warum das Grabmal des Pharaos Djedefre fast vollständig verschwand, enthüllen neue archäologische

Ein vergessenes Monument in der Wüste

Die Pyramiden von Gizeh sind weltweit als archäologische Sensation bekannt. Doch nur acht Kilometer nordwestlich, in Abu Rawash, verbirgt sich ein weiteres, weit weniger bekanntes Kapitel der ägyptischen Geschichte. Hier ließ Pharao Djedefre, ein Sohn des berühmten Cheops, ein Grabmal errichten, das in seiner Zeit als architektonisches Meisterwerk galt. Während die drei großen Monumente von Gizeh bis heute das Bild der ägyptischen Antike prägen, ist von Djedefres Pyramide heute kaum mehr als ein Sockel und ein tiefer Schacht übrig.

Der Ehrgeiz eines Pharaos: Höher als der Vater

Djedefre, der als erster Herrscher den Titel „Sohn des Re“ trug, wollte mit seinem Bauwerk ein deutliches Zeichen setzen. Die Wahl des Standorts in Abu Rawash war dabei kein Zufall. Da das Plateau dort höher liegt als in Gizeh, konnte Djedefre seinen Vater Cheops symbolisch übertrumpfen.

Obwohl die Cheops-Pyramide mit 147 Metern die deutlich größere Grundhöhe aufwies, sorgte die erhöhte Lage in Abu Rawash dafür, dass die Spitze von Djedefres Bauwerk – das vermutlich etwa 67 Meter maß – über dem Meeresspiegel höher thronte als die Spitzen der berühmten Nachbarbauten. Dies unterstrich den Anspruch des Pharaos auf eine besondere Verbindung zum Sonnengott.

Ein Bauwerk wie ein Kristall

Auch bei der Wahl der Materialien setzte Djedefre neue Maßstäbe. Archäologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Außenverkleidung im unteren Bereich aus rotem Granit bestand, einem besonders harten und kostbaren Gestein. Der obere Teil war vermutlich mit hellem Kalkstein bedeckt. Im Licht der untergehenden Sonne muss das Grabmal einen beeindruckenden Anblick geboten haben, der an einen glänzenden Kristall erinnerte – eine deutliche Abkehr von der rein kalksteinbasierten Verkleidung seiner Vorgänger.

Vom Grabmal zum Steinbruch

Lange Zeit hielt sich in der Wissenschaft die Theorie, dass interne Konflikte innerhalb der Königsfamilie zur Zerstörung des Bauwerks geführt hätten. Man vermutete, Djedefres Ansehen sei nach seinem Tod derart gesunken, dass sein Grabmal gezielt geschleift wurde. Diese These gilt heute jedoch als unwahrscheinlich.

Aktuelle Erkenntnisse legen nahe, dass die Zerstörung ein schleichender Prozess war, der sich über Jahrhunderte erstreckte. Die Anlage diente über lange Zeit hinweg als Steinbruch. Insbesondere während der römischen und frühchristlichen Epochen wurden die behauenen Steine massiv abgetragen, um sie für neue Bauvorhaben zu nutzen. Der wertvolle Granit und die abgelegene Lage machten das Monument zu einem attraktiven Ziel für Materialräuber.

Spuren in der heutigen Architektur

Die Überreste der Pyramide verschwanden nicht spurlos aus der Geschichte. In Kairo lassen sich bis heute Spuren dieses Raubbaus finden. In zahlreichen Mauern der Stadt sind Blöcke verbaut, die noch immer altägyptische Hieroglyphen tragen. Archäologen wie Chris Naunton bestätigen, dass die Römer gezielt Monumente plünderten, um an das bereits bearbeitete Baumaterial zu gelangen.

Was einst als prachtvolles Grabmal für die Ewigkeit geplant war, wurde so zum Lieferanten für die Architektur späterer Generationen. Die Ruine in Abu Rawash bleibt damit ein Zeugnis für die Vergänglichkeit selbst monumentalster Bauwerke, deren Schicksal maßgeblich durch den praktischen Nutzen ihrer Baustoffe für nachfolgende Zivilisationen bestimmt wurde.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-wahrzeichen-wuste-reise-6716161/ · Foto: Evisa Kasaj
Quelle: https://www.zdfheute.de/wissen/aegypten-pyramiden-von-gizeh-kairo-pharao-steine-100.html