Ein Reifeprozess auf und neben dem Platz
Patric Pfeiffer hat in seiner Karriere bereits einige turbulente Phasen durchlebt. Der 26-jährige Innenverteidiger des SV Darmstadt 98, der sich derzeit im Trainingslager in Bad Wörishofen auf die kommende Zweitliga-Saison vorbereitet, zeigt sich in diesem Sommer von einer neuen Seite. Lange Zeit war es der gebürtige Hamburger gewohnt, seine sportlichen Leistungen für sich sprechen zu lassen, während er abseits des Rasens eher zurückhaltend agierte. Nun jedoch signalisiert er eine bewusste Veränderung: Er möchte künftig proaktiver auftreten und mehr Verantwortung übernehmen.
Dieser Wandel ist das Ergebnis eines längeren Reifeprozesses. Nach seinem Wechsel vom FC Augsburg zurück nach Südhessen – ein Schritt, der von manchen Beobachtern zunächst kritisch hinterfragt wurde – hat sich Pfeiffer bei den Lilien als feste Größe etabliert. Dass er sich für Darmstadt entschied, begründet er mit dem positiven Umfeld, das ihm der Verein bereits während seines ersten Engagements geboten hatte.
Sportliche Bilanz und persönliche Ziele
Die Rückkehr nach Darmstadt erwies sich als sportlicher Erfolg. Pfeiffer entwickelte sich zum Stammspieler und Leistungsträger, was ihm im Frühjahr eine Berufung in die A-Nationalmannschaft Ghanas einbrachte. Dennoch verlief der Weg nicht ohne Hindernisse. Eine Oberschenkelverletzung im vorletzten Saisonspiel verhinderte den Sprung in den WM-Kader und zwang den Abwehrspieler in eine längere Rehabilitationsphase. Diese Zeit nutzte er, um in seiner Heimatstadt Kraft zu tanken.
Für die neue Spielzeit hat sich Pfeiffer klare Ziele gesetzt. Neben der obersten Priorität, gesund zu bleiben, möchte er seine Rolle innerhalb des Teams weiterentwickeln. Er strebt an, konstanter zu agieren und als Führungspersönlichkeit ein Zeichen für seine Mitspieler zu setzen. „Ich muss auch mal was zurückgeben“, betont er im Hinblick auf seine neue Rolle als Anführer.
Halt durch den Glauben
Ein wesentlicher Faktor, der Pfeiffer dabei hilft, mit sportlichen Rückschlägen und Enttäuschungen umzugehen, ist sein christlicher Glaube. Während andere Spieler in schwierigen Phasen in ein mentales Loch fallen könnten, findet er in seinem Glauben die nötige Stabilität. Er nutzt dafür regelmäßig digitale Angebote wie Bibel-Apps, führt aber auch ein physisches Exemplar mit sich. Diese innere Überzeugung gibt ihm die Kraft, auch nach Verletzungen oder verpassten Zielen fokussiert zu bleiben.
Herausforderungen in der neuen Saison
Das Trainingslager in Bad Wörishofen dient nicht nur der individuellen Entwicklung, sondern auch der sozialen Integration innerhalb der Mannschaft. Nach einem umfangreichen personellen Umbruch befindet sich der Kader noch in einer Findungsphase. Pfeiffer betont, dass es besonders für Neuzugänge, die aus dem Ausland kommen, eine Herausforderung darstellt, die taktischen Vorgaben von Trainer Florian Kohfeldt umzusetzen. Dennoch zeigen die bisherigen Testspiele laut Pfeiffer, dass die neuen Automatismen bereits gut greifen.
Die Konkurrenz in der zweiten Liga hat sich durch die Absteiger aus der Bundesliga – darunter der VfL Wolfsburg, der 1. FC Heidenheim und der FC St. Pauli – deutlich verschärft. Pfeiffer ist sich bewusst, dass in der kommenden Saison an jedem Spieltag eine Leistung von 100 Prozent gefordert ist. Besonders das Auswärtsspiel beim FC St. Pauli markiert für ihn eine persönliche Rückkehr in seine Heimatstadt, diesmal unter sportlich erfreulicheren Vorzeichen als während seiner Reha-Zeit.
Die Lilien setzen auch in dieser Spielzeit auf Bescheidenheit und harte Arbeit. Die Lehren aus der Vorsaison, in der dem Team zum Ende hin die Kraft ausging, sollen nun in eine konstantere Leistung münden. Für Pfeiffer persönlich bedeutet das: Er ist bereit, vom reinen Leistungsträger zur prägenden Führungsfigur zu wachsen.