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Damaskus - Syriens Ex-Großmufti Ahmad Hassun zu lebenslanger Haft verurteilt
Schlagzeilen · 24.08.2026 14:49

Damaskus - Syriens Ex-Großmufti Ahmad Hassun zu lebenslanger Haft verurteilt

Kurz: Das syrische Regime hat seinen ehemaligen Großmufti Ahmad Hassun zu lebenslanger Haft verurteilt. Ihm wird Anstiftung zu Gewalt und Mord vorgeworfen.

Ein Urteil mit Signalwirkung in Damaskus

In der syrischen Hauptstadt Damaskus ist ein juristisches Verfahren von erheblicher politischer Tragweite zu einem Abschluss gekommen. Der ehemalige Großmufti des Landes, Ahmad Hassun, wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der einstige höchste islamische Religionsführer Syriens sich der Anstiftung zu Gewalt sowie der Rechtfertigung von Morden schuldig gemacht hat. Die Verkündung dieses Urteils am 24. August 2026 markiert einen weiteren markanten Punkt in der juristischen Aufarbeitung der Ära unter dem gestürzten Diktator Baschar al-Assad. Hassun, der über viele Jahre hinweg eine der einflussreichsten religiösen Stimmen des Landes war, muss sich nun für seine Rolle bei der ideologischen Untermauerung staatlicher Gewalt verantworten. Die Entscheidung des Gerichts in Damaskus unterstreicht den Wandel in der syrischen Justizlandschaft, die nun gezielt gegen Akteure vorgeht, die das Regime über Jahrzehnte hinweg legitimiert und unterstützt haben.

Die juristischen Hintergründe und die Rolle des Großmuftis

Die Anklage gegen Ahmad Hassun stützte sich auf seine Aktivitäten während seiner langen Amtszeit, die von 2005 bis 2021 andauerte. Der Vorsitzende Richter legte in seiner Urteilsbegründung dar, dass Hassun maßgeblich dazu beigetragen habe, den Einsatz von Fassbomben gegen zivile Gebiete sowohl religiös als auch politisch zu rechtfertigen. Diese Angriffe, die unter der Herrschaft von Baschar al-Assad durchgeführt wurden, führten zu massiven Zerstörungen und forderten unzählige zivile Opfer. Das Gericht bewertete diese Handlungen als klare Verstöße gegen das geltende Völkerrecht. Hassun, der als enger Vertrauter des ehemaligen Diktators galt, nutzte seine religiöse Autorität, um die militärischen Aktionen des Regimes zu stützen und die Bevölkerung zur Akzeptanz dieser Gewalt zu bewegen. Die juristische Aufarbeitung konzentriert sich nun explizit auf die Frage, inwieweit religiöse Würdenträger durch ihre öffentliche Rhetorik direkt zur Eskalation des Konflikts beigetragen haben.

Der Kontext der politischen Aufarbeitung

Das Urteil gegen Ahmad Hassun steht nicht isoliert, sondern muss in einem größeren Kontext betrachtet werden. In den vergangenen Wochen hat die syrische Justiz eine Reihe von Urteilen gegen hochrangige Vertreter des ehemaligen Regimes gefällt. Dabei wurden mehrere Personen zum Tode verurteilt, was die Härte der aktuellen juristischen Aufarbeitung verdeutlicht. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Situation des ehemaligen Diktators Baschar al-Assad selbst. Auch gegen ihn wurden bereits Todesurteile ausgesprochen. Allerdings befindet sich Assad derzeit nicht im Zugriff der syrischen Behörden, da er sich in Russland im Exil aufhält. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass die neuen Machtverhältnisse in Damaskus entschlossen sind, die Strukturen der Vergangenheit juristisch aufzubrechen. Die Verurteilung von Hassun, der als prominentes Gesicht des alten Systems galt, dient dabei als deutliches Zeichen, dass die Zeit der Straflosigkeit für die Unterstützer des Assad-Regimes in Syrien offiziell beendet ist.

Die Akteure und ihre Verantwortlichkeiten

Im Zentrum dieses Prozesses steht Ahmad Hassun selbst, der während seiner 16-jährigen Amtszeit als Großmufti eine zentrale Rolle im syrischen Machtgefüge einnahm. Als religiöses Oberhaupt war er eine Schlüsselfigur, die dem Regime die notwendige moralische und ideologische Legitimation verlieh. Die Entscheidungsträger in diesem Prozess sind die Richter in Damaskus, die nun die Aufgabe haben, die Verbrechen der Assad-Ära juristisch zu bewerten. Neben Hassun sind weitere Vertreter des ehemaligen Regimes von den juristischen Konsequenzen betroffen. Die Tatsache, dass das Gericht auch gegen Personen wie Assad selbst Urteile fällt, zeigt die Entschlossenheit, die gesamte Hierarchie des alten Systems zur Rechenschaft zu ziehen. Die Öffentlichkeit in Syrien und international beobachtet diese Prozesse genau, da sie einen Wendepunkt in der Geschichte des Landes darstellen und die Frage nach Gerechtigkeit für die Opfer der jahrelangen Gewalt in den Vordergrund rücken.

Einordnung der juristischen Entwicklung

Einzuordnen ist das Urteil gegen den Ex-Großmufti als Versuch einer systemischen Aufarbeitung. Den Berichten zufolge ist die Verurteilung Hassuns ein wesentlicher Baustein, um die ideologische Basis des Assad-Regimes zu dekonstruieren. Die explizite Nennung der Fassbomben-Angriffe in der Urteilsbegründung verdeutlicht, dass das Gericht den direkten Zusammenhang zwischen religiöser Rhetorik und physischer Gewalt herstellen will. Kritiker und Beobachter werten diesen Schritt als notwendige Maßnahme zur Wiederherstellung des Rechtsstaatsprinzips in einem Land, das durch den Bürgerkrieg und die autokratische Herrschaft tief gespalten wurde. Dennoch bleibt die Einordnung schwierig, da die Unabhängigkeit der aktuellen Justiz in einem Transformationsprozess stets Gegenstand von Debatten ist. Dennoch ist die juristische Aufarbeitung der Rolle von Hassun ein unübersehbares Signal an alle ehemaligen Funktionsträger, dass die Verantwortung für die begangenen Gräueltaten nicht mit dem Ende der Amtszeit endet, sondern eine dauerhafte juristische Verfolgung nach sich ziehen kann.

Offene Fragen und der weitere Weg

Trotz des klaren Urteils bleiben zahlreiche Fragen offen, die der vorliegende Bericht nicht beantworten kann. Unklar ist beispielsweise, inwieweit Hassun im Prozess die Möglichkeit zur Verteidigung hatte oder ob er Reue zeigte. Auch über die genauen Haftbedingungen oder den Ort seiner Inhaftierung gibt es keine Informationen. Ebenso bleibt offen, wie die internationale Gemeinschaft auf diese Urteilsserie reagiert und ob es Bestrebungen gibt, die im Ausland befindlichen Akteure wie Assad tatsächlich zur Rechenschaft zu ziehen. Wie es weitergeht, ist derzeit noch nicht vollständig absehbar. Es ist jedoch davon auszugehen, dass weitere Prozesse gegen ehemalige Funktionäre folgen werden, da die Aufarbeitung der Regierungszeit von Baschar al-Assad noch lange nicht abgeschlossen ist. Die syrische Justiz steht vor der Herausforderung, die begonnene Linie konsequent fortzusetzen, während das Land versucht, eine neue politische Ordnung zu etablieren, die auf den Trümmern des alten Systems aufbaut.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-in-den-ruinen-von-damaskus-blickt-zum-horizont-36595329/ · Foto: Baraa Obied
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/syriens-ex-grossmufti-ahmad-hassun-zu-lebenslanger-haft-verurteilt-102.html