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Terrormiliz: "Der IS setzt auf das Scheitern Syriens"
Schlagzeilen · 30.07.2026 11:37

Terrormiliz: "Der IS setzt auf das Scheitern Syriens"

Kurz: Der IS ist kein Kalifat mehr, doch die Terrormiliz bleibt gefährlich. Experten warnen, dass sie auf das Scheitern Syriens setzt und sich im Untergrund neu formi

Die neue Strategie des Islamischen Staates

Mehr als ein Jahrzehnt nach der Ausrufung des Kalifats durch Abu Bakr al-Baghdadi im irakischen Mossul hat sich das Erscheinungsbild des sogenannten Islamischen Staates (IS) grundlegend gewandelt. Während die Miliz einst weite Landstriche in Syrien und dem Irak unter ihrer direkten Kontrolle hielt und dort ein Schreckensregime errichtete, ist diese Ära der territorialen Machtausübung vorbei. Doch das Verschwinden der physischen Grenzen bedeutet keineswegs das Ende der Organisation.

Verdeckte Operationen statt offener Herrschaft

Nach Einschätzung von Experten, darunter der jordanische Forscher Hassan Abu Haneyeh, operiert der IS heute primär aus dem Verborgenen. Die Miliz hat ihre Strategie auf den Untergrund verlagert. Anstatt große Städte dauerhaft zu besetzen, setzt sie auf gezielte Operationen durch einzelne, aktivierte Zellen. UN-Schätzungen gehen davon aus, dass sich derzeit noch bis zu 5.000 Kämpfer in der Region aufhalten. Der ägyptische Experte Hisham El Naggar beschreibt diese neue Phase als einen langwierigen Zermürbungskrieg, der darauf abzielt, die Stabilität der betroffenen Staaten kontinuierlich zu untergraben.

Instabilität als Nährboden

Die Terrormiliz beobachtet die soziopolitische Lage in der Region genau. Laut Abu Haneyeh spekuliert der IS gezielt auf ein Scheitern des syrischen Staates. Die aktuelle Gemengelage, geprägt von internen Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen sowie der regionalen Instabilität durch den Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran, wird von der Miliz als strategisches Zeitfenster begriffen. Der IS wartet auf den richtigen Moment, um aus der Schwäche der staatlichen Strukturen Kapital zu schlagen.

Die Folgen der Lagerauflösung

Ein kritischer Punkt in der aktuellen Sicherheitslage ist die Auflösung des Lagers Al-Hol im Nordosten Syriens Anfang des Jahres. Über Jahre hinweg waren dort tausende Angehörige von IS-Kämpfern unter prekären Bedingungen inhaftiert. Beobachter des International Center for Counter-Terrorism in Den Haag werten die unkontrollierte Freilassung tausender Personen als einen massiven Erfolg für die Terrormiliz. Es wird befürchtet, dass diese Entwicklung dem IS einen erheblichen Zustrom an neuem Personal beschert hat, was die Rekrutierung und den Fortbestand der Ideologie innerhalb der Region stärkt.

Moderne Rekrutierung und technologische Anpassung

Der IS hat sich längst zu einem Phänomen entwickelt, das eng mit modernen Technologien verknüpft ist. Die Miliz zeigt sich äußerst aktiv im Internet und nutzt digitale Kanäle, um weltweit junge, radikalisierte Männer anzuziehen. Experten betonen, dass die Organisation ihre Methoden ständig an veränderte Sicherheitsmaßnahmen anpasst. Dabei experimentiert die Gruppe zunehmend mit neuen Technologien, um ihre Propaganda zu verbreiten und ihre verdeckten Strukturen vor staatlichen Zugriffen zu schützen.

Herausforderungen für die syrische Regierung

Die syrische Führung unter Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa bemüht sich, nach außen hin ein Bild der Stabilität zu vermitteln. Dennoch bleibt die Sicherheitslage fragil. Jüngste Ereignisse, wie die Bombenexplosionen während des Besuchs des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Damaskus, unterstreichen die anhaltende Bedrohung. Obwohl die Regierung den IS für solche Anschläge verantwortlich macht, bleibt die Bekämpfung der verdeckten Zellen eine komplexe Aufgabe. Die syrischen Behörden stehen unter Druck, die Verantwortlichen für diese Akte der Gewalt zu identifizieren und die staatliche Autorität gegen Akteure zu verteidigen, die den Erfolg des Landes aktiv verhindern wollen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/syrische-kundgebung-mit-flaggen-und-gepanzertem-offizier-36477084/ · Foto: Baraa Obied
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/asien/syrien-staerke-is-100.html