Ein Riss im Machtgefüge der FIFA
Die interne Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino erreicht eine neue Dimension. Nachdem bereits hochrangige Funktionäre und Berater ihrem Unmut über einen gescheiterten Investorendeal Luft gemacht haben, hat sich nun auch Arsène Wenger, Direktor für globale Fußballentwicklung, in die Debatte eingeschaltet. Die Äußerungen der Trainer-Ikone wiegen schwer, da Wenger seit 2019 als enger Vertrauter und strategischer Kopf innerhalb des Weltverbandes gilt.
Distanzierung von intransparenten Prozessen
Der Kern der Kritik Wengers liegt in der Art und Weise, wie das Vorhaben kommuniziert wurde. Laut eigener Aussage war der 76-Jährige in keiner Phase in die Planungen involviert. Er habe erst durch die Medien von dem Vorhaben erfahren, Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft sowie anderen FIFA-Turnieren an externe Investoren zu veräußern. Diese fehlende Einbindung zwang Wenger nach eigenen Angaben zu einer öffentlichen Klarstellung.
In seinem Statement betonte er, dass der Rückzug von diesem Projekt zwingend erforderlich und inhaltlich unumstritten gewesen sei. Für Wenger steht fest, dass die FIFA ihre Unabhängigkeit wahren muss. Er mahnt an, dass der Weltverband seinem sportlichen Auftrag ausschließlich mit Engagement, Transparenz und Integrität nachkommen dürfe.
Die Isolation des Präsidenten
Die Einlassung Wengers ist ein weiteres Indiz für die zunehmende Isolation Infantinos innerhalb der eigenen Organisation. Zuvor hatte bereits Carlos Cordeiro, der leitende Berater des Präsidenten, scharfe Kritik an dessen Alleingang geübt und sein Amt niedergelegt. Auch Kevin Lamour, Generaldirektor der FIFA, fand deutliche Worte und sprach davon, dass die Belegschaft des Verbandes durch den Präsidenten getäuscht worden sei.
Der gescheiterte Deal, der in der Öffentlichkeit und innerhalb der FIFA als intransparenter Hinterzimmerdeal wahrgenommen wurde, hat das Vertrauensverhältnis nachhaltig beschädigt. Die Kritik aus dem engsten Umfeld verdeutlicht, dass die interne Kommunikation und die Entscheidungskultur unter Infantino massiv unter Druck stehen.
Politische Folgen für die FIFA-Führung
Die Auswirkungen dieser Ereignisse gehen weit über die interne Kritik hinaus. Auf internationaler Ebene haben bereits zahlreiche europäische Fußballverbände ihre Unterstützung für eine Wiederwahl Infantinos im März 2027 offiziell zurückgezogen. Die Stimmung innerhalb der Mitgliedsnationen ist gekippt; es mehren sich Stimmen, die sogar einen vorzeitigen Rücktritt des Schweizers fordern.
Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob die FIFA ihre Strukturen reformieren kann oder ob die Führungskrise zu einem dauerhaften Machtverlust führt. Der Druck auf Infantino wächst, da die Forderung nach einer unabhängigen und transparenten Verbandsführung nun nicht mehr nur von außen, sondern aus dem Zentrum der FIFA selbst artikuliert wird.