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Apsilons „Glanz Null“: Sein Sommermärchen geht nicht gut aus
Kultur · 27.07.2026 12:58

Apsilons „Glanz Null“: Sein Sommermärchen geht nicht gut aus

Kurz: Mit seinem neuen Album „Glanz Null“ verknüpft der Rapper Apsilon persönliche Erinnerungen mit gesellschaftlicher Kritik und beweist eine neue musikalische Tiefe

Eine neue Ebene des Storytellings

Der Berliner Rapper Apsilon hat mit seinem aktuellen Album „Glanz Null“ eine konsequente Weiterentwicklung seines bisherigen Schaffens vorgelegt. Während sein Vorgängeralbum „Haut wie Pelz“ bereits durch eine Mischung aus eingängigen Synthie-Melodien und melancholischer Gesellschaftskritik überzeugte, schlägt der 29-jährige Künstler auf seinem neuen Werk musikalisch einen differenzierteren Weg ein. Das Album verzichtet dabei auf sterile Produktionen und setzt stattdessen auf natürliche Instrumentierung, Klavierakkorde und ein bewussteres Spiel mit dem Rhythmus.

Technisch zeigt sich Apsilon auf „Glanz Null“ versierter denn je. Sein Flow, der gelegentlich bewusst neben dem Beat liegt, kehrt stets präzise in das Versmaß zurück. Durch unerwartete Pausen und rhythmische Schnörkel verleiht er seinen Stücken eine Dynamik, die den Wiedererkennungswert des Albums deutlich steigert.

Zwischen Sommermärchen und NSU-Terror

Ein zentrales Element des Albums ist die Verknüpfung von privaten Erinnerungen mit historischen Ereignissen. Besonders deutlich wird dies im Titel „Sommermärchen“. Apsilon nutzt den 4. April 2006 als erzählerischen Ankerpunkt. Während der Rapper an diesem Tag seinen neunten Geburtstag feierte und sich über ein Trikot von Michael Ballack freute, markierte dasselbe Datum den Tag, an dem der NSU den türkeistämmigen Deutschen Mehmet Kubaşık ermordete.

Die Gegenüberstellung der euphorischen Stimmung rund um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland und der brutalen Realität der rechtsextremen Mordserie verleiht dem Album eine bemerkenswerte atmosphärische Dichte. Der Künstler verwebt diese Motive durch gesprochene Interludes und textliche Querverweise, was das Werk in seiner Struktur an moderne, genresprengende Produktionen erinnert.

Konfrontation mit der Politik

Neben der melancholischen Reflexion sucht Apsilon auf „Glanz Null“ den direkten Konfrontationsmodus. In „Keiner von euch“ rechnet er mit der Mehrheitsgesellschaft und dem politischen Establishment ab. Eine Textzeile, in der er den Vizekanzler Lars Klingbeil direkt anspricht und ihn auffordert, ihm auf Instagram zu entfolgen, sorgte bereits für mediale Resonanz. Dass sich selbst hochrangige Politiker in Regierungsbefragungen oder Podcasts mit seinen Zeilen auseinandersetzen, unterstreicht die wachsende Bedeutung des Künstlers im gesellschaftlichen Diskurs.

Musikalische Vielfalt und Gäste

Obwohl einige der balladeskeren Stücke wie „Souvenir“ in ihrer melancholischen Grundstimmung gelegentlich an Originalität einbüßen, besticht das Album durch eine durchdachte Auswahl an Gastbeiträgen. Musiker wie Summer Cem, Berq, Levin Liam und Ikkimel ergänzen das Klangbild. Besonders die Zusammenarbeit mit Summer Cem im Song „Rennen“ zeigt eine beeindruckende spielerische Leichtigkeit, die einen Kontrast zu den ernsteren Themen des Albums bildet.

Ein folgerichtiger Schritt

„Glanz Null“ ist weniger auf unmittelbare Eingängigkeit ausgelegt als sein Vorgänger, gewinnt jedoch durch seine inhaltliche Tiefe und die konsequente Erzählweise an Relevanz. Der Referenzpunkt des 4. April zieht sich bis zum letzten Song „Null“ durch das Album, wobei das einstige Symbol der Unschuld – das Ballack-Trikot – im Laufe der Erzählung an Bedeutung verliert. Apsilon gelingt es somit, ein vielschichtiges Werk zu schaffen, das erneut unterstreicht, warum er als einer der begabtesten Erzähler im aktuellen Deutschrap gilt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/bank-sitzbank-schild-zimmer-11001514/ · Foto: Andrea De Santis
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/musik-und-buehne/album/welches-sommermaerchen-apsilons-album-glanz-null-accg-201050975.html