Ein turbulenter Auftakt für die Lilien
Der Saisonstart des SV Darmstadt 98 gegen Holstein Kiel bot ein Drehbuch, das dramatischer kaum hätte sein können. Im Mittelpunkt stand dabei der Innenverteidiger Aleksandar Vukotic, der innerhalb von 90 Minuten eine Achterbahnfahrt der Gefühle durchlebte. Während er in der ersten Halbzeit noch als Sündenbock für zwei Gegentore galt, avancierte er in der Schlussphase zum gefeierten Akteur, der seinem Team einen wichtigen Punkt sicherte.
Vom Fehler zum Ausgleich
Bereits in der Anfangsphase der Partie geriet der 31-Jährige in den Fokus. Ein Fehlpass von Vukotic in der 8. Minute leitete den Führungstreffer für Kiel durch Guillermo Balzi ein. Noch vor der Pause unterlief ihm ein weiterer folgenschwerer Fehler: Beim Kopfballtreffer von Phil Harres verlor der Verteidiger seinen Gegenspieler aus den Augen. Mit einem 0:2-Rückstand gingen die Lilien in die Kabine, und die Stimmung bei den Fans war entsprechend gedrückt.
Doch die zweite Hälfte zeigte eine andere Seite des Serben. Nach dem Anschlusstreffer durch Neuzugang Ho-Jae Lee in der 76. Minute war es Vukotic selbst, der in der 86. Minute nach einer Ecke per Kopf den 2:2-Ausgleich erzielte. In der Nachspielzeit bewies er zudem seine defensiven Qualitäten, als er einen gefährlichen Abschluss von Phil Harres blockte und damit das Unentschieden festhielt.
Emotionale Entladung nach Schlusspfiff
Die Erleichterung nach dem Abpfiff war dem 2,01 Meter großen Abwehrspieler deutlich anzumerken. Nach seiner Rettungstat in der 95. Minute stürmte er auf die Jonathan-Heimes-Tribüne zu und ließ seinen Emotionen freien Lauf. Die Geste war ein deutliches Signal an das Publikum, dass er trotz der anfänglichen Patzer die Kontrolle über das Spielgeschehen zurückgewonnen hatte.
Auf die Frage, ob er dem Team nun Punkte gekostet oder gerettet habe, reagierte Vukotic reflektiert. Er sieht die Fehler als Lernprozess an, der ihm helfen soll, in kommenden Begegnungen konzentrierter zu agieren. Trainer Florian Kohfeldt nahm seinen Schützling nach dem Spiel in Schutz und betonte, dass er auch ohne den späten Treffer zum Team gestanden hätte.
Ein Neuanfang in der Innenverteidigung
Die Rückkehr von Vukotic in die Startelf ist eng mit der personellen Situation bei den Lilien verknüpft. Nachdem er im vergangenen Herbst seinen Stammplatz an Matej Maglica verloren hatte, bot sich ihm nun durch den bevorstehenden Wechsel Maglicas zum 1. FC Kaiserslautern eine neue Chance. Kapitän Marcel Schuhen hob hervor, dass Vukotic sich in der schwierigen Zeit stets professionell verhalten habe.
Eine skurrile Randnotiz zum Spiel: Nach dem Abpfiff trug Vukotic das Trikot seines ehemaligen Konkurrenten Maglica. Da er sein eigenes Trikot an einen Fan verschenkt hatte, war er auf Ersatz angewiesen – und Maglica war der einzige Spieler, dessen Trikotgröße dem Hünen passte. Eine nostalgische Geste wollte der Verteidiger darin jedoch nicht sehen; er betonte mit einem Augenzwinkern, dass er sich nun auf seine eigene Chance konzentriere.
Ausblick auf die kommenden Wochen
In Darmstadt hofft man nun, dass dieses Erfolgserlebnis als Initialzündung für die gesamte Mannschaft dient. Der späte Punktgewinn gegen einen direkten Konkurrenten soll das Team enger zusammenschweißen und den notwendigen Schub für die kommenden Aufgaben in der Saison geben. Die Verantwortlichen betrachten das Spiel als Beleg dafür, dass die Mannschaft trotz Rückschlägen die Moral besitzt, sich zurückzukämpfen.