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"Abseilen - 15 Meter tief in schwarzes Nichts"
Schlagzeilen · 02.08.2026 12:08

"Abseilen - 15 Meter tief in schwarzes Nichts"

Kurz: Der Goldrausch hat eine dunkle Seite: Millionen Menschen riskieren in illegalen Minen ihr Leben. Ein ehemaliger Minenarbeiter berichtet von Lebensgefahr und Lei

Gold als Finanzbarometer mit Schattenseiten

Der Goldpreis fungiert weltweit als eine Art Fieberthermometer der Finanzmärkte. In Zeiten von Kriegen, hoher Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit steigt die Nachfrage nach dem Edelmetall, das für viele Anleger als sicherer Hafen gilt. Doch hinter den glänzenden Rekordkursen verbirgt sich eine düstere Realität: Schätzungsweise 20 Millionen Menschen weltweit sind im illegalen Goldabbau tätig. Sie riskieren unter extremen Bedingungen ihr Leben, um den begehrten Rohstoff zu fördern.

Der Weg in das schwarze Nichts

Ein ehemaliger Minenarbeiter aus Simbabwe, der heute in Deutschland lebt, gewährt exklusive Einblicke in die Welt der sogenannten „Zama-Zama“. So werden die illegalen Minenarbeiter in Südafrika genannt. Seine Geschichte beginnt bereits in jungen Jahren, als er in seiner Heimat mit einfachen Mitteln nach Gold suchte, um seine Ausbildung zu finanzieren. Später führte ihn die Hoffnung auf den „Lucky Punch“ – den großen Fund – in die stillgelegten, kilometertiefen Minenschächte Südafrikas.

Der Einstieg in diese Anlagen ist lebensgefährlich. Oft versteckt auf privatem Farmgelände, führt der Weg in die Tiefe über provisorische Seilkonstruktionen. „15 Meter tief in schwarzes Nichts“ – so beschreibt der Mann den Moment des Abstiegs, der bei ihm anfangs Todesangst auslöste. Unten angekommen, beginnt ein mühsamer Marsch durch enge Stollen, in denen die Arbeiter oft nur kriechen können.

Überleben im Untergrund

Die illegalen Minenarbeiter organisieren sich in syndikatsähnlichen Strukturen. Ein typischer Einsatz umfasst das Leben in einem unterirdischen Basis-Camp, wo die Männer auf dem blanken Fels schlafen und sich mit einfachsten Vorräten wie Brot und Bohnen versorgen. Die Arbeit ist physisch extrem fordernd und erfordert den Einsatz von Hammer und Meißel, um Gesteinsproben auf Goldvorkommen zu prüfen.

Besonders riskant ist die Praxis, Stützpfeiler innerhalb der Minen zu sprengen, um an das dort vermutete Gold der ursprünglichen Bergbauunternehmen zu gelangen. Die Arbeiter ersetzen diese tragenden Strukturen durch künstliche Konstruktionen aus losem Gestein, ohne deren Stabilität garantieren zu können. Diese Methode, die anfangs große Ängste auslöste, wurde für die Arbeiter mit der Zeit zur gefährlichen Routine.

Die ständige Gefahr unter Tage

Die Instabilität der Stollen führt immer wieder zu tragischen Unfällen. Der Zeitdruck spielt dabei eine entscheidende Rolle: Um zu verhindern, dass konkurrierende Gruppen die Funde stehlen, kehren die Arbeiter oft zu früh nach einer Sprengung an den Ort des Geschehens zurück. Der ehemalige Minenarbeiter berichtet von einem Vorfall, bei dem sein Cousin durch herabstürzendes Gestein schwer verletzt wurde. Viele andere Arbeiter verlieren bei solchen Einstürzen ihr Leben.

Eine kritische Perspektive auf den Goldkonsum

Für den Mann aus Simbabwe war die Arbeit in den Minen ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ermöglichte ihm der Ertrag von rund 5.100 Euro ein Studium in Deutschland, das er mit Auszeichnung abschloss. Andererseits ist das Thema Gold für ihn untrennbar mit Leid, Blut und Tod verbunden.

Heute betrachtet er den Goldkonsum in Europa und Amerika mit einer kritischen Distanz. Er stellt die Frage, ob den Käufern des Edelmetalls bewusst ist, unter welchen Bedingungen das Gold gewonnen wurde, das in westlichen Tresoren verschwindet. Sein Ziel ist es nun, die illegalen Minenarbeiter in seiner Doktorarbeit wissenschaftlich zu thematisieren und auf die sozialen Konflikte sowie die menschenunwürdigen Bedingungen aufmerksam zu machen, die hinter der glänzenden Fassade des Goldmarktes stehen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/holzschild-auf-dunklem-marmorhintergrund-38748859/ · Foto: Ann H
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/gold-suedafrika-goldmine-goldgraeber-100.html