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Zu wenig Regen: Trockenheit setzt Hessen immer stärker zu
Regional · 27.07.2026 16:18

Zu wenig Regen: Trockenheit setzt Hessen immer stärker zu

Kurz: Anhaltende Trockenheit und Hitze belasten Hessen. Böden sind ausgetrocknet, Ernten gefährdet und auch die Tierwelt leidet unter dem akuten Wassermangel.

Alarmierende Bodenfeuchte in Hessen

Die Wetterlage in Hessen ist besorgniserregend. Nach einem bereits zu trockenen Juni zeichnet sich auch für den Juli eine negative Bilanz ab. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt, dass die oberen 60 Zentimeter der Böden in weiten Teilen Mittel- und Südhessens deutlich trockener sind, als es für diese Jahreszeit üblich wäre. In einigen Gebieten Südhessens wurden sogar Rekordtiefstwerte bei der Bodenfeuchte gemessen, verglichen mit den Werten der Jahre 1991 bis 2020.

Die Folgen sind im Landschaftsbild unübersehbar: Wiesen sind vertrocknet, Bäume und Sträucher zeigen deutliche Schäden. Da für die kommenden Tage eine weitere Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 39 Grad prognostiziert wird, ist keine Entspannung in Sicht. Zwar könnten punktuelle Schauer oder Gewitter auftreten, ein flächendeckender Landregen, der die Böden nachhaltig durchfeuchten würde, bleibt jedoch aus.

Auswirkungen auf Gärten und Obstbau

Die Kombination aus extremer Hitze und fehlender Feuchtigkeit setzt auch privaten Gärten zu. Laut Gerd Bergmann von der Hessischen Gartenakademie leiden Pflanzen massiv unter der intensiven Sonneneinstrahlung. Besonders junge Obstbäume benötigen derzeit manuelle Bewässerung, um zu überleben.

Zudem treten vermehrt biologische Anomalien auf: Pflanzen zeigen ungewöhnliche Wachstumserscheinungen, wie etwa doppelte Früchte oder Knospen, die direkt aus bereits geöffneten Blüten sprießen. Ein weiteres Problem sind Risse in der Baumrinde, die als Eintrittspforten für Krankheiten dienen. Geschwächte Pflanzen haben zudem kaum Abwehrkräfte gegen Schädlinge. Borkenkäfer, die man früher primär im Wald vermutete, befallen nun vermehrt Obstbäume, Zypressen und Lebensbäume. Auch Wanzen und Thripse richten zunehmend Schäden an.

Landwirtschaft unter Druck

Der hessische Bauernverband berichtet von erheblichem Trockenstress, insbesondere in Süd-, Mittel- und Osthessen. Besonders betroffen sind Kulturen wie Mais und Zuckerrüben, bei denen bereits sichtbare Schäden auftreten. Auch Leguminosen wie Ackerbohnen und Körnererbsen sowie der Winterweizen, bei dem die Kornqualität leidet, sind stark beeinträchtigt.

Die Futterversorgung für Nutztiere wird ebenfalls zur Herausforderung, da das Grünland unter der Hitze leidet. Viele Landwirte versuchen, durch den Anbau frühreifender Sorten auf die veränderten klimatischen Bedingungen zu reagieren, um die Ernte vor den heißesten Phasen einzubringen. Dennoch bleibt das Wachstum ohne ausreichend Wasser begrenzt.

Folgen für die Tierwelt

Nicht nur Pflanzen, auch Wildtiere wie Vögel, Igel, Eichhörnchen und Amphibien kämpfen mit der Situation. Der BUND Hessen weist darauf hin, dass ausgetrocknete Bäche und Waldränder den Tieren die Nahrungssuche und den Zugang zu Wasser erschweren. Besonders Jungtiere sind gefährdet.

Oft zeigen Wildtiere durch ungewöhnliche Zutraulichkeit oder Aktivitäten zu untypischen Tageszeiten, dass sie unter Durst leiden. Der BUND empfiehlt, Wasserschalen aufzustellen, diese jedoch täglich zu reinigen. Um Insekten zu unterstützen, sollten Steine oder Äste als Landehilfen im Wasser platziert werden. Zudem sollten Regentonnen abgedeckt werden, damit Tiere nicht hineinfallen und ertrinken.

Trinkwasserversorgung und Ausblick

Trotz der angespannten Lage gibt der Versorger Hessenwasser Entwarnung für die Trinkwasserversorgung. Die Grundwasserressourcen seien aktuell ausreichend, um auch den steigenden Bedarf der rund 2,4 Millionen Menschen im Rhein-Main-Gebiet zu decken.

Dennoch stellt die Zukunft die Infrastruktur vor Herausforderungen. Aufgrund der prognostizierten Zunahme von Hitzewellen und den damit verbundenen Lastspitzen plant der Versorger, verstärkt in die Widerstandsfähigkeit der Anlagen zu investieren. Die Anpassung an diese klimatischen Veränderungen wird für die Wasserwirtschaft in den kommenden Jahren eine zentrale Aufgabe bleiben.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/hamburger-rathaus-an-einem-sonnigen-nachmittag-37404997/ · Foto: Frank Rietsch
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-zu-wenig-regen-trockenheit-setzt-hessen-immer-staerker-zu-100.html