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Zerlegehalle für DDR-Atomkraftwerksteile soll frühestens 2028 in Betrieb gehen
Technik · 04.08.2026 07:23

Zerlegehalle für DDR-Atomkraftwerksteile soll frühestens 2028 in Betrieb gehen

Kurz: Der Bau der Zerlegehalle für DDR-Kernkraftwerkskomponenten verzögert sich erneut. Eine Inbetriebnahme ist nun erst für das Jahr 2028 geplant.

Verzögerungen beim Rückbau ehemaliger DDR-Atomkraftwerke

Der Rückbau der stillgelegten Kernkraftwerke in Lubmin (Vorpommern) und Rheinsberg (Brandenburg) stößt auf infrastrukturelle Hürden. Die für die Zerlegung der dortigen Großkomponenten geplante Zerlegehalle (ZLH) wird deutlich später fertiggestellt als ursprünglich vorgesehen. Nach aktuellen Angaben der bundeseigenen Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH (EWN) ist nun mit einer Fertigstellung des Bauwerks im Jahr 2027 zu rechnen, wobei die Inbetriebnahme für das darauffolgende Jahr 2028 anvisiert wird.

Ursprüngliche Planungen sahen einen deutlich früheren Zeitrahmen vor. Noch Anfang 2025 wurde in Aussicht gestellt, dass die Halle Ende des vergangenen Jahres fertiggestellt werden könnte, um den Betrieb zeitnah aufzunehmen. Dass dieser Zeitplan nicht gehalten werden konnte, ist laut EWN auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurückzuführen.

Herausforderungen im Bauwesen und technische Komplexität

Die EWN führt die Verzögerungen primär auf die derzeitige Situation in der Baubranche zurück. Als Auftraggeber habe man nur begrenzten Einfluss auf die branchenweiten Probleme, zu denen insbesondere der anhaltende Fachkräftemangel sowie Schwierigkeiten in den Lieferketten zählen. Auch die Verfügbarkeit notwendiger Materialien und Komponenten stellt die Projektverantwortlichen vor Herausforderungen.

Neben diesen externen Faktoren spielt die hohe technische Komplexität des Projekts eine entscheidende Rolle. Die Zerlegehalle muss aufgrund ihrer Funktion und der radioaktiven Natur der zu bearbeitenden Teile extremen Sicherheitsanforderungen genügen. Dies erfordert für einzelne Gewerke – wie beispielsweise die hochspezialisierte Krananlage – ein besonderes Maß an Know-how in Planung und Ausführung. Die EWN betont, dass das Projekt trotz der Verzögerungen in einem Rahmen bleibe, der angesichts der Dimension des Vorhabens durchaus hätte größer ausfallen können.

Sicherheitskonzept der Zerlegehalle

Die ZLH ist als zentraler Bestandteil für die Entsorgung von Großkomponenten konzipiert, die derzeit noch im angrenzenden Zwischenlager Nord (ZLN) gelagert werden. Dazu gehören unter anderem Druckgefäße sowie Dampferzeuger, die in den ehemaligen Kraftwerken zur Dampfproduktion für Turbinen genutzt wurden. Das Ziel der Zerlegung ist es, die Materialien so aufzubereiten, dass sie entweder konventionell entsorgt werden können oder für eine Einlagerung im Endlager Schacht Konrad in Niedersachsen geeignet sind.

Das Bauwerk selbst ist eine massive Konstruktion mit einer Länge von 60 Metern, einer Breite von 40 Metern und einer Höhe von 30 Metern. Um den strengen Strahlenschutzanforderungen gerecht zu werden, wurden umfangreiche Schutzmaßnahmen integriert:

* **Abschirmung:** Die Wände bestehen aus 90 Zentimeter dickem Beton. Die 44 Tonnen schweren Tore sind ebenfalls mit Beton gefüllt.

* **Zerlegebecken:** Im Zentrum der Halle befindet sich ein mit Edelstahl ausgekleidetes Becken, in dem die Komponenten ferngesteuert unter Wasser zerlegt werden können, um die Strahlenbelastung zu minimieren.

* **Kontaminationsschutz:** Böden und Wandflächen sind mit speziellen Beschichtungen versehen, die das Eindringen von radioaktiven Stoffen verhindern. Zudem wird die Abluft gefiltert und kontinuierlich überwacht.

* **Arbeitsschutz:** Die Sicherheitsvorkehrungen für das Personal sind strikt. So gibt es im Kontrollbereich beispielsweise keine Toiletten, um eine aufwendige Abwasserbehandlung zu vermeiden, und das Essen ist ausschließlich in einem dafür vorgesehenen, sicheren Raum gestattet.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die Kostenentwicklung des Projekts bleibt aufgrund der Verzögerungen ein zentrales Thema. Zwar bestätigte die EWN, dass jeder zusätzliche Bautag zu Mehraufwendungen führe und die Gesamtkosten somit steigen werden, eine konkrete Bezifferung der Mehrkosten wurde jedoch nicht genannt. Bereits im Jahr 2018 wurde das Projekt mit einer Summe von über 40 Millionen Euro veranschlagt. Da die EWN auch in den Vorjahren keine detaillierten Kostenschätzungen veröffentlicht hat, bleibt die finale finanzielle Belastung des Rückbauprojekts vorerst unklar.

Die Bauarbeiten an der Anlage hatten bereits Ende 2018 begonnen, der Rohbau wurde im Sommer 2020 fertiggestellt. In den vergangenen Jahren hatten bereits externe Einflüsse, wie etwa die Auswirkungen der Corona-Pandemie, zu wiederholten Verzögerungen geführt. Mit dem neuen Zeitplan für 2028 setzt die EWN nun auf eine Fertigstellung in den kommenden Jahren, um den langfristigen Prozess des Rückbaus der DDR-Atomkraftwerke fortzusetzen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/vintage-desktop-computer-mit-monitor-und-tastatur-37148217/ · Foto: Ruben Boekeloo
Quelle: https://www.heise.de/news/Zerlegehalle-fuer-DDR-Atomkraftwerksteile-soll-fruehestens-2028-in-Betrieb-gehen-11395964.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag