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Z/Architecture & ARM: IBMs nächste Mainframe-CPU unterstützt zwei Befehlssätze
Technik · 25.08.2026 14:19

Z/Architecture & ARM: IBMs nächste Mainframe-CPU unterstützt zwei Befehlssätze

Kurz: IBM erweitert seine nächste Mainframe-CPU um native ARM-Unterstützung, um die Software-Verfügbarkeit auf der z/Architecture-Plattform deutlich zu steigern.

Ein technologischer Paradigmenwechsel bei IBM

Auf der renommierten Branchenkonferenz Hot Chips hat IBM eine wegweisende Neuerung für seine kommende Generation von Mainframe-Prozessoren angekündigt. Das Unternehmen, das traditionell auf seine proprietäre z/Architecture setzt, öffnet sich nun für den 64-Bit-Befehlssatz von ARM. Diese Entscheidung markiert einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung der IBM-Z-Systeme, da die neue CPU-Generation in der Lage sein wird, ARM-Befehle nativ zu verarbeiten. Dabei verzichtet IBM bewusst auf eine hardwarebasierte Emulation, wie sie bei anderen Ansätzen üblich ist. Stattdessen wurde das Frontend der Prozessorkerne so modifiziert, dass es in der Lage ist, ARM-Instruktionen direkt zu decodieren. Diese technologische Anpassung soll dazu beitragen, die bisherige isolierte Stellung der Mainframe-Architektur aufzubrechen und ein deutlich breiteres Spektrum an moderner Software direkt auf den leistungsstarken IBM-Systemen auszuführen. Die Ankündigung, die am 25. August 2026 erfolgte, unterstreicht den Willen des Konzerns, die Relevanz seiner Hardware im hart umkämpften Markt für Geschäftsprozesse, insbesondere im Finanzsektor, langfristig zu sichern.

Technische Spezifikationen und Design-Entscheidungen

Die neue, derzeit noch namenlose CPU-Generation bringt signifikante Leistungssteigerungen gegenüber dem aktuellen Telum-II-Prozessor mit sich. IBM hat die Anzahl der Kerne von acht auf elf erhöht und gleichzeitig die Taktfrequenz auf 5,7 GHz gesteigert. Auch bei der Speicheranbindung gibt es Fortschritte: Anstelle der bisherigen zehn Cache-Blöcke kommen nun zwölf Einheiten mit jeweils 36 MByte zum Einsatz. IBM behält dabei sein spezifisches Speicherkonzept bei, bei dem jeder Kern zwar über einen eigenen L2-Cache verfügt, dieser jedoch von anderen Kernen und Prozessoren als virtueller L3- oder L4-Cache genutzt werden kann. Ein entscheidender Punkt ist die Implementierung der ARM-Unterstützung. Laut IBM ist der Aufwand hierfür überschaubar, da moderne Prozessoren intern ohnehin auf eine eigene Befehlssatz-Abbildung setzen, auf die sowohl z/Architecture- als auch ARM-Befehle gemappt werden. Bei der Fertigung setzt IBM auf einen modernen 2-nm-Prozess, wobei das Unternehmen offen lässt, bei welchem Auftragsfertiger diese Chips produziert werden sollen. Diese Hardware-Innovationen zielen darauf ab, die Effizienz bei komplexen Rechenoperationen weiter zu maximieren.

Historischer Kontext und strategische Neuausrichtung

Seit Jahrzehnten bilden IBM-Mainframes das Rückgrat kritischer Geschäftsprozesse, insbesondere in der Finanzwelt. Doch diese Nische ist zunehmend unter Druck geraten, da die proprietäre z/Architecture im Vergleich zu verbreiteten Architekturen wie x86 oder ARM ein eingeschränktes Software-Ökosystem bietet. Entwickler und Unternehmen mussten oft aufwendige Anpassungen vornehmen, um Anwendungen auf die Mainframe-Plattform zu portieren. Mit der Integration von ARM-Befehlen reagiert IBM auf diesen Nachteil. Die Strategie ist klar: Die Hürde für den Einsatz von Software auf IBM-Z-Systemen soll gesenkt werden, indem man die Kompatibilität zur ARM-Welt herstellt. Dies erinnert in der Zielsetzung an historische Versuche wie die von Transmeta, die ebenfalls eine native Unterstützung verschiedener Architekturen anstrebten, jedoch auf einem anderen technischen Weg. IBMs Ansatz, das Frontend der Kerne direkt für die Decodierung von ARM-Befehlen anzupassen, ist eine direkte Antwort auf die Notwendigkeit, die Mainframe-Plattform für eine breitere Entwicklergemeinschaft attraktiver zu gestalten, ohne die Stabilität und Sicherheit der z/Architecture aufzugeben.

Die Akteure und das Ökosystem

Die Hauptakteure in diesem Entwicklungsprozess sind die Ingenieurteams von IBM, die für das Design der neuen Prozessoren verantwortlich zeichnen. Betroffen von dieser Neuerung sind vor allem Anwender in Großunternehmen, die auf die IBM-Z- und Linux-One-Systeme angewiesen sind. Während IBM weiterhin an seinem z/OS als primärem Betriebssystem festhält, spielt Linux eine zentrale Rolle bei der neuen Strategie. ARM-Anwendungen werden innerhalb einer virtualisierten Linux-Umgebung ausgeführt. Den Berichten zufolge können diese Anwendungen trotz der Virtualisierung direkt auf die spezialisierten Beschleuniger und KI-Einheiten des Chips zugreifen. Dazu gehört auch eine dedizierte Data Processing Unit (DPU), die speziell für die effiziente Abwicklung von Ein- und Ausgabeoperationen konzipiert wurde. IBM sieht in dieser Kombination aus Hardware-Sicherheitsmechanismen und spezialisierten Beschleunigern ein zentrales Alleinstellungsmerkmal seiner Plattform, das auch in der kommenden Generation beibehalten und ausgebaut wird.

Einordnung der technologischen Entwicklung

Einzuordnen ist diese Entwicklung als ein Versuch von IBM, die Lücke zwischen traditioneller Mainframe-Stabilität und moderner, agiler Softwareentwicklung zu schließen. Die Entscheidung, ARM-Befehle nativ zu unterstützen, ist ein Eingeständnis, dass die reine z/Architecture-Welt für viele moderne Cloud-native Anwendungen zu restriktiv geworden ist. Indem IBM die ARM-Unterstützung direkt in die CPU-Architektur integriert, vermeidet das Unternehmen die Performance-Einbußen, die bei einer reinen Software-Emulation entstanden wären. Den Berichten zufolge ist dies eine kluge strategische Entscheidung, um die Hardware-Plattform für die Zukunft zu wappnen, ohne die bestehende, hochoptimierte z/OS-Umgebung zu gefährden. Es zeigt, dass IBM erkannt hat, dass die Zukunft der IT-Infrastruktur in hybriden Modellen liegt, bei denen die Leistungsfähigkeit eines Mainframes mit der Flexibilität des ARM-Ökosystems kombiniert wird. Die Hardware-Sicherheitsmechanismen bleiben dabei das Fundament, auf dem die neuen Funktionen aufbauen, was die Plattform für sicherheitskritische Anwendungen weiterhin attraktiv macht.

Verbleibende Lücken und offene Fragen

Trotz der detaillierten Vorstellung der neuen CPU-Generation bleiben einige zentrale Fragen unbeantwortet, die für potenzielle Kunden und Analysten von Interesse sein dürften. So nennt IBM zwar den 2-nm-Fertigungsprozess, lässt jedoch offen, welcher Halbleiterhersteller die Produktion der Prozessoren übernimmt. Auch über die genaue Verfügbarkeit der ersten Systeme, die mit diesen Prozessoren ausgestattet sein werden, gibt es noch keine konkreten Zeitpläne. Zudem bleibt abzuwarten, wie effizient die ARM-Virtualisierung unter Linux in der Praxis tatsächlich performt und ob Entwickler in der Lage sein werden, die volle Leistung der KI-Beschleuniger ohne signifikanten Mehraufwand in ihre ARM-basierten Anwendungen zu integrieren. Auch die Frage nach dem Preisgefüge der neuen Hardware und ob diese die Betriebskosten für Unternehmen im Vergleich zu älteren Generationen senken wird, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt unbeantwortet. Die Dokumentation der Schnittstellen für die ARM-Unterstützung steht ebenfalls noch aus, was für Software-Entwickler eine wichtige Information für die Planung zukünftiger Implementierungen wäre.

Die nächsten Schritte in der Roadmap

Der nächste logische Schritt für IBM ist die Integration der neuen Prozessoren in die kommenden Generationen der IBM-Z- und Linux-One-Systeme. Da die Ankündigung im Rahmen der Hot Chips Konferenz stattfand, ist davon auszugehen, dass IBM nun in die Phase der detaillierten Spezifikation und der Vorbereitung für die Serienproduktion eintritt. Kunden und Partner des Unternehmens werden in den kommenden Monaten wohl weitere technische Details zu den Software-Stacks und den unterstützten Linux-Distributionen erhalten. Die Branche wird genau beobachten, wie IBM die Migration bestehender Workloads auf die neue Architektur gestaltet und ob die versprochene native ARM-Unterstützung tatsächlich die erhoffte Flexibilität im Rechenzentrum bietet. Weitere Ankündigungen zu den System-Spezifikationen und den konkreten Marktstart-Terminen sind in den kommenden Quartalen zu erwarten, sobald die Entwicklung der Prozessoren weiter fortgeschritten ist und die Fertigungsprozesse bei den Partnern stabil laufen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/technologie-computer-hauptplatine-retro-20031379/ · Foto: Nicolas Foster
Quelle: https://www.golem.de/news/z-architecture-arm-ibms-naechste-mainframe-cpu-unterstuetzt-zwei-befehlssaetze-2608-212271.html