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Xiaomi Xring O3: Der erste Mobilprozessor mit LPDDR6-Speicher und Mali-G2-GPU
Technik · 25.08.2026 14:05

Xiaomi Xring O3: Der erste Mobilprozessor mit LPDDR6-Speicher und Mali-G2-GPU

Kurz: Xiaomi präsentiert mit dem Xring O3 seinen zweiten Eigenbau-Prozessor. Er bietet LPDDR6-RAM, eine Mali-G2-GPU und beeindruckende Effizienzwerte im ersten Test.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Das chinesische Technologieunternehmen Xiaomi hat offiziell seinen zweiten selbst entwickelten Mobilprozessor, den Xring O3, der Öffentlichkeit präsentiert. Mit diesem Schritt unterstreicht der Konzern seine Ambitionen, im hart umkämpften Markt für High-End-Smartphone-Chips direkt mit Branchengrößen wie Apple, Qualcomm und Mediatek zu konkurrieren. Erste Analysen, die auf einem Entwicklerboard basieren, deuten auf eine bemerkenswerte Leistungsfähigkeit hin. Der Xring O3 zeichnet sich durch eine Architektur mit zehn Kernen aus und ist nach aktuellem Kenntnisstand der erste Mobilprozessor weltweit, der den neuen Arbeitsspeicherstandard LPDDR6 unterstützt. Zudem integriert Xiaomi eine Grafikeinheit aus der noch nicht offiziell angekündigten Mali-G2-Serie. Die in ersten Tests ermittelte Effizienz und Rechenleistung positionieren den Chip in einem Bereich, der den Vergleich mit aktuellen Spitzenmodellen der Konkurrenz nicht scheuen muss. Dennoch bleibt abzuwarten, wie sich das Design in einem realen Smartphone-Gehäuse unter den dort herrschenden thermischen Bedingungen bewähren wird. Die Fachwelt blickt gespannt auf die weitere Entwicklung, da Xiaomi hier einen technologischen Meilenstein für das eigene Portfolio setzt.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Technik

Der Xring O3 ist ein hochkomplexes System-on-Chip (SoC), das auf eine Zehn-Kern-Architektur setzt. Diese gliedert sich in zwei C1-Ultra-Kerne, die mit einer Taktfrequenz von 4,35 GHz für höchste Singlethreading-Leistung sorgen, vier C1-Premium-Kerne mit 3,6 GHz sowie vier C1-Pro-Kerne, die mit 3,15 GHz takten. Xiaomi verzichtet dabei bewusst auf dedizierte, sehr schwache Effizienzkerne und nutzt stattdessen die C1-Pro-Kerne für diese Aufgaben. Die Grafikeinheit besteht aus 16 GPU-Kernen der Mali-G2-Generation, wobei acht dieser Kerne speziell für KI-gestützte Upscaling-Funktionen und Frame-Generierung ausgelegt sind. Ein zentrales technisches Merkmal ist die Unterstützung von LPDDR6-10667-Speicher, der eine Bandbreite von 113,8 GByte/s ermöglicht. Die Anbindung erfolgt über ein 96-Bit-Interface. Die integrierte Neural Processing Unit (NPU) erreicht eine Rechenleistung von 200 INT8-Tops und verfügt über einen eigenen Cache von 8 MByte. Ergänzt wird dies durch 12 MByte Level-2-Cache, 16 MByte Level-3-Cache und einen 16 MByte großen System-Level-Cache (SLC). Gefertigt wird der Chip im N3P-Verfahren bei TSMC.

Hintergrund – Der Weg zum Xring O3

Die Entwicklung des Xring O3 markiert einen bedeutenden Fortschritt gegenüber dem Vorgängermodell Xring O1. Xiaomi verfolgt mit diesem Projekt das Ziel, eine größere Unabhängigkeit von externen Chip-Zulieferern zu erreichen und die eigene Hardware-Software-Integration zu optimieren. Der Weg dorthin war jedoch von strategischen Entscheidungen geprägt. Während die Konkurrenz bei ihren kommenden Prozessorgenerationen bereits auf die 2-Nanometer-Fertigung setzt, verharrt Xiaomi beim Xring O3 auf dem 3-Nanometer-Prozess N3P. Dies ist ein bewusster Schritt, der vermutlich durch die hohen Kosten für 2-nm-Kapazitäten bei TSMC sowie durch die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China beeinflusst wurde. Letztere führten in der Vergangenheit zu zeitweisen Einschränkungen beim Zugang zu modernen Chipdesign-Tools für chinesische Firmen. Diese Rahmenbedingungen haben die Entwicklungsstrategie maßgeblich beeinflusst und dazu geführt, dass Xiaomi auf die bewährte ARM-Kerngeneration des Vorjahres setzt, anstatt auf die kommende C2-Serie zu warten. Das Design des O3 ist im Vergleich zum O1 deutlich angewachsen, was die gestiegene Komplexität und den Fokus auf Performance verdeutlicht.

Die Beteiligten – Akteure und Institutionen

Im Zentrum steht das Unternehmen Xiaomi als Entwickler und Hersteller des Prozessors. Als Fertigungspartner fungiert das taiwanische Unternehmen TSMC, das den Chip im N3P-Verfahren produziert. Die technologische Basis der CPU-Kerne stammt von ARM, wobei Xiaomi eigene Optimierungen vorgenommen hat. Eine zentrale Rolle bei der Bewertung des Prozessors nimmt der chinesische Youtube-Kanal Geekerwan ein, dessen erste Testergebnisse die Grundlage für die öffentliche Diskussion bilden. Weitere Akteure, die im Kontext des Wettbewerbs genannt werden, sind Apple mit seiner A-Serie, Qualcomm mit der Snapdragon-Reihe, Samsung mit den Exynos-Chips sowie Mediatek mit der Dimensity-Serie. Auch Google wird als Vergleichsgröße angeführt, da das Unternehmen bei der eigenen Prozessorentwicklung ähnliche Ziele wie Xiaomi verfolgt. Die Entscheidung, den Xring O3 primär in eigenen Premiumgeräten wie dem Xiaomi 18 Fold einzusetzen, unterstreicht die Strategie des Unternehmens, die Hardware-Kontrolle innerhalb des eigenen Ökosystems zu maximieren.

Einordnung – Was die Leistung bedeutet

Einzuordnen ist der Xring O3 als ein beeindruckender Beweis für Xiaomis Designkompetenz. Den Berichten zufolge erreicht der Chip in Benchmarks wie Geekbench 6 eine Effizienz, die in manchen Szenarien sogar die der Konkurrenz übertrifft. Dass Xiaomi trotz der Nutzung älterer ARM-Kerngenerationen eine so hohe Leistung pro Watt erzielt, spricht für eine exzellente Optimierung der Spannungskurven und der internen Kommunikation zwischen den Kernen. Es ist jedoch Vorsicht geboten: Die Testergebnisse stammen von einem Entwicklerboard. In einem realen Smartphone, das durch ein kompaktes Gehäuse und eine limitierte passive Kühlung eingeschränkt ist, könnte sich das thermische Verhalten deutlich anders darstellen. Zudem bleibt die Frage offen, ob das getestete Exemplar repräsentativ für die Serienfertigung ist. Dennoch zeigt der Vergleich mit dem Mediatek Dimensity 9500, dass das bloße Vorhandensein identischer ARM-Kerne nicht zwangsläufig zu gleicher Leistung führt; Xiaomis Layout scheint hier signifikante Vorteile zu bieten. Apple, das lange Zeit als unangefochtener Marktführer galt, sieht sich damit einem ernstzunehmenden Herausforderer gegenüber.

Offene Fragen – Was noch unklar bleibt

Trotz der detaillierten technischen Daten und der ersten Benchmarks bleiben einige zentrale Fragen unbeantwortet. Zunächst ist unklar, wie sich der Xring O3 unter realen Alltagsbedingungen in einem Smartphone-Gehäuse schlägt. Die thermische Drosselung ist ein entscheidender Faktor, der bei einem Entwicklerboard nicht in gleichem Maße simuliert werden kann. Weiterhin ist nicht geklärt, ob die beobachtete Effizienz bei allen Prozessorexemplaren der Serienfertigung konsistent bleibt oder ob das Testgerät eine selektierte Ausführung war. Auch die langfristige Software-Unterstützung und die Optimierung der KI-Einheiten für Drittanbieter-Apps sind noch nicht abschließend geklärt. Ebenso bleibt offen, warum Xiaomi sich explizit gegen die 2-nm-Fertigung entschieden hat und ob dies in zukünftigen Generationen zu einem dauerhaften technologischen Rückstand gegenüber Firmen führen wird, die sich bereits Kapazitäten bei TSMC gesichert haben. Die tatsächliche Marktrelevanz außerhalb Chinas ist zudem völlig offen, da eine europäische Markteinführung derzeit als sehr unwahrscheinlich gilt.

Wie es weitergeht – Ausblick und Termine

Die nächste große Etappe für den Xring O3 ist der Einsatz in der Praxis. Xiaomi hat bereits bestätigt, dass der Prozessor in den eigenen Premiumgeräten verbaut wird. Als konkretes Datum steht der September im Raum, an dem das faltbare Smartphone Xiaomi 18 Fold in China erscheinen soll. Dies wird der erste echte Härtetest für den neuen Chip sein, bei dem sich zeigen muss, ob die im Labor gemessenen Werte in die tägliche Nutzung übertragen werden können. Beobachter werden genau verfolgen, wie sich das Gerät bei intensiver Nutzung, etwa beim Gaming oder bei KI-Anwendungen, verhält. Für den europäischen Markt gibt es derzeit keine Ankündigungen, was eine Vorstellung hierzulande unwahrscheinlich macht. Zudem wird die Branche beobachten, ob Xiaomi den Xring O3 in weiteren Modellen einsetzen wird oder ob es sich vorerst um ein exklusives Feature für die Foldable-Serie handelt. Die Entwicklung der nächsten Prozessorgeneration, möglicherweise mit Blick auf die 2-nm-Fertigung, dürfte ebenfalls in den kommenden Monaten in den Fokus der Analysten rücken.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/polizei-suv-neben-marineschiff-mit-f-805-kennzeichnung-33589248/ · Foto: Martijn Stoof
Quelle: https://www.heise.de/news/Xring-O3-Xiaomi-will-es-mit-Apple-Qualcomm-Co-aufnehmen-11425154.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag