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Worauf es beim Kauf eines gebrauchten E-Autos ankommt
Schlagzeilen · 03.09.2026 06:07

Worauf es beim Kauf eines gebrauchten E-Autos ankommt

Kurz: Der Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos wächst rasant. ADAC-Experte Roman Suthold erklärt, worauf Käufer bei Akku, Software und Ladetechnik achten müssen.

Ein Wandel auf dem Gebrauchtwagenmarkt

Elektroautos gewinnen in Deutschland massiv an Bedeutung, und zwar nicht nur im Segment der Neuwagen. Auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist eine deutliche Dynamik zu verzeichnen, die den Sektor nachhaltig verändert. Lange Zeit war das Angebot an gebrauchten Stromern eher gering, gepaart mit einer gewissen Zurückhaltung der Käufer, die vor allem durch Unsicherheiten bezüglich der Langlebigkeit der Batterien geschürt wurde. Diese Phase scheint nun überwunden zu sein. Wie aktuelle Daten des Autoversicherers HUK Coburg belegen, hat sich der Anteil der Umsteiger von Verbrennungsmotoren auf elektrische Neuwagen im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Jahr 2024 verdreifacht. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich bei den Gebrauchten beobachten. Roman Suthold vom ADAC Nordrhein e. V. ordnet diesen Trend als eine dauerhafte Marktstabilisierung ein, die den Weg für eine breite Akzeptanz der Elektromobilität ebnet. Die Verfügbarkeit von gebrauchten Elektrofahrzeugen macht die Technologie nun für weite Teile der Bevölkerung finanziell erschwinglich, was den Umstieg für viele Verbraucher attraktiv macht.

Wirtschaftliche Faktoren und Preisgestaltung

Ein wesentlicher Treiber für den Boom auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist die Preisgestaltung. Laut Roman Suthold liegen die Preise für gebrauchte Elektroautos derzeit etwa 15 bis 20 Prozent unter denen vergleichbarer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Diese Differenz ist ein starkes Argument für rationale Käufer, insbesondere in Zeiten, in denen die Kosten für fossile Kraftstoffe weiterhin auf einem hohen Niveau verharren. Die Kombination aus niedrigeren Anschaffungskosten und den laufenden Betriebsvorteilen der Elektromobilität führt dazu, dass das Interesse an gebrauchten Stromern stetig wächst. Während früher die Sorge vor einem schnellen Verschleiß der Batterietechnik potenzielle Käufer abschreckte, haben sich die Erfahrungswerte in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die Haltbarkeit der Akkus erweist sich in der Praxis oft als wesentlich robuster, als es anfängliche Prognosen vermuten ließen. Dieser Erkenntnisgewinn trägt maßgeblich dazu bei, dass die Skepsis gegenüber gebrauchten E-Autos schwindet und der Markt für eine breitere Käuferschicht an Attraktivität gewinnt.

Die zentrale Rolle des Akku-Gesundheitszustands

Beim Kauf eines gebrauchten Elektrofahrzeugs steht der Zustand der Batterie an erster Stelle. Da die Qualität des Akkus von außen nicht direkt beurteilbar ist, warnt der ADAC ausdrücklich vor sogenannten Blindkäufen. Der wichtigste Indikator für den Zustand ist der sogenannte State of Health (SoH), der den aktuellen Gesundheitszustand der Batterie quantifiziert. Roman Suthold empfiehlt Käufern dringend, sich nicht allein auf die Angaben des Verkäufers zu verlassen, sondern ein herstellerunabhängiges Zertifikat einzufordern. Solche Nachweise können beispielsweise über das ADAC-Batteriezertifikat oder durch spezialisierte Tests etablierter Prüforganisationen wie TÜV und DEKRA erbracht werden. Diese Tests bieten eine verlässliche Grundlage, um die verbleibende Kapazität und damit den Wert des Fahrzeugs realistisch einzuschätzen. Käufer sollten zudem prüfen, ob noch eine Restgarantie des Herstellers besteht, die üblicherweise acht Jahre oder eine Laufleistung von 160.000 Kilometern umfasst. Ein Nachweis über das bisherige Ladeverhalten – etwa ob das Fahrzeug vornehmlich schonend an einer Wallbox geladen wurde – kann ebenfalls wertvolle Hinweise auf den Zustand der Batterie geben.

Software als entscheidendes Qualitätsmerkmal

Moderne Elektroautos sind im Grunde Computer auf Rädern, weshalb die Software eine ebenso große Rolle spielt wie die Hardware. Ein entscheidendes Kriterium beim Gebrauchtkauf ist die Unterstützung von sogenannten Over-the-Air-Updates (OTA-Updates). Diese ermöglichen es, das Fahrzeug direkt über eine Internetverbindung mit aktueller Software zu versorgen, ohne dass eine Werkstatt aufgesucht werden muss. Suthold betont, dass ein Elektroauto ohne kontinuierlichen Software-Support deutlich schneller veraltet als ein klassischer Verbrenner. Käufer sollten daher unbedingt darauf achten, ob der Hersteller die Navigationskarten und die Ladeplanung weiterhin pflegt. Eine aktuelle Ladeplanung ist deshalb so wichtig, weil sie sicherstellt, dass die Batterie vor einem Schnellladevorgang automatisch vorkonditioniert, also auf die optimale Temperatur gebracht wird. Dies schont den Akku und verkürzt die Ladezeiten an öffentlichen Säulen erheblich. Wenn die Software-Infrastruktur vom Hersteller nicht mehr unterstützt wird, büßt das Fahrzeug einen Teil seiner Alltagstauglichkeit und seines Nutzwertes ein.

Einordnung der Reichweitenangaben

Ein häufiger Fehler beim Kauf von gebrauchten Stromern ist das zu große Vertrauen in die offiziellen Herstellerangaben zu Reichweiten und Laufzeiten. Diese Werte werden in der Regel unter standardisierten Laborbedingungen ermittelt, die mit dem realen Fahralltag nur wenig gemeinsam haben. Einzuordnen ist das so: Die tatsächliche Reichweite hängt von zahlreichen Faktoren ab, darunter das individuelle Fahrprofil, die Witterungsbedingungen und die Nutzung von Nebenverbrauchern wie Heizung oder Klimaanlage. Käufer sollten daher eher auf reale Erfahrungswerte setzen, anstatt sich von theoretischen Maximalwerten blenden zu lassen. Die Marktbeobachter bestätigen, dass die Transparenz durch unabhängige Tests und Zertifikate zunimmt, was den Käufern hilft, die Diskrepanz zwischen Laborwerten und Praxis besser einzuschätzen. Den Berichten zufolge ist es ratsam, das eigene Fahrprofil kritisch zu hinterfragen und die Kaufentscheidung an den tatsächlichen Anforderungen auszurichten, statt sich von Hochglanzprospekten leiten zu lassen.

Die Zielgruppe für den Umstieg

Wer profitiert aktuell am meisten von einem gebrauchten E-Auto? Roman Suthold sieht hier vor allem zwei Gruppen im Vorteil: Vielfahrer und Pendler. Wer täglich weite Strecken zurücklegt und zudem die Möglichkeit hat, das Fahrzeug zu Hause oder am Arbeitsplatz zu laden, kann monatlich dreistellige Beträge einsparen. Die Ersparnis lässt sich durch Tools wie den ADAC-Autokostenrechner individuell ermitteln. Aber auch für Zweitwagenfahrer, die eher kürzere Distanzen bewältigen, lohnt sich der Umstieg laut Expertenmeinung enorm. Für diese Nutzer sind kompakte gebrauchte Elektroautos, die über eine Reichweite von etwa 200 Kilometern verfügen, mittlerweile zu sehr günstigen Konditionen erhältlich. Da die Pkw-Dichte in Deutschland weiterhin hoch ist – mit einem Durchschnitt von 593 Autos auf 1000 Einwohner im Jahr 2026 – bietet der Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos eine sinnvolle Alternative für Haushalte, die ihre Mobilitätskosten senken und gleichzeitig auf einen elektrischen Antrieb umstellen möchten.

Offene Fragen und verbleibende Unsicherheiten

Obwohl die Transparenz auf dem Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos durch Zertifikate und Tests deutlich gestiegen ist, bleiben einige Aspekte für den Käufer schwer greifbar. Der Quelltext lässt beispielsweise offen, wie genau die langfristige Preisstabilität von gebrauchten E-Autos im Vergleich zu Verbrennern in den kommenden Jahren aussehen wird, da der Markt sich erst in einer Phase der Stabilisierung befindet. Auch die konkreten Kosten für einen Batteriewechsel nach Ablauf der Garantiezeit werden im Text nicht detailliert beziffert, was ein wesentlicher Punkt für die langfristige Kostenkalkulation wäre. Zudem fehlen spezifische Informationen dazu, wie sich unterschiedliche Ladegeschwindigkeiten über Jahre hinweg auf die Zellchemie verschiedener Herstellermodelle auswirken, da die Haltbarkeit stark von der individuellen Nutzung abhängt. Auch wenn der ADAC zu Zertifikaten rät, bleibt die Frage nach der flächendeckenden Verfügbarkeit und den Kosten solcher Tests bei jedem privaten Gebrauchtwagenkauf unbeantwortet. Diese Lücken in der Informationslage zeigen, dass trotz der positiven Marktentwicklung eine sorgfältige Einzelfallprüfung für jeden Käufer unverzichtbar bleibt.

Ausblick und zukünftige Marktentwicklung

Die Entwicklung auf dem deutschen Automobilmarkt deutet darauf hin, dass Elektroautos ihren Platz als feste Größe auf dem Gebrauchtwagenmarkt gefunden haben. Die Kombination aus sinkenden Preisen, einer besseren Datenlage durch Batteriezertifikate und dem wachsenden Bewusstsein für die Vorteile der Elektromobilität sorgt für eine anhaltende Nachfrage. Experten wie Roman Suthold sehen in der aktuellen Entwicklung keinen kurzfristigen Hype, sondern eine nachhaltige Veränderung. Für die nächsten Monate und Jahre ist zu erwarten, dass weitere Anbieter von Batterietests auf den Markt drängen und die Standards für die Bewertung von gebrauchten Stromern weiter verfeinert werden. Käufer, die sich heute für ein gebrauchtes E-Auto interessieren, profitieren von einer zunehmenden Professionalisierung des Handels. Die kommenden Termine und Entscheidungen der Hersteller bezüglich der Software-Pflege älterer Modelle werden darüber hinaus bestimmen, wie werthaltig die heutigen Gebrauchten in Zukunft bleiben werden. Es bleibt ein dynamisches Umfeld, in dem eine informierte Kaufentscheidung weiterhin die wichtigste Voraussetzung für eine langfristige Zufriedenheit mit dem elektrischen Antrieb ist.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/rot-typografie-bunt-farbenfroh-7987749/ · Foto: Tamanna Rumee
Quelle: https://www.zdfheute.de/ratgeber/gebrauchtes-e-auto-kaufen-elektroauto-gebraucht-tipps-100.html