News aus aller Welt
Start
Wirtschaft - Bundesregierung zu neuen US-Zöllen: USA sollen Abkommen mit der EU einhalten
Schlagzeilen · 25.07.2026 05:49

Wirtschaft - Bundesregierung zu neuen US-Zöllen: USA sollen Abkommen mit der EU einhalten

Kurz: Die Bundesregierung fordert die USA auf, bestehende Zollabkommen mit der EU einzuhalten. Neue US-Zölle sorgen für Unverständnis und Kritik in der Wirtschaft.

Appell an die Verlässlichkeit der USA

Die jüngsten handelspolitischen Entscheidungen der US-Regierung unter Präsident Trump haben international für erhebliche Irritationen gesorgt. Angesichts der Einführung neuer Zölle gegen rund 60 Handelspartner, darunter auch die Europäische Union, fordert die Bundesregierung Washington dazu auf, die transatlantischen Handelsbeziehungen nicht durch zusätzliche Unsicherheiten zu belasten. Ein Sprecher der Bundesregierung unterstrich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Erwartungshaltung Berlins – im Einklang mit der Europäischen Kommission – klar sei: Die bestehenden Vereinbarungen des EU-US-EU-Zollabkommens müssen ihre Gültigkeit behalten.

Der Kern der Forderung liegt in der Planungssicherheit für Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks. Stabilität und Berechenbarkeit seien essenziell für die wirtschaftliche Entwicklung, weshalb sich die Bundesregierung intensiv mit der EU-Kommission und den europäischen Partnern abstimmt, um eine gemeinsame Linie zu verfolgen.

Hintergrund der neuen Handelsbarrieren

Die US-Regierung hat Zölle in Höhe von zehn beziehungsweise 12,5 Prozent verhängt. Diese Maßnahmen ersetzen den zuvor geltenden weltweiten Sonderzoll von zehn Prozent auf US-Importe. Begründet wird dieser Schritt von Washington mit einer angeblich unzureichenden Umsetzung von Verboten gegen Zwangsarbeit in den betroffenen Ländern.

Diese Argumentation stößt jedoch auf massiven Widerspruch. Die EU-Außenbeauftragte Kallas bezeichnete die Begründung als inhaltlich wenig fundiert. Ein Vergleich der Arbeitsrechtsstandards innerhalb der EU mit denen der USA zeige, dass die Vorwürfe der US-Seite nicht haltbar seien. Innerhalb der EU wird die Maßnahme als Schock wahrgenommen, da man sich erst kürzlich auf eine Obergrenze von 15 Prozent für US-Einfuhrzölle auf europäische Produkte geeinigt hatte.

Kritik aus der deutschen Wirtschaft

Auch der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) reagierte mit deutlichem Unverständnis auf die Entwicklung. BGA-Präsident Jandura kritisierte, dass der Kampf gegen Zwangsarbeit als vorgeschobenes Argument für protektionistische Maßnahmen genutzt werde. Er verwies darauf, dass die EU bereits ein umfassendes Verbot für Produkte aus Zwangsarbeit verabschiedet habe.

Jandura warnte vor einem wachsenden „Zolldschungel“, der vor allem Unternehmen treffe, die in keinerlei Verbindung zu den erhobenen Vorwürfen stünden. Die protektionistische Ausrichtung der US-Politik wird somit als Versuch gewertet, längst geplante Handelsbeschränkungen nachträglich zu legitimieren.

Mögliche Folgen und nächste Schritte

Die aktuelle Situation stellt die transatlantische Partnerschaft vor eine Belastungsprobe. Da die USA mit den Zöllen eine Vielzahl an Handelspartnern gleichzeitig adressieren, ist die internationale Verunsicherung groß.

Für die kommenden Wochen ist zu erwarten, dass die diplomatischen Kanäle zwischen Brüssel und Washington intensiv genutzt werden, um die Einhaltung der Zollabkommen einzufordern. Die Bundesregierung setzt dabei auf eine geschlossene europäische Haltung. Ob diese diplomatischen Bemühungen ausreichen werden, um die US-Regierung von ihrem Kurs abzubringen oder ob weitere handelspolitische Spannungen folgen, bleibt abzuwarten. Die wirtschaftliche Stabilität hängt maßgeblich davon ab, ob die vereinbarten Handelsregeln Bestand haben oder ob eine Phase zunehmender Protektionismen die globalen Lieferketten weiter erschwert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/kreativ-reich-verwischen-verschwimmen-4386174/ · Foto: www.kaboompics.com
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/bundesregierung-zu-neuen-us-zoellen-usa-sollen-abkommen-mit-der-eu-einhalten-102.html