News aus aller Welt
Start
Wie tickt Eintracht Frankfurts Katharina Kiel?
Regional · 24.08.2026 15:42

Wie tickt Eintracht Frankfurts Katharina Kiel?

Kurz: Katharina Kiel führt als Präsidentin die neue Frauen-Bundesliga und gestaltet bei Eintracht Frankfurt die Zukunft des Sports. Ein Porträt über Ambitionen und Zi

Eine neue Ära für den Frauenfußball

Katharina Kiel steht im Zentrum einer der bedeutendsten Transformationen im deutschen Sport. Als Präsidentin des neu gegründeten Frauen Bundesliga FBL e. V. und zugleich als Direktorin für den Frauenfußball bei Eintracht Frankfurt trägt die 34-Jährige eine enorme Verantwortung. Seit dem 24. August 2026 ist die Aufmerksamkeit für ihre Person weiter gestiegen, da die Frauen-Bundesliga in eine entscheidende Phase ihrer Entwicklung eingetreten ist. Kiel leitet den Prozess der Loslösung vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), der im Dezember mit der Unterzeichnung der Gründungsurkunde der FBL ihren offiziellen Anfang nahm. Ihr Ziel ist es, die höchste deutsche Spielklasse der Frauen auf eigene Beine zu stellen. Ab der Saison 2027/28 wird die Liga ihre Vermarktung und Organisation vollständig in Eigenregie übernehmen. Dabei verfolgt Kiel eine klare Strategie: Der Frauenfußball soll sich vom Schatten des Männerfußballs lösen und eine eigenständige Identität entwickeln, die sowohl Spielerinnen als auch Fans langfristig bindet und begeistert.

Einblicke in das Wirken und die Karriere

Das Büro von Katharina Kiel in der ehemaligen DFB-Zentrale an der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise ist geschichtsträchtig; einst arbeiteten hier einflussreiche Persönlichkeiten wie Christian Seifert und Oliver Bierhoff. Kiel, die ihre Karriere als Bundesliga-Spielerin in Hoffenheim begann, gilt als besonnene, aber äußerst durchsetzungsfähige Führungspersönlichkeit. Axel Hellmann, Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt, lobt ihre fachliche Expertise und ihre exzellente Vernetzung innerhalb der Clubs. Ihr beruflicher Aufstieg ist eng mit harter Arbeit verknüpft. Aufgewachsen in einer Familie, die aus Kasachstan nach Deutschland kam, lernte sie früh, dass Erfolg nicht durch familiäre Beziehungen, sondern durch Disziplin entsteht. Diese Einstellung prägte sie bereits in ihrer Jugend, als sie es bis zur hessischen Meisterin im Eiskunstlaufen brachte. Nach zwei Kreuzbandrissen beendete sie ihre aktive Sportkarriere und fokussierte sich auf das Fußball-Management, wobei sie von der DFL als Stipendiatin gefördert wurde. Heute profitiert sie von einem Netzwerk, das unter anderem den Austausch mit dem ehemaligen Ligaboss Christian Seifert umfasst.

Der Weg zur Unabhängigkeit und wirtschaftliche Ziele

Die Abspaltung der 14 Frauen-Bundesligisten vom DFB war ein Schritt, der mit großem medialen Echo vollzogen wurde. Die wirtschaftliche Ausgangslage ist dabei eine der größten Herausforderungen. Während der DFB ein Angebot von 100 Millionen Euro über acht Jahre für ein gemeinsames Joint Venture unterbreitet hatte, schlug die FBL diesen Weg aus. Stattdessen strebt Kiel Investitionen in Höhe von 700 bis 800 Millionen Euro über denselben Zeitraum an, die direkt durch die Clubs generiert werden sollen. Die aktuelle Bilanz verdeutlicht den Handlungsbedarf: In der Saison 2024/25 standen Ausgaben von rund 70 Millionen Euro lediglich Einnahmen von 43 Millionen Euro gegenüber. Die Liga hinkt in ihrer Popularität der Nationalmannschaft hinterher, was Kiel nun ändern möchte. Die erste große Bewährungsprobe für das neue Management steht im Herbst an, wenn die Verhandlungen für die TV-Verträge ab 2027/28 beginnen. Bisher lagen die jährlichen Bruttoeinnahmen bei lediglich 5,17 Millionen Euro, eine Zahl, die das enorme Steigerungspotenzial unterstreicht.

Akteure und institutionelle Strukturen

Katharina Kiel agiert in einem komplexen Gefüge. An ihrer Seite bei Eintracht Frankfurt arbeitet Babett Peter, mit der sie das Führungsduo bildet. Auf Verbandsebene waren bisher vor allem Eintracht-Boss Axel Hellmann und der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Jan-Christian Dreesen, als Wortführer der Reformbewegung in Erscheinung getreten. Kiel selbst positioniert sich als jemand, der im Hintergrund hartnäckig an der Weiterentwicklung arbeitet. Die Zusammenarbeit mit dem DFB bleibt durch den Grundlagenvertrag geregelt, doch die FBL strebt eine deutliche Autonomie an. Die Einordnung durch Medien wie „Die Welt“, die Kiel bereits in ihrer „Liste der Macht“ unter den 50 einflussreichsten Akteuren des deutschen Fußballs führt, unterstreicht ihre wachsende Bedeutung. Den Berichten zufolge ist ihre Rolle als Brückenbauerin zwischen den Clubs und den wirtschaftlichen Notwendigkeiten der Liga entscheidend für den Erfolg des gesamten Projekts.

Identitätsfindung und strategische Neuausrichtung

Ein zentraler Punkt in Kiels Agenda ist die Frage nach der Identität des deutschen Frauenfußballs. Sie räumt ein, dass die Entwicklung der Liga in der Vergangenheit oft reaktiv und ohne langfristigen Plan verlief. Es fehle an einer klaren Vision, wofür die Liga eigentlich steht. Kiel möchte dies ändern, indem sie Strukturen schafft, die über den bloßen Spielbetrieb hinausgehen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Nachwuchsarbeit, die bisher noch nicht ausreichend strukturiert sei. Die Einordnung dieser Bestrebungen ist so zu verstehen, dass Kiel nicht nur auf kurzfristige Erfolge setzt, sondern ein nachhaltiges Fundament aufbauen will, um den Abwanderungstrend von Top-Spielerinnen ins Ausland zu stoppen. Dass sie sich zu kontroversen Themen wie der Einführung von Meister-Playoffs derzeit noch nicht öffentlich äußern möchte, deutet darauf hin, dass sie strategische Entscheidungen erst nach gründlicher interner Abstimmung und fundierter Analyse treffen will.

Herausforderungen und der Blick in die Zukunft

Trotz der klaren Vision bleiben einige Fragen offen. Der Quelltext lässt beispielsweise offen, welche konkreten Maßnahmen zur Stärkung der Nachwuchsarbeit geplant sind oder ob es bereits Favoriten für die vakante Geschäftsführung der FBL gibt. Auch die genaue Ausgestaltung der neuen TV-Verträge bleibt abzuwarten, da die Verhandlungen erst im Herbst beginnen. Die Zeit drängt jedoch, da die Konkurrenz durch internationale Ligen zunimmt und der Abwanderung von Nationalspielerinnen entgegengewirkt werden muss. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um die operative Geschäftsführung zu besetzen und die strategischen Ziele in konkrete Verträge zu gießen. Kiel bleibt dabei ihrem Stil treu: sorgsam abwägend, fachkundig und mit dem Ziel, den Frauenfußball als eigenständiges Produkt im Sportmarkt fest zu etablieren. Die nächsten Schritte beinhalten die Aushandlung der TV-Rechte sowie den Aufbau einer Geschäftsführung, die den Prozess der Professionalisierung weiter vorantreiben soll.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/skyline-von-frankfurt-am-main-deutschland-31640270/ · Foto: Jose Joseph
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt-frauen/wie-tickt-eintracht-frankfurts-katharina-kiel-v1,kiel-portraet-100.html