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"We Live Tower" in Frankfurt: Mieterbund kritisiert Mikro-Apartment-Projekt
Regional · 24.08.2026 14:30

"We Live Tower" in Frankfurt: Mieterbund kritisiert Mikro-Apartment-Projekt

Kurz: In Frankfurt-Niederrad entsteht der 'We Live Tower'. Der Mieterbund Hessen kritisiert das Mikro-Apartment-Projekt scharf aufgrund fehlender Bezahlbarkeit.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Im Frankfurter Stadtteil Niederrad, einem Gebiet, das historisch als Bürostadt bekannt ist, findet derzeit eine bauliche Transformation statt. Ein ehemaliger Büroturm aus den 1980er Jahren wird aktuell einer neuen Nutzung zugeführt: Er wird in ein Apartmenthaus mit dem Namen „We Live Tower“ umgewandelt. Das Projekt umfasst die Schaffung von insgesamt 364 Wohneinheiten. Die Projektverantwortung liegt bei einer Kooperation zwischen der Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG) und der privaten i Live Group aus Aalen. Während das Vorhaben auf den ersten Blick als Beitrag zur Linderung der Wohnungsnot in der Mainmetropole erscheinen könnte, hat es bereits im Vorfeld für erhebliche Kritik gesorgt. Der Hessische Mieterbund äußert deutliche Bedenken hinsichtlich der sozialen Ausrichtung des Projekts. Insbesondere die Frage, ob diese Wohnungen für die Zielgruppen Studierende, Auszubildende und Berufseinsteiger tatsächlich erschwinglich sein werden, steht im Zentrum der Debatte. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die kommunale Beteiligung an einem Projekt, das primär auf Mikro-Apartments und hotelähnliche Dienstleistungen setzt, anstatt den dringend benötigten geförderten Wohnraum in einem größeren Umfang bereitzustellen. Die Auseinandersetzung verdeutlicht den anhaltenden Konflikt zwischen städtebaulicher Nachverdichtung und der sozialen Verantwortung kommunaler Akteure auf dem angespannten Frankfurter Wohnungsmarkt.

Die Einzelheiten des Bauvorhabens

Das Projekt „We Live Tower“ in Niederrad ist in seiner Struktur komplex. Geplant sind insgesamt 364 Apartments, wobei das Angebot in verschiedene Kategorien unterteilt ist. Ein wesentlicher Teil besteht aus vollmöblierten Mikro-Apartments, die sich an eine mobile Zielgruppe richten. Ergänzt wird dieses Angebot durch 144 sogenannte Serviced Apartments, die mit hotelartigen Dienstleistungen verbunden sind. Diese Wohnform ist in der Branche bekannt dafür, oft im hochpreisigen Segment angesiedelt zu sein. Die Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG), deren Aufsichtsratsvorsitzender der parteilose Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase ist, agiert hierbei als Partner der i Live Group. Ein Vergleich mit einem anderen Projekt der i Live Group in Frankfurt, das sich in unmittelbarer Nähe zur Frankfurt School of Finance and Management befindet, lässt Rückschlüsse auf das mögliche Preisniveau zu. Dort werden für eine Wohneinheit von 19 Quadratmetern monatliche Mieten von 921 Euro verlangt. Ob sich das Mietniveau im „We Live Tower“ an diesen Werten orientieren wird, bleibt jedoch unklar, da die Projektpartner bisher keine konkreten Zahlen zu den geplanten Mieten veröffentlicht haben. Auf entsprechende Anfragen wurde lediglich mitgeteilt, dass diese Informationen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben würden. Neben den Apartments sind eine Kindertagesstätte sowie ein zusätzlicher Neubau mit zwölf weiteren Wohnungen als ergänzende Maßnahmen vorgesehen.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Umwandlung von Büroflächen in Wohnraum ist in Frankfurt ein bekanntes Phänomen, um dem hohen Druck auf den Immobilienmarkt zu begegnen. Das Gebäude in Niederrad stammt aus den 1980er Jahren und wurde nun einer Umnutzung unterzogen, um den Bestand zu erhalten und Ressourcen zu schonen. Die MAG argumentiert, dass die Revitalisierung eines bestehenden Turms eine nachhaltige Lösung darstelle, da ein Abriss und Neubau vermieden würden. Dennoch ist die Geschichte des Projekts von einer Diskrepanz zwischen den ursprünglichen Erwartungen und der tatsächlichen Ausgestaltung geprägt. Während die Stadt Frankfurt, vertreten durch den Planungsdezernenten Markus Gwechenberger (SPD), bereits vor geraumer Zeit den Vorschlag unterbreitete, das städtische Förderprogramm für studentischen Wohnraum in das Projekt zu integrieren, verlief die Umsetzung schleppend. Es war das Ziel, einen Teil der Apartments für Studierende und Auszubildende zu subventionierten Konditionen anzubieten. Die MAG hat zwar angekündigt, zwölf Doppelapartments, was 24 Wohnplätzen entspricht, für dieses Förderprogramm anzumelden, doch die Realität sieht anders aus. Laut Angaben des Frankfurter Planungsdezernats ist bis zum aktuellen Zeitpunkt kein offizieller Förderantrag für dieses Projekt bei der Stadtverwaltung eingegangen. Diese Diskrepanz zwischen den Absichtserklärungen der Projektentwickler und den tatsächlichen administrativen Schritten bildet den Kern der aktuellen Auseinandersetzung zwischen den Beteiligten.

Die beteiligten Akteure und Institutionen

An dem Projekt sind verschiedene Akteure mit unterschiedlichen Interessenlagen beteiligt. Die Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG) spielt eine zentrale Rolle. Als stadtnahes Unternehmen, das mehrheitlich der Stadt Mainz gehört, steht sie unter der Aufsicht von Oberbürgermeister Nino Haase. Die MAG verteidigt das Projekt als Beitrag zur Wohnraumschaffung und Ressourcenschonung. Als privater Partner fungiert die i Live Group aus Aalen, die bereits Erfahrung mit ähnlichen Apartment-Konzepten in Frankfurt gesammelt hat. Auf der Gegenseite steht der Hessische Mieterbund, vertreten durch seinen Vorsitzenden Gert Reeh, der das Projekt als sozial unausgewogen kritisiert. Reeh betont, dass kommunale Unternehmen eine Vorbildfunktion haben sollten, die er hier vermisst. Auf städtischer Seite ist der Frankfurter Planungsdezernent Markus Gwechenberger involviert, der die Förderung von Wohnraum für Studierende und Azubis vorantreiben möchte. Das Planungsdezernat fungiert hierbei als Kontrollinstanz, die den Eingang von Förderanträgen überwacht. Die unterschiedlichen Perspektiven – von der wirtschaftlichen Verwertung durch die MAG bis zur sozialen Forderung durch den Mieterbund – verdeutlichen die Spannungsfelder, in denen sich die Stadtentwicklung in Frankfurt bewegt.

Einordnung der Situation

Einzuordnen ist das Projekt als ein Beispiel für die Herausforderungen der städtischen Nachverdichtung. Die Kritik des Mieterbundes, dass das Projekt lediglich ein „Stecknadelkopf“ im Hinblick auf den sozialen Wohnungsbau sei, unterstreicht die Dringlichkeit der Lage in Frankfurt. Den Berichten zufolge ist der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für Familien und einkommensschwache Haushalte in der Stadt bei weitem nicht gedeckt. Die Strategie der MAG, Mikro-Apartments mit Serviced-Elementen zu kombinieren, wird vom Mieterbund als Indikator für eine Ausrichtung auf zahlungskräftige Zielgruppen gewertet. Den Berichten zufolge wird das Argument der Ressourcenschonung durch den Erhalt des Büroturms zwar als positiv anerkannt, jedoch steht dies in der öffentlichen Wahrnehmung in einem deutlichen Missverhältnis zum sozialen Mehrwert, den die Stadtgesellschaft von einem Projekt mit kommunaler Beteiligung erwartet. Es ist ein Konflikt zwischen der ökonomischen Notwendigkeit, Leerstand zu beseitigen, und der sozialen Notwendigkeit, Wohnraum für alle Einkommensschichten bereitzustellen. Die Debatte zeigt, dass die bloße Schaffung von Wohnraum in Frankfurt nicht mehr ausreicht, um die politischen und gesellschaftlichen Anforderungen an eine inklusive Stadtentwicklung zu erfüllen.

Offene Fragen und Lücken im Sachverhalt

Trotz der vorliegenden Informationen bleiben zentrale Fragen unbeantwortet, die für eine abschließende Bewertung des Projekts „We Live Tower“ essenziell wären. Erstens ist die exakte Miethöhe für die Apartments weiterhin unbekannt. Ohne diese Zahlen lässt sich nicht objektiv beurteilen, wie hoch die finanzielle Belastung für die zukünftigen Bewohner tatsächlich sein wird. Zweitens ist unklar, warum der angekündigte Förderantrag für die zwölf Doppelapartments bisher nicht bei der Stadt Frankfurt eingegangen ist. Es bleibt offen, ob dies auf bürokratische Verzögerungen, interne Abstimmungsprobleme bei der MAG oder eine bewusste Entscheidung gegen die Förderung zurückzuführen ist. Drittens gibt der Quelltext keine Auskunft über den zeitlichen Rahmen der Fertigstellung oder den genauen Termin, an dem die Mietpreise veröffentlicht werden sollen. Auch die konkreten Kriterien für die Auswahl der Mieter der Serviced Apartments bleiben vage. Diese Informationslücken lassen Raum für Spekulationen über die tatsächliche soziale Ausrichtung des Projekts, die erst durch offizielle Stellungnahmen der Projektpartner zu einem späteren Zeitpunkt geklärt werden können.

Wie es weitergeht

Die Zukunft des „We Live Tower“ ist eng mit der Beantwortung der noch offenen Fragen verknüpft. Es bleibt abzuwarten, ob die Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG) in absehbarer Zeit den angekündigten Förderantrag bei der Stadt Frankfurt einreichen wird. Die Öffentlichkeit und der Mieterbund werden die weitere Entwicklung genau beobachten, insbesondere im Hinblick auf die Mietpreisgestaltung. Die Projektpartner haben angekündigt, die Mietpreise „zu gegebener Zeit“ zu veröffentlichen, ohne jedoch einen konkreten Zeitplan zu nennen. Zudem steht die Umsetzung der ergänzenden Maßnahmen aus, wie etwa der Bau der Kindertagesstätte und des zusätzlichen Wohngebäudes. Für die Stadt Frankfurt bleibt die Herausforderung bestehen, das Förderprogramm für Studierende und Auszubildende bei solchen Projekten konsequenter einzufordern, um den sozialen Wohnungsbau trotz der Marktdynamik voranzubringen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob das Projekt den Erwartungen der Stadtplaner gerecht wird oder ob die Kritik des Mieterbundes an der sozialen Ausrichtung des „We Live Tower“ bestehen bleibt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/frankfurter-skyline-mit-dramatischer-kathedrale-aussicht-38425036/ · Foto: Arlind D
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-we-live-tower-in-frankfurt-mieterbund-kritisiert-mikro-apartment-projekt-100.html