Die Verknüpfung von Mensch, Tier und Umwelt
Einführung in das One-Health-Konzept
Die Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt ist untrennbar miteinander verbunden. Der interdisziplinäre Ansatz des One-Health-Konzepts zielt darauf ab, diese Verknüpfung zu erforschen und zu verstehen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stammen etwa 75 % der neu auftretenden Infektionskrankheiten von Tieren. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, die Gesundheit aller drei Bereiche gemeinsam zu betrachten.
Zoonosen und ihre Risiken
Zoonosen sind Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Der Begriff „Zoonotic Spillover“ beschreibt diesen Vorgang, bei dem Krankheitserreger von Tieren auf den Menschen überspringen. Timo Falkenberg, ein Experte des Instituts für Hygiene und Public Health der Universität Bonn, erklärt, dass insbesondere in Gebieten, in denen Menschen in die Lebensräume von Wildtieren eindringen, ein erhöhtes Risiko besteht. Die Corona-Pandemie hat diese Problematik nochmals verstärkt und gezeigt, wie schnell sich neue Krankheitserreger ausbreiten können.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Um die Risiken für zukünftige Pandemien zu minimieren, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachdisziplinen erforderlich. Human- und Tiermediziner, Umweltwissenschaftler und Mikrobiologen arbeiten gemeinsam daran, die Zusammenhänge zwischen Mensch, Tier und Umwelt besser zu verstehen. Falkenberg betont, dass die menschliche und tierische Gesundheit nicht isoliert betrachtet werden können, da sie stark miteinander verwoben sind.
One-Health-Exploratorien
In Greifswald wurde 2021 ein Forschungsinstitut gegründet, das sich ausschließlich dem One-Health-Ansatz widmet. Fabian Leendertz, der Leiter der Einrichtung, plant den Aufbau eines globalen Netzwerks von One-Health-Exploratorien. Diese sollen als „Wetterstationen“ dienen, um die Gesundheit von Menschen und Tieren zu überwachen und mögliche Ausbrüche von Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Erste Schritte wurden bereits in Zusammenarbeit mit Partnern an der Elfenbeinküste unternommen.
Fallstudie: Mpox-Virus
Ein Beispiel für die erfolgreiche Anwendung des One-Health-Ansatzes ist die Nachverfolgung des Mpox-Virus. In einer Zusammenarbeit zwischen Forschern in Greifswald und der Elfenbeinküste wurde nachgewiesen, dass das Virus von Feuerfußhörnchen auf Rußmangaben überging. Diese Erkenntnisse sind entscheidend, da das Mpox-Virus auch eine Bedrohung für die menschliche Gesundheit darstellt.
Herausforderungen in der Gesundheitsinfrastruktur
Besonders in Regionen mit hoher Artenvielfalt, wie tropischen Regenwäldern, ist das Risiko für Zoonosen erhöht. Diese Gebiete sind oft durch menschliche Aktivitäten wie Abholzung und Mineralabbau stark gefährdet. Zudem ist die Gesundheitsinfrastruktur in vielen dieser Regionen häufig unzureichend, was die Erkennung und Behandlung von neuen Krankheitserregern erschwert.
Politische Aufmerksamkeit für One Health
Der One-Health-Ansatz gewinnt zunehmend an Bedeutung in der politischen Diskussion. Bei einer internationalen Konferenz in Lyon, organisiert von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, wurde über Maßnahmen zur Pandemievorsorge beraten. Ein zentrales Ergebnis war die Notwendigkeit, den Austausch von Daten zwischen verschiedenen Forschungsgruppen zu verbessern. Einheitliche Datenstandards sollen dabei helfen, die Zusammenarbeit zu fördern und die Effizienz in der Pandemievorsorge zu steigern.
Datenmanagement und Infektionskontrolle
Ein zentrales Problem ist der ineffiziente Austausch von Daten zwischen verschiedenen Ämtern und Institutionen. Dies wird am Beispiel der Tollwut deutlich, einer Zoonose, die vor allem von Hunden übertragen wird. Oft bleibt die Information über eine Infektion bei den behandelnden Ärzten oder Gesundheitsbehörden und wird nicht rechtzeitig an das Veterinäramt weitergegeben. Ein verbesserter Datenaustausch könnte helfen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und Ausbrüche zu verhindern.
Ausblick auf zukünftige Entwicklungen
Die Forschung im Bereich One Health steht noch am Anfang, aber die bisherigen Erfolge zeigen das Potenzial dieses Ansatzes. Um zukünftige Pandemien besser vorzubeugen, ist es entscheidend, dass die internationale Gemeinschaft weiterhin an einem Strang zieht und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Disziplinen fördert. Nur so kann das Risiko für Zoonosen minimiert und die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt nachhaltig gesichert werden.