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Wellenreiten lernen und Auftanken fürs Leben
Schlagzeilen · 16.08.2026 15:01

Wellenreiten lernen und Auftanken fürs Leben

Kurz: Der Hamburger Social Surf Club ermöglicht Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen kostenlose Surfurlaube, um ihnen neue Perspektiven und Kraft zu schenken.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Der in Hamburg ansässige Social Surf Club hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern und Jugendlichen aus schwierigen sozialen Verhältnissen eine Auszeit vom Alltag zu ermöglichen. Das Kernangebot des Vereins besteht in kostenlosen Ferienfreizeiten, bei denen die Teilnehmenden das Wellenreiten erlernen können. Diese Reisen sind für die jungen Menschen oft die einzige Möglichkeit, überhaupt einmal aus ihrem gewohnten Umfeld herauszukommen und unbeschwerte Tage zu verbringen. Die Organisation hinter dem Projekt stellt sicher, dass die Jugendlichen nicht nur eine sportliche Betätigung finden, sondern in einer betreuten Gemeinschaft positive Erfahrungen sammeln können. Die Reisen führen die Gruppen regelmäßig von Hamburg aus in das etwa 400 Kilometer entfernte Ulfborg an der dänischen Nordseeküste. Dort verbringen die Jugendlichen eine intensive Woche, in der das Surfen, die Naturerfahrung und der Austausch mit Gleichaltrigen im Mittelpunkt stehen. Das Projekt richtet sich gezielt an Heranwachsende, die aufgrund ihrer familiären oder finanziellen Situation im Alltag stark belastet sind. Durch die kostenlose Teilnahme wird sichergestellt, dass finanzielle Hürden keine Rolle bei der Auswahl der Teilnehmenden spielen. Die Initiative versteht sich dabei als Beitrag zur sozialen Arbeit und als Chance, den Jugendlichen neue Kraft für ihren schulischen und persönlichen Alltag zu geben. Die Kombination aus körperlicher Aktivität im Wasser und einem pädagogisch begleiteten Rahmenprogramm bildet das Fundament dieses sozialen Engagements, das den jungen Menschen ein Gefühl von Wertschätzung und Freiheit vermittelt.

Die Einzelheiten der Surf-Camps

Für die diesjährige Saison hat der Social Surf Club insgesamt vier verschiedene Reisen für unterschiedliche Altersgruppen organisiert. Eine typische Reise umfasst eine Gruppe von 20 Teilnehmenden, die von einem zehnköpfigen Betreuerteam begleitet werden. Die Anreise erfolgt dabei in Kleinbussen von Hamburg aus. Die Kosten für eine vergleichbare Reise, inklusive Surfunterricht, Unterkunft und Verpflegung, würden in Dänemark regulär zwischen 500 und 1.700 Euro pro Person liegen, zuzüglich der Anreisekosten. Dank der Finanzierung durch Spenden ist das Angebot für die Jugendlichen jedoch komplett kostenfrei. Auch die notwendige Ausrüstung, wie Surfbretter und Neoprenanzüge, wird durch Unterstützer bereitgestellt, darunter ehemalige Teilnehmer, spezialisierte Surfschulen sowie ein Hersteller von Bademode. Die pädagogische Leitung liegt in den Händen von Fabienne Schwerzmann, die neben ihrer Tätigkeit für den Verein Osteopathie studiert. Sie betont, dass das Surfen als Medium dient, um sich selbst und die Umwelt neu zu erfahren. Das Wasser an der dänischen Küste ist selbst im Frühsommer mit Temperaturen zwischen zwölf und 15 Grad eine Herausforderung, die jedoch laut den Aussagen der Jugendlichen nach der ersten Überwindung schnell in den Hintergrund tritt. Neben dem klassischen Wellenreiten hat der Verein sein Portfolio erweitert und bietet mittlerweile auch ein Camp für Windsurfen sowie spezielle Reisen für Mädchen und junge Frauen an.

Hintergrund und Entstehungsgeschichte

Die Gründung des Social Surf Clubs geht auf Kim Birtel zurück, die selbst eine prägende und schwierige Jugend durchlebt hat. Sie berichtet, dass ihr in dieser Lebensphase eine Surf-Gang, der sie in der Schule begegnete, als Rettung diente. Diese eigene Erfahrung ist der Antrieb für ihr heutiges Engagement. Birtel möchte die Idee weitergeben, dass der Surfsport für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenslagen eine echte Perspektive darstellen kann. Der Bewerbungsprozess für die begehrten Plätze ist bewusst niederschwellig gehalten: Ein einfaches Schreiben, in dem die Jugendlichen ihre aktuelle Lebenssituation schildern, reicht für eine Bewerbung aus. Aus der Vielzahl der Einsendungen stellt der Verein dann Gruppen zusammen, die in ihrer Konstellation gut zueinander passen. Der Hintergrund für dieses Engagement ist die Erkenntnis, dass viele Jugendliche in Deutschland unter prekären Bedingungen aufwachsen. Berichte, wie etwa eine Studie von Unicef zum Kindeswohl, bei der Deutschland im internationalen Vergleich nur auf dem 25. Platz von 37 Ländern landete, unterstreichen die Notwendigkeit solcher Angebote. Die Organisation möchte hier aktiv gegensteuern und den Jugendlichen einen Raum bieten, in dem der eigene Geldbeutel keine Rolle für die Teilhabe an Freizeitaktivitäten spielt.

Die Beteiligten und ihre Rollen

Im Zentrum des Geschehens stehen die Jugendlichen selbst, wie etwa der 17-jährige Mike Tsemo und die 18-jährige Jasmeet Singh. Beide stehen kurz vor ihrem Abitur und berichten von den großen Herausforderungen in ihrem Alltag, die von familiärem Chaos bis hin zum Leistungsdruck in der Schule reichen. Für sie ist das Camp ein Ort der Ruhe und des „Resets“. Neben den Teilnehmenden ist das Betreuerteam die tragende Säule des Clubs. Alle Betreuenden arbeiten ehrenamtlich und bringen unterschiedliche professionelle Hintergründe ein, darunter Surflehrer, Pädagogen, Psychologen und Sozialarbeiter. Diese fachliche Expertise ist entscheidend für den Erfolg der pädagogischen Arbeit. Kim Birtel als Gründerin und Fabienne Schwerzmann als Campleiterin steuern die organisatorischen Prozesse und halten die Verbindung zu den Spendern und Unterstützern aufrecht. Die Unterstützer, zu denen neben Privatpersonen auch Surfschulen und Unternehmen gehören, ermöglichen erst die materielle Grundlage der Camps. Die Interaktion zwischen diesen Gruppen – den Jugendlichen, den ehrenamtlichen Profis und den externen Förderern – schafft ein stabiles Netzwerk, das den Fortbestand der sozialen Arbeit sichert.

Einordnung der pädagogischen Arbeit

Einzuordnen ist das Projekt als ein niederschwelliges, aber hochwirksames Angebot der sozialen Arbeit. Den Berichten zufolge dient das Camp nicht nur der sportlichen Betätigung, sondern fungiert als ein geschützter Raum für die persönliche Entwicklung. Besonders hervorzuheben ist das strikte Regelwerk im Camp: Alkohol, Drogen und Handys sind untersagt. Diese Regeln dienen laut den Verantwortlichen dazu, die Gemeinschaft zu stärken und den Fokus voll auf die zwischenmenschlichen Erfahrungen zu legen. Die Jugendlichen berichten von einer spürbaren Veränderung ihres Selbstbildes. So beschreibt Mike Tsemo, dass er durch das Camp offener geworden sei und neue soziale Kontakte knüpfen konnte. Die pädagogische Philosophie hinter dem Projekt ist es, Frustrationstoleranz zu fördern. Wenn das Surfen nicht sofort gelingt, wird dies als Teil des Lernprozesses akzeptiert. Fabienne Schwerzmann zieht den Vergleich zum Leben selbst: Das Meer konfrontiere die Jugendlichen mit Scheitern und Kämpfen, lehre sie aber gleichzeitig das Weitermachen. Die Wertschätzung, die den Jugendlichen entgegengebracht wird, wirkt dabei als emotionaler Anker, der oft noch lange nach der Rückkehr in den Alltag nachwirkt, auch wenn die Rückkehr in das häusliche Umfeld manchmal als schwierig oder traurig empfunden wird.

Offene Fragen und Lücken im Bericht

Obwohl der Bericht einen detaillierten Einblick in die Arbeitsweise des Social Surf Clubs gibt, bleiben einige Aspekte unbeantwortet. So wird nicht explizit dargelegt, wie der Verein die langfristige Finanzierung der Camps über die aktuelle Saison hinaus sicherstellt, da die Abhängigkeit von Spenden eine ständige Herausforderung darstellt. Auch die Auswahlkriterien für die Gruppenbildung werden nur vage als „passend“ beschrieben, ohne dass die genauen pädagogischen oder psychologischen Parameter für diese Zusammenstellung näher erläutert werden. Ebenso bleibt offen, wie viele Bewerbungen den Verein jährlich erreichen und wie hoch die Ablehnungsquote ist, was Aufschluss über den tatsächlichen Bedarf an solchen Angeboten geben könnte. Auch über die langfristige Begleitung der Jugendlichen nach dem Camp-Ende erfährt man wenig; es bleibt unklar, ob der Kontakt zwischen den Teilnehmenden und dem Verein über die eine Woche hinaus besteht oder ob es weiterführende Angebote gibt, um die im Camp gewonnenen positiven Impulse nachhaltig im Alltag der Jugendlichen zu verankern. Diese Aspekte könnten für eine umfassendere Bewertung der Wirksamkeit des Projekts von Interesse sein, werden im vorliegenden Text jedoch nicht weiter vertieft.

Wie es weitergeht

Die Arbeit des Social Surf Clubs ist ein fortlaufender Prozess. Für die laufende Saison wurden bereits vier Reisen angeboten, was auf eine stabile Planung für den aktuellen Sommer hindeutet. Weitere Termine oder spezifische Expansionspläne für das kommende Jahr werden im Text nicht explizit genannt. Dennoch ist das Modell des Vereins ein Beispiel für eine Initiative, die durch ihre Struktur und das ehrenamtliche Engagement der Beteiligten eine klare Perspektive für die Zukunft bietet. Die mediale Aufmerksamkeit, etwa durch die Berichterstattung in der Sendung „plan b“, könnte dem Verein dabei helfen, weitere Unterstützer und Spender zu gewinnen, was für die Aufrechterhaltung der kostenlosen Angebote essenziell ist. Da die Jugendlichen selbst den Wunsch nach einer Fortsetzung ihrer positiven Erfahrungen äußern, ist davon auszugehen, dass der Verein auch in Zukunft versuchen wird, die Kapazitäten für weitere Reisen bereitzustellen. Die Entscheidung über künftige Camps hängt jedoch maßgeblich von der weiteren Spendenbereitschaft und der Verfügbarkeit des ehrenamtlichen Betreuerstabs ab, der die pädagogische Qualität der Reisen sicherstellt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-surfen-abenteuer-spritzen-4784919/ · Foto: Jess Loiterton
Quelle: https://www.zdfheute.de/panorama/social-surf-club-ferien-chance-jugendarbeit-soziale-arbeit-100.html