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Waldsiedlung Zehlendorf jetzt Teil des Unesco-Welterbes
Schlagzeilen · 26.07.2026 20:35

Waldsiedlung Zehlendorf jetzt Teil des Unesco-Welterbes

Kurz: Die Berliner Waldsiedlung Zehlendorf ist offiziell Teil des Unesco-Welterbes. Das als Papageiensiedlung bekannte Quartier überzeugt durch visionäre Bauhaus-Arch

Ein Meilenstein der Architekturgeschichte

Die Waldsiedlung Zehlendorf im Berliner Südwesten hat eine bedeutende internationale Auszeichnung erhalten. Während seiner Sitzung im südkoreanischen Busan beschloss das Unesco-Komitee, das architektonische Ensemble in die Liste des Welterbes aufzunehmen. Damit erfährt ein weiteres Kapitel deutscher Baugeschichte weltweite Anerkennung.

Bei der Aufnahme handelt es sich um eine Erweiterung der bereits seit 2008 bestehenden Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“. Mit der Waldsiedlung Zehlendorf wächst dieser Verbund auf insgesamt sieben Siedlungen an, zu denen unter anderem die Hufeisensiedlung in Neukölln sowie die Weiße Siedlung in Reinickendorf gehören.

Visionäres Wohnen im Bauhaus-Stil

Die Entstehung der Siedlung fällt in die Jahre 1926 bis 1932. Unter der federführenden Planung von Bruno Taut, der dabei eng mit Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg zusammenarbeitete, entstand ein Wohnkonzept, das seiner Zeit weit voraus war. Das Leitmotiv „Licht, Luft und Sonne“ stand im Zentrum der Planung. In einer Ära, in der gesundes Wohnen für breite Bevölkerungsschichten noch keine Selbstverständlichkeit war, setzte die Waldsiedlung Maßstäbe.

Die Architektur verbindet moderne, offene Strukturen mit einer Einbettung in die natürliche Umgebung aus Kiefernwald und Grünflächen. Maria Böhmer, Präsidentin der deutschen Unesco-Kommission, betonte, dass diese Siedlungen bis heute aufzeigen, worauf es bei bezahlbarem, gesundem und qualitativ hochwertigem Wohnraum ankommt. Die Waldsiedlung Zehlendorf ist dabei die flächenmäßig größte der Berliner Moderne-Siedlungen.

Warum die Siedlung „Papageiensiedlung“ heißt

Ihr markanter Beiname „Papageiensiedlung“ ist auf die auffällige Farbgestaltung der Fassaden zurückzuführen. Die Gebäude präsentieren sich in einer lebendigen Palette aus Gelb, Blau, Grün und Bordeauxrot. Ergänzt wird dieses Farbkonzept durch dreifarbige Fensterrahmen und individuell gestaltete Eingangstüren, was dem Viertel ein unverwechselbares Erscheinungsbild verleiht.

Zwischen Anerkennung und Sorge

Die Entscheidung der Unesco wird jedoch nicht von allen rund 4.000 Bewohnern uneingeschlossen begrüßt. Während die architektonische Bedeutung unbestritten ist, äußern einige Anwohner Bedenken hinsichtlich der praktischen Folgen des Welterbe-Status. Es besteht die Befürchtung, dass die Auszeichnung zu weiter steigenden Mieten führen könnte. Zudem sorgen sich Bewohner um eine mögliche Verschärfung der ohnehin bereits strengen Auflagen des Denkmalschutzes.

Einordnung im globalen Kontext

Die Aufnahme der Waldsiedlung Zehlendorf unterstreicht die anhaltende Relevanz der Bauhaus-Ideen. Unesco-Botschafterin Kerstin Pürschel hob hervor, dass das Quartier durch die einzigartige Kombination aus urbaner Infrastruktur und Waldlandschaft eine besondere Facette zum Welterbe beisteuert.

Das Unesco-Komitee tagt noch bis zum 29. Juli in Busan, um über weitere Nominierungen zu entscheiden. Weltweit stehen derzeit etwa 60 Stätten auf der Liste des gefährdeten Welterbes, bedroht durch Faktoren wie den Klimawandel, Naturkatastrophen oder kriegerische Konflikte. In Deutschland ist die Waldsiedlung Zehlendorf nun eines von insgesamt 55 Welterbe-Objekten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/charmante-strassenansicht-in-hamburg-mit-kirchturm-37771721/ · Foto: Frank Rietsch
Quelle: https://www.zdfheute.de/panorama/waldsiedlung-zehlendorf-unesco-erbe-100.html