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Wadephul: Niemand wartet in Afrika auf Deutschland
Schlagzeilen · 23.07.2026 20:12

Wadephul: Niemand wartet in Afrika auf Deutschland

Kurz: Bundesaußenminister Johann Wadephul betont nach seiner Afrikareise die Notwendigkeit einer aktiveren deutschen Außenpolitik gegenüber dem Kontinent.

Ein Kontinent der Möglichkeiten

Zum Abschluss einer viertägigen Reise durch Nigeria, Mauretanien und Südafrika hat Bundesaußenminister Johann Wadephul das enorme Potenzial Afrikas unterstrichen. Er bezeichnete die Region als „Chancenkontinent“, der für Deutschland insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Rohstoffsicherung und bei der Gewinnung von Fachkräften eine zentrale Rolle spielt. Wadephul mahnte dabei zur Eile: Deutschland und Europa dürften sich nicht darauf verlassen, dass sie in Afrika mit offenen Armen empfangen werden. Vielmehr sei ein aktiveres Zugehen auf die afrikanischen Partner zwingend erforderlich.

Wirtschaftliche Präsenz im Wandel

Südafrika bleibt der bedeutendste Handelspartner Deutschlands auf dem afrikanischen Kontinent. Rund 600 deutsche Unternehmen sind dort aktiv und bieten etwa 100.000 Arbeitsplätze. Auch im Tourismussektor ist die Verbindung eng, wie die 300.000 deutschen Gäste im vergangenen Jahr belegen. Dennoch ist der Wettbewerb spürbar. Während deutsche Marken wie VW oder Jägermeister im Straßenbild noch präsent sind, nimmt die Sichtbarkeit chinesischer Produkte, etwa bei Elektrofahrzeugen, stetig zu. Wadephul betonte, dass Deutschland seine Präsenz durch gezielte Investitionen, wie sie beispielsweise bei Siemens Energy in Johannesburg in der Turbinenproduktion sichtbar werden, weiter festigen müsse.

Politische Differenzen und globale Herausforderungen

Die diplomatischen Beziehungen sind jedoch nicht frei von Spannungen. In zentralen außenpolitischen Fragen liegen die Positionen Deutschlands und Südafrikas weit auseinander. Dies betrifft insbesondere die Haltung zum Nahostkonflikt: Die südafrikanische Regierung wirft Israel einen „Genozid“ vor und hat den Fall vor den Internationalen Strafgerichtshof gebracht. Auch die Haltung zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bleibt ein schwieriges Thema. Südafrika, das als Mitglied der BRICS-Staaten eng mit Russland verbunden ist, vermeidet auch nach fünf Jahren eine klare Verurteilung des Krieges.

Wadephul wählte bei seinem Auftritt an der Universität Witwatersrand einen diplomatischen Ansatz und sprach davon, sich darauf zu einigen, „uneinig zu sein“. Gleichzeitig verwies er auf die globale Vernetzung lokaler Krisen: Sicherheitsprobleme in Osteuropa hätten direkte Auswirkungen auf die Stabilität in Europa, was die Notwendigkeit einer engen internationalen Zusammenarbeit unterstreiche.

Einordnung in die globale Geopolitik

Ein wesentlicher Punkt der Reise war die Unterstützung Südafrikas durch Deutschland auf internationalem Parkett. Wadephul sprach sich erneut für einen ständigen Sitz eines afrikanischen Staates im UN-Sicherheitsrat aus. Zudem positionierte er sich gegen die Entscheidung der USA unter Donald Trump, Südafrika nicht zum G20-Gipfel nach Miami einzuladen. Der deutsche Außenminister betonte die Unverzichtbarkeit Südafrikas als G20-Mitglied. Sein südafrikanischer Amtskollege Ronald Lamola stellte in diesem Kontext die rhetorische Frage, ob ein Gipfel ohne ein Gründungsmitglied wie Südafrika überhaupt noch als G20-Treffen bezeichnet werden könne.

Blick in die Zukunft

Die Reise des Außenministers verdeutlicht, dass die deutsche Außenpolitik in Afrika vor komplexen Aufgaben steht. Neben der wirtschaftlichen Konkurrenz durch Akteure wie China erfordern die unterschiedlichen politischen Standpunkte ein hohes Maß an diplomatischer Geschicklichkeit. Die kommenden Monate werden zeigen, wie Deutschland seine Rolle als Partner weiterentwickelt, während innenpolitische Themen – wie etwa die Sondersitzungen der eigenen Fraktion – die Arbeit des Außenministers auch auf internationalem Terrain begleiten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/36815964/ · Foto: Tim Heckmann
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/johann-wadephul-suedafrika-afrika-reise-100.html