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US-Pass für Babys: Reisen Schwangere dafür extra in die USA?
Schlagzeilen · 07.08.2026 19:15

US-Pass für Babys: Reisen Schwangere dafür extra in die USA?

Kurz: Donald Trump will den sogenannten Geburtstourismus in den USA eindämmen. Doch wie viele Schwangere reisen tatsächlich für die Staatsbürgerschaft ein?

Ein umstrittenes Vorhaben: Trumps Kampf gegen das Geburtsrecht

US-Präsident Donald Trump hat erneut den sogenannten „Geburtstourismus“ ins Visier genommen. Sein Ziel ist es, das in den USA geltende Geburtsortprinzip – das jedem im Land geborenen Kind automatisch die US-Staatsbürgerschaft gewährt – für bestimmte Personengruppen einzuschränken. Mit neuen Dekreten will die US-Regierung sowohl den Zugang zur Staatsbürgerschaft erschweren als auch die Visavergabe für Schwangere, die gezielt zur Entbindung einreisen, deutlich verschärfen.

Die Begründung der Regierung ist dabei klar definiert: Man wolle den Wert der US-Staatsbürgerschaft schützen und verhindern, dass das System durch organisierte Netzwerke ausgenutzt wird. Trump selbst sprach in einer Pressekonferenz von „Hunderttausenden“ Menschen, die jährlich vom Geburtstourismus profitieren würden.

Die Suche nach belastbaren Zahlen

Die Behauptung des US-Präsidenten steht jedoch auf wackeligen Beinen. Offizielle, flächendeckende Statistiken, die explizit den „Geburtstourismus“ erfassen, existieren in den USA nicht. Die Datenlage ist fragmentiert und stützt sich weitgehend auf Schätzungen und punktuelle Ermittlungsergebnisse.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC bietet hierbei einen Anhaltspunkt: In ihren Statistiken für das Jahr 2024 wurden rund 3,6 Millionen Geburten registriert. Davon entfielen etwa 9.500 auf Mütter mit einem Wohnsitz außerhalb der USA. Dies entspricht einem Anteil von lediglich 0,26 Prozent. Experten weisen jedoch darauf hin, dass diese Zahl mit Vorsicht zu genießen ist: Nicht jede Frau mit ausländischem Wohnsitz ist automatisch eine „Geburtstouristin“. Es könnten sich darunter auch Personen befinden, die aus anderen Gründen vorübergehend im Land waren. Zudem erschweren Selbstauskünfte der Mütter und die Problematik von Mehrlingsgeburten eine präzise Erfassung.

Zwischen Schätzungen und Realität

Andere Quellen liefern abweichende Zahlen, die jedoch ebenfalls umstritten sind:

* **US-Außenministerium:** Ein Bericht des US-Senats aus dem Jahr 2022 schätzt die Zahl der Geburten durch Frauen mit einem B-Visum (Tourismus/Geschäft) auf „Tausende“ jährlich.

* **Wissenschaftliche Analysen:** Eine Untersuchung der Pennsylvania State University beziffert die jährlichen Fälle auf 5.000 bis knapp 10.000.

* **Konservative Thinktanks:** Das Center for Immigration Studies nannte in der Vergangenheit Zahlen zwischen 20.000 und 26.000. Diese Schätzung bezieht sich jedoch auf einen Zeitraum von 2016 bis 2017 und wird von anderen Instituten, wie dem Niskanen Center, aufgrund methodischer Schwächen als übertrieben kritisiert.

Dokumentierte Fälle und behördliche Maßnahmen

Dass der Geburtstourismus existiert, ist unbestritten. US-Behörden haben in der Vergangenheit mehrfach gegen organisierte Netzwerke ermittelt. So gab es 2019 Anklagen gegen 19 Personen, die Tausenden Ausländerinnen bei der Reise zur Entbindung geholfen haben sollen. In einem Fall wurden pro Kundin zwischen 40.000 und 80.000 Dollar verlangt. Auch im Jahr 2024 wurden in Kalifornien Personen wegen solcher Geschäftsmodelle verurteilt.

Rechtliche Hürden und politische Dynamik

Obwohl die Regierung den Druck erhöht, stößt sie auf rechtliche Widerstände. Der Supreme Court hatte erst Ende Juni 2026 Pläne Trumps zur Einschränkung der Staatsbürgerschaft für in den USA geborene Kinder gekippt. Die Versuche, das Geburtsrecht per Dekret zu beschneiden, bewegen sich somit in einem hochkomplexen juristischen Umfeld.

Die aktuelle politische Strategie scheint eng mit der allgemeinen Einwanderungspolitik verknüpft zu sein. Mit der Freigabe von weiteren 70 Milliarden Dollar für die Einwanderungsbehörde ICE hat der Kongress die finanziellen Mittel geschaffen, um die Vorhaben der Regierung weiter voranzutreiben. Ob die Maßnahmen gegen den Geburtstourismus jedoch den erhofften Effekt haben oder lediglich eine symbolische Rolle in der Migrationsdebatte spielen, bleibt angesichts der geringen Fallzahlen und der fehlenden Belege für Trumps „Hunderttausende“ fraglich.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/hande-festhalten-halten-mutter-7484765/ · Foto: Matilda Wormwood
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/faktencheck-trump-geburtstourismus-usa-100.html