Ein Stück Internetgeschichte kehrt zurück
Für viele Nutzer, die ihre ersten digitalen Gehversuche um die Jahrtausendwende machten, ist der Name ICQ untrennbar mit der frühen Ära der Online-Kommunikation verbunden. Nachdem der offizielle Dienst im Juni 2024 endgültig eingestellt wurde, schien das Kapitel des einstigen Pioniers geschlossen. Nun sorgt jedoch ein inoffizielles Fanprojekt unter dem Titel „ICQ Reborn“ für Aufsehen. Der neue Windows-Client verspricht eine möglichst authentische Erfahrung, die das Design und die Funktionalität des Originals in die Gegenwart retten soll.
Was bietet ICQ Reborn?
Die Entwickler hinter dem Projekt haben nach eigenen Angaben die Software von Grund auf neu programmiert. Als technisches Rückgrat dient ein privater XMPP-Server. Nutzer, die den Client unter Windows 10 oder Windows 11 installieren, finden zahlreiche vertraute Elemente wieder:
* **UIN-System:** Wie früher erhalten Nutzer numerische Identifikationsnummern, um Kontakte zu finden und zu verwalten.
* **Klassische Optik:** Die Benutzeroberfläche und die Kontaktliste sind eng am historischen Vorbild orientiert.
* **Der Sound:** Das ikonische „Uh-oh“-Geräusch bei eingehenden Nachrichten ist wieder mit an Bord.
* **Moderne Funktionen:** Trotz des Retro-Looks unterstützt die Software Funktionen wie den Versand von Dateien und Bildern, Lesebestätigungen, Tippanzeigen sowie den Empfang von Offline-Nachrichten.
Aktuell liegt das Programm in der Version 1.3 vor und wird laut der Projektseite kontinuierlich weiterentwickelt. Bisher beschränkt sich das Angebot jedoch ausschließlich auf Windows-Systeme; Versionen für mobile Betriebssysteme wie Android oder iOS sind derzeit nicht verfügbar.
Anonyme Entwickler und Sicherheitsfragen
Trotz der Begeisterung über die Wiederbelebung des Klassikers gibt es berechtigte Gründe zur Vorsicht. Wer genau hinter „ICQ Reborn“ steckt, bleibt weitgehend im Dunkeln. Auf der Plattform itch.io tritt der Anbieter lediglich unter dem Kürzel „icqr“ auf und bezeichnet das Programm als reines Leidenschaftsprojekt. Auch die offizielle Website bleibt vage und spricht lediglich von mehreren Fans, ohne jedoch konkrete Namen oder eine verantwortliche Organisation zu nennen.
Ein wesentlicher Punkt, der Nutzer zur Vorsicht mahnen sollte, ist die Sicherheit. Das Projekt betont explizit, dass es keine Verbindung zu den früheren Eigentümern des Messengers – wie etwa der VK-Gruppe, die ICQ zuletzt betrieb – besteht. Da keine Informationen über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vorliegen und zudem unklar ist, wer die Server betreibt und wie dort mit den Daten verfahren wird, raten Experten dazu, keine sensiblen Informationen über den Dienst auszutauschen.
Der lange Weg von ICQ
Der Aufstieg und Fall von ICQ ist ein Spiegelbild der rasanten Entwicklung des Internets. Ursprünglich 1996 vom israelischen Unternehmen Mirabilis gestartet, wurde der Messenger 1998 für eine damals beachtliche Summe von 287 Millionen US-Dollar von AOL übernommen. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität im Jahr 2009 zählte der Dienst über 470 Millionen registrierte Konten.
Mit dem Siegeszug der Smartphones und der damit einhergehenden Dominanz moderner Messenger wie WhatsApp verlor ICQ jedoch schleichend an Relevanz. Nach mehreren Besitzerwechseln – darunter der russische Konzern DST, der später als Mail.ru Group und schließlich als VK firmierte – endete die Geschichte des offiziellen Dienstes am 26. Juni 2024. Ob das inoffizielle „ICQ Reborn“ eine langfristige Alternative für Nostalgiker bieten kann oder lediglich ein kurzlebiges Experiment bleibt, wird maßgeblich von der Transparenz der Betreiber und der Stabilität der privaten Infrastruktur abhängen.