Ein Meisterwerk kehrt zurück
Nach einer intensiven, drei Jahre andauernden Restaurierungsphase in Pariser Laboratorien ist das Triptychon von Moulins wieder öffentlich zugänglich. Das spätgotische Kunstwerk, das derzeit im Louvre präsentiert wird, hat durch die aufwendigen Arbeiten seine ursprüngliche Leuchtkraft zurückgewonnen. Die Restaurierung galt als technisch anspruchsvoll und kostenintensiv, war jedoch für den Erhalt des auf Eichenholz gemalten Flügelaltars unerlässlich.
Historischer Kontext: Kunst aus dem Norden
Um das Jahr 1500 genoss die flämische Malerei in Zentralfrankreich eine hohe Wertschätzung. Wohlhabende Auftraggeber ließen Künstler aus dem Norden direkt in ihre Residenzen kommen. So entstand auch das Triptychon in der Stadt Moulins, der damaligen Hauptstadt der Provinz Bourbonnais. Auftraggeber waren Pierre II., Herzog von Bourbon, und seine Ehefrau Anne de France. Letztere war eine der einflussreichsten Frauen ihrer Zeit; als älteste Tochter von König Louis XI. führte sie von 1483 bis 1491 die Regentschaft für ihren Bruder Charles VIII.
Jean Hey: Der Meister von Moulins
Das Werk wird dem flämischen Maler Jean Hey zugeschrieben, der um 1500 als Zeichner und Illuminator in Lyon und Moulins tätig war. Lange Zeit war der Künstler lediglich als „Meister von Moulins“ bekannt, da das Triptychon nicht signiert ist. Kunsthistoriker wie Charles Sterling und Nicole Reynaud identifizierten Hey jedoch bereits vor Jahrzehnten als den mutmaßlichen Schöpfer. Stilistisch weist das Werk eine deutliche Nähe zu Hugo van der Goes auf, was auf eine Ausbildung in Gent hindeutet.
Bildsprache und Symbolik
Das Triptychon zeigt auf der Mitteltafel eine „Vierge glorieuse“ – eine thronende Madonna mit dem Jesuskind, umgeben von Engeln. Das Motiv der Unbefleckten Empfängnis war für die herzogliche Familie von besonderer Bedeutung. Die Seitenpaneele bilden die Stifter ab: Pierre, Anne und ihre Tochter Suzanne werden von den Heiligen Petrus und Anna begleitet. Im zugeklappten Zustand zeigt der Altar eine Verkündigungsszene in Grisaillemalerei. Ein ungelöstes Rätsel bleibt, warum Hey diese Grautöne teilweise skizzenhaft beließ – ob Zeitmangel oder ein plötzlicher Abbruch der Arbeit die Ursache war, lässt sich auch durch moderne Untersuchungen nicht zweifelsfrei klären.
Restaurierung und handwerkliche Details
Die Restaurierung umfasste nicht nur die Reinigung der Farbschichten, sondern auch die strukturelle Instandsetzung. Während der prachtvolle goldene Rahmen der Mitteltafel erhalten blieb, mussten die schlichteren Rahmen der Seitenflügel neu angefertigt werden. Die Komposition des Altars gilt als wegweisend: Sie verbindet spätgotische Eleganz mit einer strengen, achsensymmetrischen Anordnung, die den Übergang zur Renaissance andeutet.
Ausblick und nächste Stationen
Das Triptychon, das ursprünglich für die Stiftskirche in Moulins geschaffen wurde, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Bereits 1837 wurde es von Prosper Mérimérimée, einem Pionier der französischen Denkmalpflege, begutachtet, als die Teile des Altars bereits getrennt voneinander hingen. Nach der aktuellen Präsentation im Louvre wird das Werk ab Herbst auf eine Reise gehen: Geplant sind Ausstellungen im Monastère royal de Brou in Bourg-en-Bresse sowie im Musée Anne de Beaujeu in Moulins, bevor das Triptychon 2028 in seine Heimatkathedrale zurückkehrt.