Ein historischer Erfolg am legendären Berg
Tadej Pogacar hat eine weitere Lücke in seiner beeindruckenden Erfolgsbilanz geschlossen. Der slowenische Radsport-Dominator sicherte sich bei der 19. Etappe der Tour de France den Sieg am prestigeträchtigen Alpe d’Huez. Für den 27-Jährigen war es der insgesamt 26. Etappenerfolg bei der Frankreich-Rundfahrt, doch der Triumph an diesem speziellen Anstieg fehlte dem viermaligen Tour-Sieger bisher noch.
Der Sieg war keineswegs ein Selbstläufer. Trotz der hohen Erwartungen an eine Solofahrt entwickelte sich das Rennen zu einem taktischen und körperlichen Kraftakt. Da das UAE-Team des Spitzenreiters krankheitsbedingt geschwächt in die Etappe ging, musste Pogacar die Initiative ergreifen, als eine 15-köpfige Spitzengruppe einen Vorsprung von über dreieinhalb Minuten herausgefahren hatte.
Spektakuläre Aufholjagd durch die Kehren
Bereits am Fuß des 13,8 Kilometer langen Schlussanstiegs setzte Pogacar zur Attacke an. Während die Konkurrenz in der Favoritengruppe dem Tempo nicht folgen konnte, schloss der Slowene sukzessive zu den verbliebenen Ausreißern auf. In den legendären 21 Kehren, die von Hunderttausenden Zuschauern gesäumt waren, entwickelte sich ein packender Kampf. Erst 750 Meter vor dem Ziel konnte Pogacar seine letzten Begleiter, Richard Carapaz und Lenny Martinez, endgültig distanzieren.
Besonders bemerkenswert: Mit seiner Leistung unterbot Pogacar den 31 Jahre alten Rekord von Marco Pantani für diesen Anstieg. Bei einem Durchschnittstempo von 23,3 km/h bewies der Mann im Gelben Trikot erneut seine Ausnahmestellung. Er geht nun mit einem komfortablen Vorsprung von 7:11 Minuten in die letzten beiden Etappen.
Verschiebungen in den Wertungen
Neben dem Tagessieg gab es wichtige Entwicklungen in den verschiedenen Trikotwertungen:
* **Gesamtwertung:** Remco Evenepoel festigte seinen zweiten Platz. Der Fahrer der deutschen Equipe Red Bull-Bora-hansgrohe kam als Sechster ins Ziel und konnte seine direkten Konkurrenten um das Podium auf Distanz halten.
* **Grünes Trikot:** Mads Pedersen hat die Vorentscheidung in der Punktewertung herbeigeführt. Durch den Zwischensprint bei Kilometer 89,4 baute er seinen Vorsprung auf Jasper Philipsen auf 57 Punkte aus. Da die verbleibenden Etappen für den kletterfesten Dänen taktisch günstig liegen, gilt sein Sieg in dieser Wertung als so gut wie sicher.
* **Bergtrikot:** Richard Carapaz übernahm durch seinen dritten Platz das Gepunktete Trikot. Mit 91 Punkten führt er die Wertung knapp vor Pogacar an. Der bisherige Führende, Valentin Paret-Peintre, musste nach einem kräftezehrenden Tag abreißen lassen und geht nun als Dritter in die entscheidende Phase.
Ausblick auf die Königsetappe
Die Entscheidung in der Bergwertung sowie die finale Positionierung im Gesamtklassement werden bei der anstehenden Königsetappe am Samstag fallen. Über 170,9 Kilometer müssen die Fahrer 5.450 Höhenmeter bewältigen. Das Ziel liegt erneut in Alpe d’Huez, wobei das Peloton diesmal die anspruchsvolle Ostseite des Berges in Angriff nimmt. Angesichts von drei Bergwertungen der höchsten Kategorie bleibt der Kampf um das Bergtrikot bis zum Schluss offen, da noch maximal 70 Punkte vergeben werden.