Ein frischer Wind für ein klassisches Genre
Point-&-Click-Adventures gelten in der modernen Gaming-Landschaft oft als Relikte einer vergangenen Ära. Während Open-World-Blockbuster und filmreife Produktionen den Markt dominieren, wirkt das klassische Klicken und Kombinieren auf den ersten Blick fast schon anachronistisch. Doch „The Mermaid Mask“ beweist, dass das Genre noch immer eine Daseinsberechtigung hat – vorausgesetzt, man setzt auf eine exzellente Erzählweise und einen Humor, der sich vor keiner modernen Sitcom verstecken muss.
Ein Mordfall unter Wasser
Die Ausgangslage des Spiels ist so skurril wie einladend: Der Kapitän Mortuga ist tot – erstochen in einem hermetisch abgeriegelten Raum, direkt vor einem mysteriösen Kessel. Das Ermittler-Duo Grimoire und Sally begibt sich an Bord eines ebenso bizarren wie unheimlichen U-Boots, um den Vorfall aufzuklären. Dabei geht es nicht nur um den Mord, sondern auch um die Entschlüsselung des Geheimnisses hinter der namensgebenden „Mermaid Mask“.
Humor als treibende Kraft
Wer ein knallhartes Detektivspiel im Stile von Sherlock Holmes erwartet, könnte überrascht werden. Das Herzstück von „The Mermaid Mask“ sind die Dialoge. Die britischen Entwickler von SFB Games haben ein Ensemble an Charakteren geschaffen, das für ständige Überraschungen sorgt:
* Ein exzentrischer Schriftsteller auf der Suche nach Inspiration für seinen nächsten Roman.
* Eine Illusionistin, die an der Realität ihrer Umgebung zweifelt.
* Ein naiver Filmstar, der das gesamte Szenario für ein harmloses Abenteuer hält.
Die Gespräche zwischen den Ermittlern und diesen schrägen Verdächtigen sind das eigentliche Highlight. Sie sind schlagfertig, sarkastisch und oft so unterhaltsam, dass der eigentliche Kriminalfall zur Nebensache degradiert wird. Unterstützt wird dies durch eine gelungene englische Sprachausgabe, die durch deutsche Untertitel ergänzt wird.
Gameplay: Zwischen Tradition und Komfort
Spielerisch bleibt „The Mermaid Mask“ seinen Wurzeln treu. Das Detektiv-Gameplay besteht primär aus dem Untersuchen von Räumen, dem Sammeln von Beweisen und dem Lösen von Rätseln. Letztere bewegen sich in einem angenehmen Schwierigkeitsgrad: Sie fordern den Geist, ohne in Frust auszuarten. Wer dennoch feststeckt, kann auf eine Hilfefunktion zurückgreifen, die das Ermittler-Duo direkt anbietet.
Kritisch anzumerken ist jedoch, dass das Spiel in Sachen Interaktion stellenweise etwas eintönig wirken kann. Die Möglichkeit, jeden Charakter zu jedem Beweisstück zu befragen, kann in eine gewisse Monotonie führen, wenn man sich als Spieler nicht selbst diszipliniert. Hier ist eine gewisse Neugier gefragt, statt sturem Abarbeiten von Dialogoptionen.
Ein audiovisuelles Erlebnis
Die grafische Gestaltung überzeugt durch charmante Cartoon-Animationen. Ein besonderes Detail ist die Darstellung der Beweise als drehbare 3D-Objekte, was die Immersion in die Spielwelt verstärkt. Das Spiel ist kein komplexer Simulator für Kriminalistik, sondern ein achtstündiger Fantasy-Trip, der vor allem durch seine liebenswürdigen Figuren und die unvorhersehbare Geschichte besticht.
Verfügbarkeit
„The Mermaid Mask“ ist seit dem 16. Juli für Windows, PlayStation 5 sowie Nintendo Switch erhältlich. Mit einem Preis von 19,99 Euro richtet es sich an Spieler, die Wert auf eine gut geschriebene Geschichte und entspannte Rätselabende legen, statt auf hochkomplexe Spielmechaniken zu setzen.