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Studie: Wie viel CEOs in Deutschland verdienen
Schlagzeilen · 13.08.2026 10:35

Studie: Wie viel CEOs in Deutschland verdienen

Kurz: Die neue Vorstandsvergütungsstudie der DSW und TU München zeigt steigende Gehälter für Dax-CEOs und beleuchtet die komplexe Struktur hinter den Millionen-Summen

Die aktuelle Bilanz der Dax-Vorstandsgehälter

Die alljährliche Vorstandsvergütungsstudie, die gemeinsam von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München (TU) erstellt wurde, liefert zum 13. August 2026 neue und detaillierte Einblicke in die Gehaltsstrukturen der deutschen Spitzenwirtschaft. Im Zentrum der Untersuchung stehen die Vorstände der 40 im Dax gelisteten Unternehmen. Die Daten verdeutlichen eine anhaltende Aufwärtsbewegung bei den Bezügen der Top-Manager. Während ein durchschnittliches Vorstandsmitglied im Jahr 2025 eine Vergütung von 3,909 Millionen Euro erhielt, was einem Anstieg von 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, stechen die Vorstandsvorsitzenden – die sogenannten CEOs – mit deutlich höheren Summen hervor. Diese erzielten im Durchschnitt 6,137 Millionen Euro. Die Studie wirft damit erneut die Frage auf, inwieweit diese zweistelligen Millionengehälter in der heutigen wirtschaftlichen Realität gerechtfertigt sind und welche Faktoren diese Vergütungsmodelle maßgeblich beeinflussen. Die DSW positioniert sich hierbei klar und hält eine Deckelung der Vorstandsgehälter bei zehn Millionen Euro für sinnvoll, um die gesellschaftliche Akzeptanz zu wahren.

Struktur und Zusammensetzung der Vergütung

Die Vergütung der Dax-Vorstände ist keineswegs ein einfacher Fixbetrag, sondern ein hochkomplexes Konstrukt, das sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt. Laut der DSW-Vorstandsvergütungsstudie 2026 entfielen im Geschäftsjahr 2025 lediglich 31,7 Prozent der gesamten Vergütung auf das fixe Gehalt. Der weitaus größere Anteil ist variabel gestaltet, um eine direkte Kopplung an die Unternehmensleistung zu suggerieren. Hierbei entfielen 26,1 Prozent auf kurzfristige variable Vergütungsbestandteile, während der Löwenanteil von 42,2 Prozent aus langfristigen variablen Vergütungskomponenten besteht. Diese Struktur soll sicherstellen, dass die Vorstände nicht nur kurzfristige Erfolge anstreben, sondern auch den langfristigen Wert des Unternehmens im Blick behalten. Marc Tüngler, der Hauptgeschäftsführer der DSW, betont jedoch, dass diese Systeme mittlerweile eine Komplexität erreicht haben, die selbst für professionelle Investoren kaum noch transparent nachvollziehbar ist. Wenn die Verbindung zwischen der tatsächlichen Leistung und der daraus resultierenden Vergütung für Außenstehende nicht mehr erkennbar ist, leidet die Akzeptanz des gesamten Systems massiv, so die Einschätzung der Experten.

Hintergründe der Gehaltsentwicklung

Die Entwicklung der Vorstandsgehälter ist eng mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der vergangenen Jahre verknüpft. Marc Tüngler führt die hohen Vergütungen insbesondere auf die gestiegenen Anforderungen an die Vorstandschefs in unsicheren Zeiten zurück. Die Führungskräfte stehen vor der Herausforderung, eine Vielzahl komplexer Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen: Sie müssen die Unternehmen digitalisieren, Geschäftsmodelle im Hinblick auf den Klimaschutz umgestalten und Lieferketten in einem zunehmend volatilen geopolitischen Umfeld absichern. In diesem Kontext wird argumentiert, dass eine hohe Vergütung angemessen sein kann, sofern sie fundiert begründbar ist. Ein prominentes Beispiel für eine solche Begründbarkeit liefert die Deutsche Bank. Das Institut erzielte im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis mit einem Gewinn vor Steuern von 9,7 Milliarden Euro. In der Folge verbesserten sich die Vergütungsansprüche des Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing leicht. Dennoch bleibt der kritische Punkt bestehen: Sobald Leistung und Vergütung in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit oder der Aktionäre auseinanderfallen, verliert das Vergütungssystem seine Berechtigung und Akzeptanz, wie Tüngler eindringlich mahnt.

Die Rolle der Zielvorgaben

Ein zentraler Aspekt der Studie ist die Analyse der Zielerreichung. Da große Teile der Vergütung an das Erreichen vorher vereinbarter Ziele geknüpft sind, haben die Autoren der Studie untersucht, wie schwierig es für die Manager war, diese Ziele tatsächlich zu erfüllen. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Von den 40 Dax-Unternehmen konnten 27 Unternehmen ihre Ziele zu mehr als 100 Prozent erreichen. Prof. Jürgen Ernstberger vom Lehrstuhl für Financial Accounting an der TU München ordnet diesen Befund ein. Es stellt sich die Frage, ob die Ziele zu konservativ, also zu niedrig, angesetzt wurden, oder ob das Jahr 2025 schlichtweg außergewöhnlich erfolgreich war. Ernstberger tendiert zu letzterer Einschätzung. Er verweist auf die starke Performance des Deutschen Aktienindex, der im vergangenen Jahr um mehr als 23 Prozent zulegen konnte. Vor diesem Hintergrund erscheinen die hohen Vergütungen für den Wissenschaftler verhältnismäßig, da der Erfolg der Unternehmen mit der allgemeinen Marktentwicklung korrespondiert. Dennoch bleibt die Kritik bestehen, dass ein System, in dem zwei Drittel der Unternehmen ihre Ziele übertreffen, einer kritischen Überprüfung bedarf.

Die Geschlechterkluft bei den Bezügen

Neben der allgemeinen Gehaltsentwicklung offenbart die Studie eine deutliche Diskrepanz zwischen männlichen und weiblichen Vorständen. Die Daten für das Jahr 2025 zeigen, dass männliche Vorstandsmitglieder durchschnittlich 17,9 Prozent mehr verdienten als ihre weiblichen Kolleginnen. Die Autoren der Studie führen diesen Unterschied unter anderem auf eine strukturelle Diskrepanz bei der Besetzung der Funktionen zurück. Es ist ein Faktum, dass nur vier der 40 Dax-Vorstandsvorsitzenden Frauen sind. Diese Unterrepräsentanz in den höchsten Führungspositionen wirkt sich direkt auf die statistische Durchschnittsvergütung aus. Während die Debatte über den Gender-Pay-Gap in vielen gesellschaftlichen Bereichen geführt wird, zeigt sich in den Dax-Etagen eine besonders ausgeprägte Form dieser Lücke. Die geringe Anzahl an Frauen an der Spitze der größten deutschen börsennotierten Unternehmen bleibt somit ein wesentlicher Faktor, der die Gehaltsstatistik maßgeblich verzerrt und die Debatte um Chancengleichheit in Führungspositionen befeuert.

Künstliche Intelligenz als vernachlässigter Faktor

Ein überraschendes Ergebnis der aktuellen Studie betrifft die Integration von Zukunftsthemen in die Vergütungsmodelle. Während Nachhaltigkeitsziele in den vergangenen Jahren immer stärker in die Vergütungspläne der Top-Manager integriert wurden, spielt die Künstliche Intelligenz (KI) bisher kaum eine Rolle. Die Studie zeigt auf, dass nur sechs von 40 Dax-Unternehmen KI-bezogene Ziele in ihrer kurzfristigen variablen Vergütung berücksichtigt haben. Bei den langfristigen Vergütungskomponenten ist es sogar nur ein einziges Unternehmen, die Commerzbank, das entsprechende Anreize gesetzt hat. Für die Studienautoren ist dies ein überraschender Befund, da die digitale Transformation und der Einsatz von KI als entscheidende Wettbewerbsfaktoren für die Zukunft der deutschen Wirtschaft gelten. Dass diese strategischen Ziele bisher kaum Eingang in die Vergütungsstrukturen der Vorstände gefunden haben, deutet darauf hin, dass die Anreizsysteme in vielen Konzernen noch nicht vollständig auf die technologischen Herausforderungen der kommenden Jahre ausgerichtet sind.

Offene Fragen und ungeklärte Aspekte

Obwohl die Studie eine Fülle an Daten liefert, bleiben einige Fragen im Raum stehen. Der Quelltext beantwortet beispielsweise nicht, wie genau die "konservative Kalibrierung" der Ziele in den einzelnen Unternehmen im Detail abläuft. Zwar gibt es die Einschätzung von Prof. Ernstberger, dass das Jahr 2025 ein gutes Jahr war, doch ob in Einzelfällen die Ziele bewusst niedrig angesetzt wurden, um Boni leichter zu erreichen, lässt sich aus den aggregierten Daten nicht zweifelsfrei ableiten. Ebenso bleibt offen, welche konkreten Maßnahmen die Unternehmen planen, um die Geschlechterkluft bei den Vorstandsgehältern langfristig zu schließen, abgesehen von einer Erhöhung des Frauenanteils in den Vorständen. Auch die Frage, ob die von der DSW geforderte Deckelung von zehn Millionen Euro jemals politisch oder unternehmerisch umgesetzt wird, bleibt unbeantwortet. Der Bericht liefert eine Momentaufnahme der Vergütungssituation, lässt aber die zukünftige regulatorische Entwicklung völlig offen. Es ist nicht ersichtlich, ob die Dax-Konzerne auf die Kritik der DSW reagieren werden oder ob die Vergütungsmodelle in ihrer jetzigen Form beibehalten werden.

Ausblick auf die weitere Entwicklung

Die Debatte um die Vorstandsvergütung wird auch in Zukunft ein zentrales Thema für Aktionäre und die Öffentlichkeit bleiben. Da die Studie jährlich erscheint, ist davon auszugehen, dass die DSW und die TU München auch im kommenden Jahr die Entwicklungen genau beobachten werden. Die im Text genannten Herausforderungen – von der geopolitischen Absicherung der Lieferketten bis hin zur digitalen Transformation – werden die Anforderungen an die Vorstände weiter prägen. Ob die Unternehmen ihre Vergütungssysteme im Hinblick auf die KI-Integration anpassen oder ob der Druck zur Deckelung der Gehälter weiter zunimmt, bleibt abzuwarten. Die nächste Tarifrunde und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung des Dax werden maßgeblich beeinflussen, wie sich die Vergütungsstrukturen im Jahr 2026 und darüber hinaus gestalten werden. Aktuell gibt es keine konkreten Termine für eine Reform der Vergütungsrichtlinien, doch der öffentliche Diskurs, angeführt durch Organisationen wie die DSW, sorgt dafür, dass das Thema auf der Agenda der Unternehmen bleibt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-liest-zeitung-in-eleganter-bibliothek-32787295/ · Foto: Patricia Bozan
Quelle: https://www.zdfheute.de/wirtschaft/ceo-gehalt-dax-vorstand-gehalt-studie-100.html