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Studie weist Auswirkungen von Social-Media-Nutzung auf Schulleistungen nach
Technik · 03.08.2026 19:23

Studie weist Auswirkungen von Social-Media-Nutzung auf Schulleistungen nach

Kurz: Eine neue Längsschnittstudie belegt: Wer früh eigene Social-Media-Accounts nutzt, zeigt messbare Einbußen bei Schulleistungen in Mathe und der Muttersprache.

Früher Zugang zu sozialen Netzwerken als Leistungsbremse

Die Debatte um den Einfluss digitaler Medien auf Kinder und Jugendliche hat durch eine aktuelle Längsschnittstudie, veröffentlicht in *Nature Human Behaviour*, eine neue wissenschaftliche Grundlage erhalten. Forscher der Universitäten Milano-Bicocca und Brescia haben nachgewiesen, dass die Erstellung eigener Profile auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat in jungen Jahren mit dauerhaften Leistungseinbußen in der Schule korreliert.

Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, die oft methodische Schwächen aufwiesen, analysierte das Team um den Soziologen Marco Gui die Bildungshistorie von über 5.000 Schülern in Norditalien über mehrere Jahre hinweg. Dabei wurden anonymisierte Testergebnisse aus verschiedenen Klassenstufen mit den digitalen Gewohnheiten der Jugendlichen verknüpft.

Signifikante Rückstände in Kernfächern

Die Auswertung der Daten zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen dem Alter beim Einstieg in soziale Netzwerke und der kognitiven Entwicklung. Schüler, die bereits in der sechsten Klasse (etwa mit 11 Jahren) eigene Accounts nutzten, schnitten in der achten und zehnten Klasse in den Kernfächern Mathematik und Italienisch signifikant schlechter ab als jene, die erst ab der neunten Klasse (ca. 14 Jahre) aktiv wurden.

Die festgestellten Leistungseinbußen sind dabei nicht zu vernachlässigen: Die Differenz entspricht in der empirischen Bildungsforschung etwa dem durchschnittlichen Lernfortschritt eines halben Schuljahres. Besonders kritisch bewerten die Forscher, dass sich diese negativen Effekte mit zunehmender Nutzungsdauer nicht abschwächen, sondern in der zehnten Klasse teilweise sogar noch deutlicher hervortraten.

Eine interessante Ausnahme bildet das Fach Englisch. Hier konnten die Wissenschaftler keine negativen Auswirkungen feststellen. Sie führen dies darauf zurück, dass die informelle Konfrontation mit englischsprachigen Inhalten auf den Plattformen die kognitiven Nachteile durch Ablenkung teilweise kompensieren kann.

Die Rolle der ständigen Erreichbarkeit

Ein wesentlicher Faktor für die schlechteren Ergebnisse ist die Art und Weise, wie das Smartphone den Alltag durchdringt. Laut den Modellrechnungen der Studie sind 15 bis 47 Prozent des negativen Effekts direkt auf die Nutzung des Mobiltelefons in kritischen Phasen zurückzuführen. Wenn das Gerät während der Hausaufgaben, direkt nach dem Aufwachen oder kurz vor dem Einschlafen präsent ist, führt dies zu einer ständigen kognitiven Überlastung.

Dieses Phänomen des Multitaskings stört die Konzentrationsfähigkeit und beeinträchtigt die für Lernprozesse essenzielle, tiefere Informationsverarbeitung. Die ständige Ablenkung durch Benachrichtigungen und Inhalte verhindert eine fokussierte Auseinandersetzung mit schulischen Inhalten.

Politische Empfehlungen und Handlungsbedarf

Die Studienautoren nehmen auch Stellung zur Diskussion um gesetzliche Altersgrenzen. Sie betonen, dass bisherige Vorgaben, wie das in der DSGVO verankerte Richtalter für eine autonome Plattformnutzung, in der Praxis kaum Wirkung zeigen. Die Forscher empfehlen daher, den Zugang zu sozialen Netzwerken politisch und regulatorisch so lange wie möglich hinauszuzögern.

Die Argumentation stützt sich darauf, dass Jugendliche erst über eine ausreichende kognitive Reife verfügen müssen, um den Sucht- und Ablenkungsmechanismen der Algorithmen zu begegnen. Für die nächsten Schritte schlagen die Wissenschaftler einen mehrstufigen Ansatz vor:

* **Regulierung der Algorithmen:** Politische Maßnahmen sollten gezielt die auf maximale Aufmerksamkeitsbindung ausgelegten Mechanismen der Plattformen einschränken.

* **Stärkung der Aufsicht:** Eltern und Lehrkräfte benötigen mehr Unterstützung bei der Etablierung sinnvoller Regeln für den digitalen Alltag.

* **Durchsetzung von Altersgrenzen:** Neben der bloßen Festlegung von Mindestaltern muss die praktische Einhaltung dieser Vorgaben in den Fokus rücken.

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, den digitalen Konsum von Minderjährigen nicht nur als individuelles Erziehungsthema, sondern als gesellschaftliche Herausforderung zu betrachten, die eine stärkere regulatorische Einordnung erfordert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fashion-mode-freunde-schule-6217826/ · Foto: cottonbro studio
Quelle: https://www.heise.de/news/Social-Media-Nutzung-Fruehe-eigene-Accounts-druecken-Schulleistungen-11395830.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag