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Studie mit 5.000 Jugendlichen: Ab diesem Alter schadet Social Media den Schulnoten nicht mehr
Technik · 08.08.2026 17:10

Studie mit 5.000 Jugendlichen: Ab diesem Alter schadet Social Media den Schulnoten nicht mehr

Kurz: Eine neue Studie mit 5.000 Jugendlichen zeigt: Ein früher Start auf Social Media kann die Schulnoten negativ beeinflussen. Ab wann es unbedenklicher wird.

Früher Einstieg in soziale Netzwerke und schulische Leistungen

Die Sorge vieler Eltern, dass die intensive Nutzung von Plattformen wie TikTok oder Instagram die schulische Entwicklung ihrer Kinder beeinträchtigen könnte, erhält durch eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung neue Nahrung. Ein Forschungsteam um Marco Gui von der University of Milano-Bicocca hat das Nutzungsverhalten von mehr als 5.000 Schülerinnen und Schülern analysiert, um den Zusammenhang zwischen dem Alter beim ersten Social-Media-Account und den akademischen Ergebnissen zu beleuchten.

Die im Fachblatt *Nature Human Behaviour* veröffentlichte Studie untersuchte dabei zwei Gruppen: Jugendliche, die bereits vor der neunten Klasse ein Konto eröffneten, und solche, die damit bis zur neunten Klasse – also bis zum Alter von etwa 14 oder 15 Jahren – warteten. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in den Leistungstests der Fächer Mathematik, Italienisch und Englisch.

Leistungsgefälle und Wiederholungsraten

Den Daten zufolge schnitten Jugendliche, die bereits in der sechsten, siebten oder achten Klasse auf sozialen Medien aktiv waren, in den Tests im Durchschnitt schlechter ab als ihre Altersgenossen, die den Einstieg hinauszögerten. Zudem wiesen die frühen Nutzer eine höhere Wahrscheinlichkeit auf, eine Klasse wiederholen zu müssen. Laut Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg, ist der Leistungsunterschied zwischen den beiden Gruppen in der achten oder zehnten Klasse signifikant und entspricht in etwa einem halben Schuljahr. Zierer bewertet dieses Ergebnis als dramatisch und sieht eine Übertragbarkeit der Resultate auf andere westliche Länder, darunter Deutschland, als gegeben an.

Eine interessante Ausnahme bildet das Fach Englisch. Hier zeigten sich bei den frühen Social-Media-Nutzern keine Leistungseinbußen. Die Studienautoren vermuten, dass die allgegenwärtige Präsenz englischsprachiger Inhalte auf den Plattformen einen informellen Lerneffekt bewirkt, der den Schülern zugutekommt.

Ursachenforschung: Ablenkung und kognitive Belastung

Obwohl die Studie selbst keine direkten Ursachen für die gemessenen Effekte untersuchte, ordnen die Autoren die Ergebnisse in den Kontext bestehender Forschung ein. Als plausibel gelten drei Hauptfaktoren:

* **Ablenkung:** Die ständige Verfügbarkeit von Inhalten stört den Lernprozess nachhaltig.

* **Zeitmanagement:** Die Zeit, die in sozialen Netzwerken verbracht wird, fehlt für die schulische Vorbereitung.

* **Kognitive Überlastung:** Die Fülle an Informationen könnte die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses übersteigen.

Christian Montag, Professor für Kognitions- und Neurowissenschaften, ergänzt, dass insbesondere die permanenten Benachrichtigungen am Smartphone die Konzentrationsphasen massiv verkürzen. Die Forschenden betonten zudem, dass sie bei ihrer Analyse sozioökonomische Faktoren wie das Bildungsniveau der Eltern oder den finanziellen Hintergrund der Familien bereits herausgerechnet haben, um einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Mediennutzung und den Noten zu isolieren.

Politische Debatte um Altersgrenzen

Die Ergebnisse der Studie fallen in eine Zeit, in der weltweit über gesetzliche Regulierungen für den Zugang zu sozialen Medien diskutiert wird. Frankreich plant als erstes EU-Land ein Verbot für Minderjährige unter 15 Jahren. Auch Deutschland, Österreich, Spanien und Griechenland prüfen ähnliche Maßnahmen. Im Fokus der politischen Diskussion stehen dabei nicht nur die schulischen Leistungen, sondern auch die psychische Gesundheit, das Suchtpotenzial, die Schlafqualität und die allgemeine Lebenszufriedenheit.

Alternativen zum Verbot: Medienkompetenz fördern

Nicht alle Experten sehen in staatlichen Verboten den alleinigen Lösungsweg. María Paz Prendes Espinosa, Professorin für Bildungstechnologie an der University of Murcia, gibt zu bedenken, dass ein bloßes Verbot die tiefgreifende Integration digitaler Medien in den Alltag nicht rückgängig machen könne. Stattdessen plädiert sie für einen bildungspolitischen Ansatz: Junge Menschen müssten gezielt geschult und angeleitet werden, um einen souveränen und kompetenten Umgang mit der Technologie zu erlernen. Die Debatte darüber, ob restriktive Maßnahmen oder eine stärkere Förderung der Medienkompetenz der effektivere Weg sind, dürfte die Bildungspolitik in den kommenden Jahren weiter beschäftigen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-freunde-sitzung-sitzen-8199215/ · Foto: Yan Krukau
Quelle: https://t3n.de/news/studie-5000-jugendliche-tiktok-instagram-1756078/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed