Ein neues Kapitel im Multiversum
Das Konzept des Multiversums ist in der modernen Popkultur allgegenwärtig. Basierend auf der physikalischen Viele-Welten-Theorie, die unendlich viele parallele Realitäten postuliert, hat nun auch Serienproduzent Chuck Lorre diesen Ansatz gewählt, um das Erbe von „The Big Bang Theory“ fortzuführen. Nach „Young Sheldon“ und „Georgie & Mandy“ erscheint mit „Stuart Fails to Save the Universe“ ein weiterer Ableger, der jedoch einen gänzlich anderen Weg einschlägt als seine Vorgänger.
Während die Mutterserie über 279 Folgen hinweg den Alltag einer Nerd-WG in Pasadena beleuchtete, verlässt die neue Produktion das vertraute Wohnzimmer. Lorre, der über Jahrzehnte hinweg für seine klassischen Sitcoms bekannt war, wagt sich mit diesem Projekt in das Genre der Science-Fiction-Action-Comedy.
Stuart Bloom im Zentrum der Apokalypse
Die Wahl des Protagonisten ist bemerkenswert: Stuart Bloom, der Inhaber des Comicbuchladens, übernimmt die Hauptrolle. In der Originalserie als schüchterne, aber beliebte Nebenfigur etabliert, findet sich Stuart nun in einer postapokalyptischen Version von Pasadena wieder. Die Welt ist geprägt von Gefahren wie mutierten Riesenmotten und Zombiehänden, während Konserven als Währung dienen.
Die Handlung setzt ein, als eine alternative Version von Stuart erscheint und ihn dazu drängt, die Apokalypse ungeschehen zu machen. Ursache für das Chaos soll ein „Quantenverschränkungsding“ sein, das einst von den ursprünglichen Hauptfiguren Leonard, Sheldon und Howard konstruiert wurde. Stuart begibt sich daraufhin widerwillig auf eine Reise durch verschiedene Dimensionen.
Ein bekanntes Ensemble in neuer Umgebung
Begleitet wird Stuart auf seiner Mission von drei weiteren bekannten Gesichtern aus dem „Big Bang“-Kosmos:
* **Bert Kibbler:** Der gutmütige Geologe.
* **Denise:** Stuarts Ex-Freundin.
* **Barry Kripke:** Der schmierige Quantenphysiker.
Die Dynamik zwischen diesen Charakteren bildet das Herzstück der Serie. Besonders Kevin Sussman überzeugt erneut in seiner Rolle als resignierter, aber liebenswerter Comicverkäufer, der selbst in einer dystopischen Umgebung an seinem Geschäft festhält.
Zwischen Sitcom-Humor und Science-Fiction-Anspruch
Die Serie setzt stark auf eine alberne Grundstimmung. Die Charaktere begegnen den lebensbedrohlichen Situationen oft mit einer überzogenen Gemütsruhe oder typischen Sitcom-Gags. Laut Berichten führt dies zu einer gewissen inhaltlichen Diskrepanz: Während die visuelle Gestaltung der Parallelwelten liebevoll umgesetzt ist, bleibt die Erzählung oft an der Oberfläche.
Im Vergleich zu Werken wie „Everything Everywhere All at Once“ oder „Rick and Morty“, die das Multiversum für existenzielle Fragen nutzen, dient das Konzept hier primär als Kulisse für eine überdrehte Handlung. Die für Lorres frühere Arbeiten typische emotionale Tiefe und die Verletzlichkeit der Figuren werden hier häufig von der ironischen Grundhaltung überlagert. Dennoch bietet die Serie für Fans der Originalserie zahlreiche versteckte Referenzen und ein unterhaltsames Wiedersehen mit bekannten Charakteren.
Einordnung und Ausblick
Obwohl die Serie als leichtfüßiger Nerdklamauk funktioniert, stellt sich die Frage nach dem langfristigen Kultpotenzial. Laut Aussagen von Darsteller John Ross Bowie sei die Serie zwar etwas, das die ursprünglichen Charaktere wie Sheldon und Leonard gerne schauen würden, doch für den Status als Science-Fiction-Klassiker fehlen der Produktion tiefgreifendere inhaltliche Impulse. „Stuart Fails to Save the Universe“ ist seit diesem Freitag bei HBO Max verfügbar und markiert einen experimentellen, wenn auch inhaltlich zwiespältigen Versuch, das Franchise in neue Richtungen zu lenken.