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Schwimmbad in Mitte: Ein 300.000-Euro-Planschbecken für die Berliner Volksbühne
Kultur · 07.08.2026 15:51

Schwimmbad in Mitte: Ein 300.000-Euro-Planschbecken für die Berliner Volksbühne

Kurz: Die Berliner Volksbühne sorgt mit einem 300.000 Euro teuren temporären Schwimmbecken vor ihrer Fassade für Aufsehen. Ein Marketingcoup oder eine Fehlplanung?

Ein neues Wahrzeichen auf dem Rosa-Luxemburg-Platz

Inmitten der Berliner Sommerhitze hat die Volksbühne ihre Funktion als reines Theaterhaus temporär erweitert. Intendant Matthias Lilienthal präsentierte ein 25 Meter langes Schwimmbecken, das direkt vor der historischen Fassade des Gebäudes errichtet wurde. Die Installation, die von August bis Oktober betrieben wird, hat eine lebhafte Debatte über die Rolle kultureller Institutionen im öffentlichen Raum entfacht.

Die Aktion ist Teil eines breiteren Wandels, bei dem Theater und Museen zunehmend nach neuen Daseinsberechtigungen suchen, wenn das klassische Programm an Zugkraft verliert. Das Konzept des „Dual Use“ – die doppelte Nutzung von Räumen für kulturelle und soziale Zwecke – gewinnt hierbei an Bedeutung. Während andere Einrichtungen auf Formate wie Nackt-Führungen oder offene Werkstätten setzen, hat man sich in Mitte für das Element Wasser entschieden.

Kosten und Sicherheitsaspekte

Das Projekt ist mit einem Budget von 300.000 Euro aus Steuermitteln finanziert. Ein Großteil dieser Summe entfällt nicht nur auf den technischen Aufbau, der mit 90.000 Euro zu Buche schlägt, sondern vor allem auf den laufenden Betrieb. Besonders die Sicherheit stellt einen signifikanten Kostenfaktor dar: Ein Security-Team ist rund um die Uhr im Einsatz, um das Becken vor unbefugtem Zutritt, insbesondere in den Nachtstunden, zu schützen.

Die Tiefe des Beckens ist aufgrund von Denkmalschutzvorgaben auf 1,30 Meter begrenzt. Dies macht das Schwimmbad eher zu einer Fläche für eine Abkühlung als zu einem Ort für sportliches Schwimmtraining, auch wenn das Haus offiziell Kraul-Kurse bewirbt. Die Aufsicht durch Rettungsschwimmerinnen ist dabei ein fester Bestandteil des Sicherheitskonzepts.

Zugang und gesellschaftlicher Anspruch

Der Zugang zum „Volksbad“ ist zwar kostenfrei, jedoch an eine bürokratische Hürde geknüpft. Interessierte müssen über eine Online-Plattform einen Zeitslot buchen. Da die Nachfrage das Angebot übersteigt, gleicht der Buchungsvorgang einem Wettbewerb um die schnellsten Klicks. Dies wirft Fragen zur tatsächlichen Zugänglichkeit auf, insbesondere im Hinblick auf den von Lilienthal formulierten Anspruch, an die Tradition der Volksbühne als Institution der Arbeiterbewegung anzuknüpfen.

Die Intendanz betont, dass die Aktion soziale Performance und Kunst miteinander verbinden soll. Kritiker sehen darin jedoch eine Abkehr von klassischen Inhalten zugunsten einer reinen Marketingstrategie. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass die Volksbühne durch das Projekt eine hohe mediale Aufmerksamkeit erzielt hat und das Theater wieder verstärkt in den öffentlichen Diskurs gerückt ist.

Kontext und zukünftige Entwicklung

Die Installation fügt sich in eine Reihe von Maßnahmen des Berliner Senats ein, die darauf abzielen, die Bevölkerung vor den Folgen extremer Sommerhitze zu schützen. Öffentliche Orte, die zur Kühlung beitragen, gewinnen in der Stadtplanung an Relevanz. Ob das Schwimmbad an der Volksbühne als Modell für zukünftige kulturelle Interventionen dienen kann, bleibt abzuwarten.

Der Erfolg des Projekts wird derzeit vor allem an der Resonanz der Besucher gemessen, die das Becken nutzen, um die Architektur der Volksbühne aus einer völlig neuen Perspektive zu erleben. Während die Debatte über Sinn und Unsinn der hohen Investitionen anhält, bietet das Becken für die Nutzer eine pragmatische Erfrischung im urbanen Raum. Die langfristigen Folgen für das Profil des Hauses und die Akzeptanz solcher „Dritten Orte“ werden die kommenden Spielzeiten zeigen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/berliner-architektur-entlang-der-spree-35098055/ · Foto: Osviel Rodriguez Valdés
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/musik-und-buehne/theater/volksbuehne-berlin-baut-300-000-euro-planschbecken-201105877.html