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Schnellster Stern der Milchstraße entdeckt: Was das für die Erforschung Schwarzer Löcher bedeutet
Technik · 20.08.2026 17:00

Schnellster Stern der Milchstraße entdeckt: Was das für die Erforschung Schwarzer Löcher bedeutet

Kurz: Astronomen haben mit S301 den schnellsten Stern der Milchstraße entdeckt. Er umkreist das zentrale Schwarze Loch und könnte Einsteins Theorien bestätigen.

Ein neuer Rekordhalter in unserer Galaxie

Die astronomische Forschung hat einen spektakulären neuen Meilenstein erreicht: Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat den schnellsten jemals beobachteten Stern innerhalb der Milchstraße identifiziert. Das Objekt, welches die Bezeichnung S301 trägt, vollführt seine Bahnen in unmittelbarer Nähe des supermassereichen Schwarzen Lochs, das sich im Herzen unserer Galaxie befindet. Die gemessenen Geschwindigkeiten sind dabei so gewaltig, dass sie das menschliche Vorstellungsvermögen sprengen. Mit etwa 25.000 Kilometern pro Sekunde rast S301 durch das All, was rund acht Prozent der Lichtgeschwindigkeit entspricht. Zum Vergleich: Ein herkömmliches Verkehrsflugzeug müsste etwa 100.000 Mal schneller fliegen, um eine vergleichbare Geschwindigkeit zu erreichen. Diese Entdeckung, deren Ergebnisse nun im renommierten Fachmagazin Nature publiziert wurden, markiert einen bedeutenden Fortschritt in der Astrophysik. Der Stern S301 übertrifft in seiner Dynamik alle bisher bekannten stellaren Objekte in diesem Bereich der Galaxie und bietet den Forschenden damit eine einzigartige Gelegenheit, die extremen physikalischen Bedingungen in der direkten Umgebung eines Schwarzen Lochs zu untersuchen. Die Entdeckung unterstreicht einmal mehr die Leistungsfähigkeit moderner astronomischer Beobachtungsinstrumente, die es erlauben, solch schnelle und weit entfernte Prozesse mit einer bisher nicht gekannten Präzision zu erfassen und zu analysieren.

Technische Details und die Rolle der Instrumente

Um den extrem schnellen Stern S301 überhaupt aufspüren und seine Bahnparameter präzise vermessen zu können, war modernste Technik erforderlich. Das Forschungsteam nutzte hierfür das Very Large Telescope Interferometer (VLTI) der Europäischen Südsternwarte (ESO), das sich am Paranal-Observatorium in Chile befindet. Ein entscheidender Faktor für den Erfolg war dabei das Instrument Gravity, das im Zuge eines umfangreichen Infrastruktur-Upgrades nun als Gravity+ betrieben wird. Die besondere Stärke des VLTI liegt in der sogenannten Interferometrie: Es ist in der Lage, das Licht von vier einzelnen 8-Meter-Teleskopen zu kombinieren. Durch dieses Verfahren entsteht ein virtuelles Teleskop, das eine räumliche Auflösung erreicht, die etwa 15 Mal höher ist als die eines einzelnen 8-Meter-Spiegels. Frank Eisenhauer, der wissenschaftliche Leiter von Gravity+ und Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE), betonte in diesem Zusammenhang, dass der Standort Paranal weltweit einzigartig sei. Nur durch diese spezifische Kombination aus hochsensibler Instrumentierung und der massiven Lichtbündelung sei es möglich, solche Beobachtungen durchzuführen. Die Daten, die durch Gravity+ gewonnen wurden, erlaubten es den Astronomen, die exzentrische und extrem enge Umlaufbahn des Sterns mit einer Genauigkeit zu kartieren, die bisher als unerreichbar galt.

Die Dynamik von S301 und Sagittarius A*

Der Stern S301 zeichnet sich durch eine Umlaufbahn aus, die in der Astronomie als außergewöhnlich gilt. Er benötigt lediglich 8,7 Jahre, um das zentrale Schwarze Loch der Milchstraße, bekannt unter dem Namen Sagittarius A*, einmal vollständig zu umkreisen. Dabei nähert sich der Stern dem Schwarzen Loch bis auf das Zwölffache der Distanz zwischen Erde und Sonne an. Diese Nähe ist laut Felix Mang, einem Doktoranden am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching, absolut beispiellos. Die Bahn von S301 ist zudem stark exzentrisch, was bedeutet, dass der Stern auf seiner elliptischen Reise extremen Gravitationskräften ausgesetzt ist. Trotz dieser enormen Nähe zu Sagittarius A* besteht für den Stern jedoch keine unmittelbare Gefahr, den Ereignishorizont zu überschreiten. Der Ereignishorizont ist jene Grenze, ab der die Anziehungskraft so stark wird, dass selbst Licht nicht mehr entkommen kann. Mang stellt klar, dass Schwarze Löcher oft fälschlicherweise als kosmische Staubsauger wahrgenommen würden. Tatsächlich handele es sich um massereiche Objekte, die zwar eine enorme Gravitationswirkung ausüben, aber dennoch die physikalischen Gesetze der Umlaufbahnen respektieren. S301 bleibt stabil auf seiner Bahn, was ihn zum perfekten Beobachtungsobjekt für die Untersuchung der Raumzeitverzerrung macht.

Einsteins Relativitätstheorie auf dem Prüfstand

Die wissenschaftliche Bedeutung von S301 liegt vor allem in seinem Potenzial, die Allgemeine Relativitätstheorie von Albert Einstein einer strengen Prüfung zu unterziehen. Astronomen gehen davon aus, dass auch Sagittarius A* – wie viele andere Schwarze Löcher – um die eigene Achse rotiert. Gemäß Einsteins Berechnungen zieht ein solches rotierendes Schwarzes Loch die Raumzeit in seiner unmittelbaren Umgebung mit sich und verzerrt sie. Dieser Effekt, der als Frame-Dragging bekannt ist, wirkt sich direkt auf die Umlaufbahnen von Objekten aus, die dem Schwarzen Loch sehr nahe kommen. Je enger die Umlaufbahn, desto deutlicher sollte sich dieser Effekt bemerkbar machen. Da S301 Sagittarius A* extrem nahe kommt, bietet er die ideale Gelegenheit, diesen Spin direkt zu messen. Stefan Gillessen, ein leitender Wissenschaftler am MPE und Mitautor der Studie, bezeichnet dies als einen entscheidenden Test für die moderne Physik. Sollten die Beobachtungen mit den Vorhersagen der Relativitätstheorie übereinstimmen, wäre dies eine weitere Bestätigung für Einsteins Modell. Weichen die Daten hingegen ab, könnte dies den Weg für neue physikalische Erkenntnisse ebnen, die über das bisherige Verständnis der Gravitation und der Raumzeit hinausgehen.

Einordnung der Entdeckung durch die Fachwelt

Die Fachwelt reagiert mit großer Begeisterung auf die Entdeckung von S301. Ziri Younsi, ein Astrophysiker am University College London, der nicht direkt an der Studie beteiligt war, bezeichnet die Ergebnisse gegenüber dem Guardian als eine unglaublich wichtige Entdeckung. Er hebt hervor, dass die Geschwindigkeit von acht Prozent der Lichtgeschwindigkeit in der schnellsten Phase der Umlaufbahn schlichtweg beeindruckend sei. Die Nutzung einer solchen Umlaufbahn zur Bestimmung der Rotation eines Schwarzen Lochs wird von Experten als ein potenzieller Durchbruch für das Verständnis der Entwicklung der gesamten Milchstraße eingestuft. Einzuordnen ist das so: Die direkte Messung des Spins eines Schwarzen Lochs ist eine der größten Herausforderungen der modernen Astrophysik. Bisherige Methoden waren oft indirekt oder mit großen Unsicherheiten behaftet. Wenn S301 als eine Art „Sonde“ fungiert, die durch ihre Bewegung die Raumzeitverzerrung messbar macht, könnte dies die Art und Weise, wie wir die Entstehung und das Wachstum von Galaxien verstehen, grundlegend verändern. Die internationale Gemeinschaft blickt nun gespannt auf die weiteren Analysen, da die Daten von S301 das Potenzial haben, die Grundlagen der Gravitationsphysik in extremen Umgebungen neu zu definieren.

Offene Fragen und der Blick in die Zukunft

Obwohl die Entdeckung von S301 eine Fülle an neuen Daten liefert, bleiben einige Fragen vorerst unbeantwortet. Der Quelltext macht beispielsweise keine Angaben darüber, wie der Stern S301 ursprünglich in diese extrem enge Umlaufbahn gelangt ist oder ob er in dieser Region der Galaxie entstanden ist oder durch gravitative Wechselwirkungen eingefangen wurde. Auch die genaue Zusammensetzung des Sterns und seine langfristige Stabilität gegenüber den Gezeitenkräften des Schwarzen Lochs sind Themen, die in der aktuellen Berichterstattung nicht detailliert ausgeführt werden. Zudem bleibt offen, welche exakten technischen Herausforderungen bei der Auswertung der Daten in den kommenden Jahren noch zu bewältigen sind. Dennoch ist der Zeitplan klar definiert: Die Wissenschaftler hoffen, innerhalb der nächsten zehn Jahre den Spin von Sagittarius A* mithilfe dieses Sterns präzise messen zu können. Dieser Zeitraum ist notwendig, um genügend Datenpunkte entlang der 8,7-jährigen Umlaufbahn zu sammeln. Die astronomische Gemeinschaft wird die Entwicklung am Paranal-Observatorium genau verfolgen, da jedes weitere Jahr der Beobachtung die Genauigkeit der Berechnungen zur Rotation des Schwarzen Lochs und damit die Validierung der Relativitätstheorie signifikant verbessern wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/milchstrasse-31021507/ · Foto: Aarin Husain
Quelle: https://t3n.de/news/schnellster-stern-der-milchstrasse-entdeckt-was-das-fuer-die-erforschung-schwarzer-loecher-bedeutet-1759038/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed