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Sachsen-Anhalts Probleme mit der Bildung
Schlagzeilen · 02.09.2026 10:56

Sachsen-Anhalts Probleme mit der Bildung

Kurz: Sachsen-Anhalts Schulen kämpfen mit massivem Lehrermangel und Unterrichtsausfällen. Vor der Landtagswahl präsentieren die Parteien ihre Konzepte zur Rettung.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

In Sachsen-Anhalt hat sich die Bildungspolitik zu einem der zentralen Themen im Vorfeld der bevorstehenden Landtagswahl entwickelt. Das Bundesland steht vor einer massiven Herausforderung: Ein chronischer Lehrermangel führt dazu, dass der reguläre Unterricht an vielen Schulen nicht im geplanten Umfang stattfinden kann. Schülerinnen und Schüler sind von Unterrichtsausfällen betroffen, was insbesondere in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch zu erheblichen Wissenslücken führt. Die Situation ist so prekär, dass Schulleitungen gezwungen sind, den Stundenplan in bestimmten Fächern wie Ethik, Religion, Hauswirtschaft oder Technik dauerhaft zu kürzen, um den Betrieb in den Hauptfächern aufrechtzuerhalten. Die Landespolitik steht unter Druck, tragfähige Konzepte vorzulegen, um die Unterrichtsversorgung, die derzeit bei lediglich rund 91 Prozent liegt, nachhaltig zu verbessern. Die Parteien im Landtag sowie das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) haben ihre Wahlprogramme veröffentlicht, in denen sie grundlegend unterschiedliche Ansätze verfolgen, um dem Personalnotstand und den strukturellen Defiziten im Bildungssystem zu begegnen. Während einige Gruppierungen auf eine Stärkung des bestehenden gegliederten Systems setzen, fordern andere eine umfassende Strukturreform, die das gemeinsame Lernen in den Mittelpunkt stellt.

Die Einzelheiten der Krise

Die Auswirkungen des Lehrermangels sind in der Praxis deutlich spürbar. Solveig Lamontain, die seit über zehn Jahren die Sekundarschule "Karl Marx" in Gardelegen leitet, berichtet von einer langjährigen Belastungsprobe. In besonders schwierigen Phasen fiel rechnerisch mehr als jede vierte Schulstunde aus. Aktuell müssen wöchentlich etwa 50 Unterrichtsstunden ersatzlos gestrichen werden. Dies hat direkte Folgen für den Leistungsstand der Schülerschaft. Besonders in Mathematik, einem Kernfach, bleibt das notwendige Üben auf der Strecke. Da viele Eltern nicht in der Lage sind, den Stoff zu Hause zu vermitteln, und teure Nachhilfe für einen Großteil der Familien finanziell nicht erschwinglich ist, droht eine Verschlechterung der Noten. Lamontain betont, dass Schülerinnen und Schüler bei ausbleibender Förderung den Anschluss verlieren und Prüfungen, die landesweit einheitlich gestellt werden, kaum noch erfolgreich absolvieren können. Die Frustration ist sowohl bei den Lehrkräften als auch bei den Schülern groß, da die mangelnde Bildungsgerechtigkeit offensichtlich ist. Der Lehrermangel ist dabei kein lokales Phänomen, sondern betrifft Schulen im gesamten Bundesland Sachsen-Anhalt in unterschiedlicher Intensität.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die CDU trägt in Sachsen-Anhalt seit nunmehr zehn Jahren die Verantwortung für das Bildungsministerium. In diesem Zeitraum wurden bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um dem Lehrermangel entgegenzuwirken. Dazu zählten unter anderem die Anwerbung von Seiteneinsteigern, die Rekrutierung von Lehrkräften aus dem Ausland sowie die Einführung von Praxislerntagen, die den Stundenplan entlasten sollten. Zudem wurde ein duales Studium konzipiert, um die Ausbildung für angehende Pädagogen attraktiver zu gestalten, und Stipendien wurden vergeben, um Lehrkräfte gezielt an den ländlichen Raum zu binden. Trotz dieser Bemühungen bleibt die Situation angespannt. Die CDU hält an ihrem Ziel fest, das „klügste Bildungssystem in Deutschland“ zu etablieren, und plant, veraltete Lehrpläne zu überarbeiten und den Fokus auf moderne Schlüsselkompetenzen zu legen. Dennoch zeigt die aktuelle Unterrichtsversorgung von 91 Prozent, dass die bisherigen Strategien nicht ausgereicht haben, um die strukturellen Probleme vollständig zu lösen. Die Debatte über den richtigen Weg ist durch die bevorstehende Landtagswahl in eine neue, intensivere Phase getreten, in der die bisherige Bildungspolitik der Regierungskoalition kritisch hinterfragt wird.

Die Positionen der beteiligten Parteien

Die politischen Akteure präsentieren stark divergierende Konzepte. Die CDU setzt auf Kontinuität und will das gegliederte Schulsystem beibehalten, ergänzt durch eine verbindliche Sprachstandserhebung vor der Einschulung und eine engere Kooperation zwischen Grundschulen und Horten. Die AfD hingegen fordert eine radikale Abkehr von aktuellen Ansätzen: Sie will Schulen von Aufgaben wie Inklusion, Integration und Sozialarbeit befreien, eine Bildungspflicht einführen und den Zugang zum Abitur auf maximal 25 Prozent deckeln. Zudem sollen pensionierte Lehrer reaktiviert und Flüchtlingskinder in Sonderklassen unterrichtet werden. Die Linke strebt ein „modernes Bildungsland“ an, fordert die Abkehr vom mehrgliedrigen System und den Ausbau multiprofessioneller Teams. Die SPD betont die Chancengleichheit, will ebenfalls das System reformieren und setzt auf ein Landesschulbauprogramm sowie eine stärkere Sprachförderung. Die FDP möchte das Landesschulamt in eine Personalserviceagentur umwandeln und Schulleitungen mehr Autonomie bei der Personalentscheidung einräumen. Die Grünen fordern den Ausbau von Ganztagsschulen und ein generalisiertes Stufenlehramt. Das BSW fokussiert sich auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen durch eine Reduzierung der Unterrichtsstunden und eine Aufwertung der Schulsekretariate.

Einordnung der bildungspolitischen Debatte

Einzuordnen ist die aktuelle Debatte als ein Ringen um die Zukunftsfähigkeit des Landes. Den Berichten zufolge herrscht in einem Punkt weitgehende Einigkeit: Die Lehrkräfte müssen von administrativen und unterrichtsfremden Aufgaben entlastet werden. Während die etablierten Parteien und das BSW hierbei auf die Unterstützung durch Schulsozialarbeit, Verwaltungs- und Digitalassistenten setzen, verfolgt die AfD einen anderen Weg, indem sie den Fokus primär auf die Autorität und die reine Unterrichtstätigkeit legt. Die Oppositionsparteien Grüne und Linke gehen in ihren Forderungen weiter und verlangen einen grundlegenden Umbau der Lehramtsausbildung, weg von der schulformbezogenen hin zur stufenorientierten Qualifikation. Die FDP hingegen schlägt vor, den Zugang zum Lehramtsstudium auch für Fachabiturienten zu öffnen. Diese unterschiedlichen Ansätze verdeutlichen, dass die Parteien nicht nur über die kurzfristige Bewältigung des Lehrermangels streiten, sondern grundlegend verschiedene Philosophien darüber haben, wie Schule in Sachsen-Anhalt künftig organisiert und gestaltet werden sollte.

Offene Fragen zur Bildungssituation

Der vorliegende Quelltext lässt einige kritische Fragen unbeantwortet. So wird zwar das Ziel einer besseren Unterrichtsversorgung genannt, doch es fehlen konkrete Zeitpläne, bis wann eine hundertprozentige Versorgung erreicht werden soll. Ebenso bleibt unklar, wie die Finanzierung der zahlreichen neuen Stellen für Schulsozialarbeit, Verwaltungsassistenten oder IT-Unterstützung, die von fast allen Parteien gefordert werden, in einem angespannten Landeshaushalt langfristig gesichert werden kann. Auch die praktische Umsetzung der Forderung, pensionierte Lehrkräfte zu reaktivieren, wird nicht im Detail erläutert, insbesondere im Hinblick auf die rechtlichen und gesundheitlichen Rahmenbedingungen. Zudem bleibt offen, wie die verschiedenen Parteien die Akzeptanz für ihre teils kontroversen Strukturreformen – etwa die Abkehr vom mehrgliedrigen System oder die Deckelung des Abiturs – in der Bevölkerung und bei den betroffenen Lehrerkollegien gewinnen wollen. Die konkrete Ausgestaltung der „Sonderklassen“ für Flüchtlingskinder, wie von der AfD gefordert, wird ebenfalls nicht näher spezifiziert, was Fragen zur Vereinbarkeit mit geltendem Recht aufwirft.

Wie es weitergeht

Die kommenden Wochen bis zur Landtagswahl werden entscheidend dafür sein, welche bildungspolitischen Schwerpunkte eine neue Regierung setzen wird. Die Parteien befinden sich in einem intensiven Wahlkampf, in dem sie ihre Konzepte zur Entlastung der Lehrkräfte und zur Verbesserung der Bildungsqualität bewerben. Nach der Wahl wird es darauf ankommen, wie die Koalitionsverhandlungen verlaufen und ob sich die Parteien auf einen gemeinsamen Kurs verständigen können. Unabhängig davon wünscht sich die Schulleiterin Solveig Lamontain aus Gardelegen mehr Handlungsspielräume, um eigenständig auf die Suche nach neuem Personal gehen zu können. Die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen, wie etwa das Landesschulbauprogramm der SPD oder die Umgestaltung des Landesschulamtes durch die FDP, wird von den parlamentarischen Mehrheitsverhältnissen nach dem Wahltag abhängen. Es steht zu erwarten, dass die Bildungspolitik auch nach der Wahl das beherrschende Thema bleiben wird, da die strukturellen Probleme nicht kurzfristig durch einzelne Maßnahmen, sondern nur durch eine langfristige Strategie zu bewältigen sind.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadt-himmel-menschen-wolken-27911668/ · Foto: Anh Nguyen
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/sachsen-anhalt-wahl-2026-bildung-schule-afd-inklusion-cdu-wahlprogramm-100.html