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Russland und Ukraine: Droht die Rückkehr der Getreidekrise?
Politik · 24.07.2026 14:33

Russland und Ukraine: Droht die Rückkehr der Getreidekrise?

Kurz: Die Lage im Schwarzen Meer spitzt sich zu: Gegenseitige Angriffe auf Frachtschiffe bedrohen die ukrainischen Getreideexporte und die globale Versorgungssicherhe

Eskalation im Schwarzen Meer: Die maritime Front

Die Sicherheitslage für die zivile Frachtschifffahrt im Schwarzen Meer sowie im angrenzenden Asowschen Meer hat sich in den letzten Wochen dramatisch zugespitzt. Was als regionaler Konflikt begann, hat sich zu einem intensiven Seekrieg entwickelt, bei dem die Logistikrouten beider Kriegsparteien ins Visier geraten sind. Die Ukraine verfolgt dabei eine Strategie, die darauf abzielt, die russische Logistik – insbesondere die Versorgung der besetzten Krim – massiv zu stören.

Die ukrainische Strategie: Logistischer Druck auf die Krim

Unter dem Begriff eines "logistischen Lockdowns" hat die Ukraine ihre Drohnenangriffe auf russische Schiffe deutlich ausgeweitet. Im Fokus steht dabei die sogenannte Schattenflotte Russlands. Ukrainische Einheiten griffen nach eigenen Angaben in diesem Monat fast 200 Wasserfahrzeuge an. Dabei geht es nicht nur um Öltanker, die Treibstoff auf die Halbinsel Krim transportieren, sondern auch um Frachter, die Getreide aus den von Russland annektierten Gebieten abtransportieren. Der ehemalige Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow betonte, dass die Isolation der Krim durch die Zerschneidung der Versorgungswege ein zentrales Ziel dieser Operationen sei.

Russische Gegenmaßnahmen: Druck auf Odessa

Als Reaktion auf die ukrainischen Angriffe hat Russland die Attacken auf ukrainische Hafenanlagen, insbesondere in der Region Odessa, massiv verstärkt. Laut Oleh Kiper, dem Leiter der dortigen Militärverwaltung, verfolgt Moskau seit 2023 das Ziel, den sogenannten Getreidekorridor systematisch zu unterbrechen. Dieser Korridor ist für die Ukraine das maritime Tor zur Welt. Russland überwacht die Bewegungen der Schiffe kontinuierlich und beschießt gezielt Frachter, die versuchen, die Häfen zu verlassen oder anzulaufen.

Ein tragischer Vorfall verdeutlicht die Gefahr: Kürzlich kamen zehn Seeleute ums Leben, als der unter der Flagge Guinea-Bissaus fahrende Frachter "Golden Leo" von russischen Marschflugkörpern getroffen wurde. Solche Angriffe führen dazu, dass das Import- und Exportvolumen über die Häfen in der Region Odessa bereits spürbar zurückgegangen ist.

Auswirkungen auf die globale Getreideversorgung

Die Ukraine ist einer der weltweit wichtigsten Exporteure von Agrarprodukten. Etwa 90 Prozent der ukrainischen Ausfuhren werden normalerweise über die Seehäfen abgewickelt. Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte bereits vor einer weiteren Zuspitzung der Lage. Berichten zufolge ist das Risiko für Reedereien mittlerweile so hoch, dass kaum noch Schiffe die ukrainischen Häfen anlaufen. An manchen Tagen wurde der Schiffsverkehr sogar vollständig zum Erliegen gebracht.

Marktanalysten prognostizieren für die kommenden Monate einen deutlichen Rückgang der ukrainischen Getreideexporte. Diese Entwicklung könnte die globale Versorgungssicherheit erneut belasten, da die Ukraine eine Schlüsselrolle auf den Weltmärkten einnimmt.

Suche nach Alternativen

Angesichts der Blockade suchen Logistikunternehmen und Reedereien händeringend nach Ausweichmöglichkeiten. Der Logistikkonzern Maersk hat bereits begonnen, Schiffe in den rumänischen Hafen Constanța umzuleiten. Die Waren werden in diesem Fall auf dem Landweg dorthin transportiert. Zudem gewinnen kleinere Donauhäfen wieder an Bedeutung, um die Abhängigkeit von den blockierten Schwarzmeerhäfen zumindest teilweise zu verringern.

Die ukrainischen Behörden arbeiten unterdessen eng mit dem Militär zusammen, um die Schutzmaßnahmen für die verbliebenen Hafenkapazitäten zu verstärken. Ob diese Maßnahmen ausreichen werden, um den normalen Betrieb aufrechtzuerhalten, bleibt angesichts der Intensität der russischen Angriffe ungewiss. Die Situation bleibt hochdynamisch und stellt die internationale Gemeinschaft sowie die betroffenen Handelsrouten vor erhebliche Herausforderungen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/37564514/ · Foto: Nils Rotura
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/schwarzes-meer-angriffe-schiffe-100.html