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Ruhrtriennale: Es kann stampfen, trommeln oder singen, das heilige Monster
Kultur · 24.08.2026 20:08

Ruhrtriennale: Es kann stampfen, trommeln oder singen, das heilige Monster

Kurz: Die Tanz-Performance „RI TE“ von Marlene Monteiro Freitas und Israel Galván begeistert auf der Ruhrtriennale als ein Spiel mit Abständen und Gegensätzen.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Im Rahmen der diesjährigen Ruhrtriennale, die unter der künstlerischen Leitung von Ivo Van Hove steht, hat das Tanz-Duo Marlene Monteiro Freitas und Israel Galván mit der Performance „RI TE“ für Aufsehen gesorgt. Die Aufführung fand in der Zeche Zollverein in Essen statt, einem Ort, der durch das PACT-Zentrum als Experimentierhaus für internationales Theater etabliert ist. Die beiden international renommierten Künstler, die in Frankreich bereits beim Festival d’automne als „monstres sacrées“ – als heilige Bestien der Bühne – gefeiert wurden, präsentieren ein Werk, das sich bewusst mit der ästhetischen Distanz zwischen dem traditionellen Flamenco und zeitgenössischer Performancekunst auseinandersetzt. Die Aufführung ist kein glattes, auf Social-Media-Ästhetik getrimmtes Ereignis, sondern eine rohe, unmittelbare Auseinandersetzung zwischen zwei Körpern auf einer begrenzten Holzbühne. Das Publikum in Essen reagierte mit Begeisterung auf die Intensität, die durch das bewusste Spiel mit Nähe und Distanz, durch Rhythmus, Mimik und eine fast schon archaische Körperlichkeit erzeugt wurde. Die Performance markiert einen Höhepunkt im Programm der Ruhrtriennale und unterstreicht den Anspruch des Festivals, als Plattform für grenzüberschreitende künstlerische Begegnungen zu fungieren.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen, Orte und Zitate

Die Performance „RI TE“ – der Name ist durch die Leerstelle zwischen den Großbuchstaben ein bewusster Hinweis auf den unüberbrückbaren Abstand zwischen den beiden Kunstformen – findet in der ehemaligen Waschkaue der Zeche Zollverein statt. Dieser Ort wird seit nahezu 25 Jahren unter der Leitung von Stefan Hilterhaus als PACT Zollverein geführt. Marlene Monteiro Freitas, eine Choreographin und Tänzerin von den Kapverdischen Inseln, und Israel Galván, ein Bailoar aus Sevilla, teilen sich eine aufgeklappte Sperrholzkiste als Bühne. Die Ausstattung ist minimalistisch: Monteiro trägt einen weißen Arbeitsoverall mit einem grünen Gürtel, dazu petrolfarbene Stiefeletten und einen einseitig verschmutzten Handschuh. Galván tritt mit einem hochgekrempelten Hosenbein auf, das eine weiße Ballettstrumpfhose entblößt, sowie zwei schwarzen Schürzen und pinkfarbenen Gummi-Stiefeletten, die seinen Flamenco-Schritten eine gedämpfte Akustik verleihen. Die Interaktion der beiden wird durch ein großes weißes Taschentuch und den Einsatz von Kaugummikauen als mimisches Element geprägt. Zitate wie Monteiros Aussage „When he dances, he makes me dance“ verdeutlichen die symbiotische, aber dennoch von Distanz geprägte Arbeitsweise des Paares.

Hintergrund – Die Vorgeschichte und der bisherige Verlauf

Die Zusammenarbeit zwischen Marlene Monteiro Freitas und Israel Galván hat ihre Wurzeln in einer intensiven künstlerischen Auseinandersetzung, die bereits im vergangenen Herbst ihren Anfang nahm. Ihre Uraufführung feierten sie beim Festival d’automne in Paris, wo das Stück bereits als eine Art „monstres sacrées“-Moment wahrgenommen wurde. Die Wahl des Spielortes in Essen ist dabei kein Zufall: Die Zeche Zollverein ist durch das PACT-Zentrum ein etablierter Ankerpunkt für internationales Theater, der eine multinationale Nachbarschaft ebenso anzieht wie ein fachkundiges Publikum. Die Institution hat sich über die Jahrzehnte in die industrielle Umgebung integriert, ähnlich wie die Vegetation, die sich die stillgelegte Grube zurückerobert hat. Die Entwicklung des Stücks „RI TE“ ist das Ergebnis einer bewussten Entscheidung, den ästhetischen Graben zwischen Galváns „Flamenco Novo“ und Monteiros wandelbaren Metamorphosen nicht zu schließen, sondern ihn als zentrales Spannungselement zu nutzen. Die Arbeit auf der Holzkiste, die in ihrer Enge an eine Arbeiterwohnung erinnert, ist die konsequente Weiterentwicklung dieser künstlerischen Suche nach einer Sprache, die sowohl den Flamenco als auch die Performance-Kunst umfasst.

Die Beteiligten – Personen und Institutionen

Im Zentrum der Betrachtung stehen die beiden Protagonisten Marlene Monteiro Freitas und Israel Galván. Monteiro, eine vielseitige Künstlerin von den Kapverdischen Inseln, agiert als Choreographin und Tänzerin, deren Ausdruckskraft in ständigen Metamorphosen – etwa in die Gestalt eines Vogels – liegt. Ihr Gegenpart, Israel Galván aus Sevilla, ist ein renommierter Vertreter des Flamenco, der diesen jedoch durch seinen „Flamenco Novo“-Stil radikal erweitert. Als Institution fungiert die Ruhrtriennale, die unter der dritten Intendanz von Ivo Van Hove steht. Vor Ort in Essen ist das PACT Zollverein unter der Leitung von Stefan Hilterhaus der entscheidende Akteur, der den Raum für diese experimentelle Begegnung bereitstellt. Das Publikum, bestehend aus einer multinationalen Nachbarschaft und Liebhabern des internationalen Theaters, nimmt hierbei eine aktive Rolle ein, indem es auf die Impulse der Künstler reagiert – sei es durch das gemeinschaftliche „Olé“-Rufen oder durch die direkte Interaktion während der Performance. Die Zusammenarbeit dieser Akteure schafft einen Resonanzraum, in dem die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum temporär aufgehoben wird.

Einordnung – Die Bedeutung der Performance

Einzuordnen ist das Stück „RI TE“ als ein bewusster Gegenentwurf zur heutigen, oft auf Oberflächlichkeit reduzierten Medienwelt. Den Berichten zufolge ist es eine Absage an die 30-Sekunden-Aufmerksamkeitsökonomie sozialer Netzwerke. Die Performance zelebriert das „Weird“-Sein, das Unbehagen und die menschliche Imperfektion. Dass die Künstler ihre eigene Verletzlichkeit und ihre Zweifel durch Grimassen und eine fast schon schmerzhafte Nähe zueinander offenbaren, macht die Qualität des Abends aus. Die ästhetische Spannung entsteht nicht durch Harmonie, sondern durch die Differenz: Galván, der in den Rhythmus seiner Schritte eintaucht, und Monteiro, die eine Vielzahl an widerstreitenden Emotionen durch ihre Mimik ausdrückt. Es ist ein ritueller Akt, der den Zuschauer dazu einlädt, über die eigene Existenz hinauszublicken. Die Einordnung als „heilige Bestien“ der Bühne ist dabei weniger als elitäre Zuschreibung zu verstehen, sondern als Anerkennung ihrer Fähigkeit, das Publikum durch puristische, fast schon rohe Emotionen in einen Bann zu ziehen, der über die Dauer des Auftritts hinaus Bestand hat.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Der vorliegende Quelltext lässt einige Aspekte der Produktion offen. So wird nicht explizit dargelegt, wie der Probenprozess zwischen den beiden Künstlern konkret verlief, um die Balance zwischen Improvisation und Choreographie zu finden. Ebenso bleibt die genaue Dauer der Performance unerwähnt, ebenso wie die Frage, ob es für die verschiedenen Spielorte der Ruhrtriennale spezifische Anpassungen in der Inszenierung gibt. Auch die Frage nach der musikalischen Begleitung – ob diese rein durch die Körper der Tänzer oder durch externe Klänge erzeugt wird – wird nur angedeutet, aber nicht detailliert ausgeführt. Der Text konzentriert sich primär auf die visuelle und emotionale Wirkung sowie die theoretische Fundierung des Abstands zwischen den Tanzstilen. Ob die Performance in ihrer jetzigen Form eine abgeschlossene Einheit bildet oder ob sie als fortlaufendes Projekt mit weiteren Entwicklungsstufen geplant ist, bleibt ebenfalls unbeantwortet. Der Fokus liegt klar auf der unmittelbaren Erfahrung des Augenblicks, während strukturelle oder organisatorische Details der Produktion in den Hintergrund treten.

Wie es weitergeht – Ausblick und Termine

Konkrete Termine für weitere Aufführungen über den Rahmen der laufenden Ruhrtriennale hinaus werden im Text nicht genannt. Die Performance ist jedoch als fester Bestandteil der aktuellen Festivalausgabe unter der Leitung von Ivo Van Hove in die Zeche Zollverein integriert. Die Art und Weise, wie das Stück den Raum der Waschkaue nutzt, legt nahe, dass die Inszenierung stark an diesen spezifischen Ort gebunden ist. Da das PACT Zollverein als ein Haus für kontinuierliche Probenarbeit und Experimente fungiert, ist davon auszugehen, dass die dort gewonnenen Erfahrungen in die weitere Arbeit der Künstler einfließen werden. Die Aufforderung an das Publikum, sich auf das „Olé“-Rufen einzulassen und den „Grusel“ der Performance zu genießen, deutet darauf hin, dass die Interaktion mit dem Publikum ein wesentlicher, sich ständig verändernder Teil des Stücks bleibt. Weitere Entscheidungen über eine mögliche Tournee oder eine Wiederaufnahme des Stücks an anderen internationalen Spielorten sind aus dem Text nicht abzuleiten, da der Fokus auf der aktuellen Präsenz im Essener Kontext liegt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/person-spielen-musiker-musikinstrument-6666055/ · Foto: Freitas Junior
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/musik-und-buehne/tanz/eine-brillante-tanzperformance-auf-der-ruhrtriennale-201151681.html