Ein Machtwechsel an der Spitze
Die 4. Etappe der Tour de France Femmes, ein anspruchsvolles Einzelzeitfahren über 21 Kilometer von Gevrey-Chambertin nach Dijon, hat für eine neue Rangfolge in der Gesamtwertung gesorgt. Die Schweizer Weltmeisterin Marlen Reusser vom Movistar Team unterstrich ihre Klasse gegen die Uhr und sicherte sich mit einer Zeit von 27:30 Minuten den Tagessieg. Durch diese herausragende Leistung löste sie die Norwegerin Sigrid Haugset an der Spitze des Gesamtklassements ab.
Die bisherige Trägerin des Gelben Trikots, Haugset, kam mit einem Rückstand von über drei Minuten ins Ziel und musste das Führungstrikot abgeben. Für Reusser, die bereits im Vorfeld als Favoritin gehandelt wurde, ist der Erfolg ein bedeutender Meilenstein in der aktuellen Rundfahrt.
Harter Kampf um die Sekunden
Besonders spannend gestaltete sich das Duell um die Podiumsplätze. Demi Vollering (FDJ United-SUEZ) zeigte eine beeindruckende Leistung, insbesondere in der technisch anspruchsvollen Abfahrt, in der sie Geschwindigkeiten von bis zu 86 km/h erreichte. Trotz ihres vollen Einsatzes und einer risikoreichen Fahrweise fehlten ihr im Ziel 18 Sekunden auf die Zeit von Reusser. Vollering, die in der Vergangenheit bereits knapp an einem Gesamtsieg gescheitert war, bewies jedoch ihre Ambitionen und liegt nun in der Gesamtwertung in Lauerstellung.
Die Vorjahressiegerin Pauline Ferrand-Prévot erlebte hingegen einen schwierigen Tag. Mit einem Rückstand von über einer Minute auf die Spitze verlor sie wertvollen Boden im Kampf um das Gelbe Trikot.
Nachwuchswertung und weitere Trikots
Im Kampf um das Weiße Trikot der besten Nachwuchsfahrerin konnte Paula Blasi (UAE Team L'IMAD) ihre Führung weiter ausbauen. Sie distanzierte ihre Konkurrentin Antonia Niedermaier um 31 Sekunden und festigte damit ihre Position an der Spitze dieser Wertung. Die übrigen Trikots blieben in festen Händen: Lorena Wiebes führt weiterhin die Sprintwertung an, während Puck Pieterse das Bergtrikot verteidigte.
Ausblick auf das Zentralmassiv
Die Radsportlerinnen stehen vor einer richtungsweisenden 5. Etappe. Das Teilstück führt über 140 Kilometer durch das Zentralmassiv zwischen Mâcon und Belleville-en-Beaujolais. Mit insgesamt 2.850 Höhenmetern und acht Bergwertungen stellt das Profil hohe Anforderungen an das Feld. Besonders der Mont Brouilly, ein Anstieg der 2. Kategorie mit Steigungen von bis zu 11 Prozent, könnte für eine Vorentscheidung sorgen.
Da der letzte Anstieg nur zehn Kilometer vor dem Ziel liegt, bietet die Etappe ideale Voraussetzungen für Attacken. Experten erwarten, dass insbesondere die kletterstarken Fahrerinnen versuchen werden, Marlen Reusser unter Druck zu setzen, um das Gelbe Trikot erneut anzugreifen. Die taktische Ausrichtung der Teams wird dabei eine entscheidende Rolle spielen, da die Helferinnen bei diesen anspruchsvollen Bedingungen besonders gefordert sind.