Ein unerwarteter Wechsel an der Spitze des Sports
Im Zuge eines umfassenden Regierungsumbaus unter Bundeskanzler Friedrich Merz kommt es zu einer personellen Neubesetzung in einem der jüngsten Ämter der Bundesregierung. Christiane Schenderlein, die seit rund 14 Monaten als Staatsministerin für Sport fungiert, wird ihre bisherige Position räumen. Wie der Kanzler in Berlin bekannt gab, wechselt die Politikerin als Parlamentarische Staatssekretärin in das Bundesgesundheitsministerium.
Schenderlein, die das Amt nach der Bundestagswahl 2025 antrat, äußerte sich verständnisvoll gegenüber der Entscheidung. Sie betonte, den Wunsch des Kanzlers zu respektieren und blicke nun positiv auf ihre neue Aufgabe im Gesundheitsressort. Damit endet eine Amtszeit, die maßgeblich durch die strukturelle Neuordnung der deutschen Sportförderung geprägt war.
Hintergrund: Vom Innenministerium zur eigenständigen Instanz
Das Amt der Sportstaatsministerin wurde erst vor etwas mehr als einem Jahr geschaffen, um den Sport stärker in den Fokus der politischen Agenda zu rücken. Zuvor war die Zuständigkeit für diesen Bereich direkt im Bundesinnenministerium angesiedelt. Die Schaffung dieser Position sollte eine klarere politische Steuerung ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf die Reform der Sportförderung.
Herausforderungen für das Amt
Die Nachfolge von Schenderlein tritt in eine Phase, die von wegweisenden Entscheidungen für den deutschen Sport geprägt ist. Erst kurz vor der Sommerpause hatte der Bundestag das neue Sportfördergesetz verabschiedet. Das zentrale Element dieser Reform ist die Etablierung einer neuen Spitzensportagentur, die künftig die Verteilung der staatlichen Fördermittel übernehmen soll. Die Diskussionen um die Mitspracherechte der Sportverbände in diesem Gremium waren intensiv und dürften auch die künftige Arbeit der neuen Amtsführung prägen.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Olympia-Bewerbung Deutschlands. Am 26. September steht in Baden-Baden eine entscheidende Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) an. Dort soll final entschieden werden, ob Berlin, München oder die Rhein-Ruhr-Region mit Köln als Zentrum in den internationalen Wettbewerb um die Ausrichtung von Sommerspielen gehen.
Mögliche Nachfolge: Nadine Keßler im Gespräch
Wer die Nachfolge von Schenderlein antreten wird, ist offiziell noch nicht geklärt. Die Bundesregierung teilte lediglich mit, dass über die Neubesetzung zu einem späteren Zeitpunkt informiert werde. Medienberichte, unter anderem vom "Handelsblatt", bringen jedoch die ehemalige Weltfußballerin Nadine Keßler ins Spiel.
Keßler verfügt über eine beeindruckende Vita im internationalen Sportmanagement. Seit 2017 ist sie bei der UEFA tätig, wo sie zuletzt als Direktorin für Frauenfußball agierte. In dieser Funktion war sie maßgeblich an der strategischen Ausrichtung des europäischen Frauenfußballs beteiligt, darunter die Einführung des UEFA Women's Europa Cup und neue Qualifikationsmodi für große Turniere. Auch die Organisation der EM 2025 in der Schweiz fiel in ihren Verantwortungsbereich.
Ihre sportliche Karriere war von großen Erfolgen geprägt, darunter vier deutsche Meistertitel und drei Champions-League-Siege, bevor sie ihre aktive Laufbahn 2016 verletzungsbedingt beenden musste. Bereits 2023 wurde sie als Kandidatin für eine Führungsposition beim DFB gehandelt, entschied sich damals jedoch für den Verbleib bei der UEFA. Bisher haben weder die Bundesregierung noch die UEFA die Berichte über einen möglichen Wechsel Keßlers in die Bundespolitik bestätigt.