Ein Hauch von Hollywood in Frankfurt-Praunheim
Wenn Reality-TV-Größen auf den Lebensmitteleinzelhandel treffen, entstehen oft ungewöhnliche Projekte. In Frankfurt-Praunheim hat die Influencerin Leyla Heiter nun eine Penny-Filiale in das sogenannte „Leylaland“ verwandelt. Mit dem Ziel, eine ähnliche mediale Präsenz wie ihr Vorbild Kim Kardashian zu erreichen, stellt die 1996 geborene TV-Bekanntheit ihr Gesicht und ihre Persönlichkeit in den Dienst des Discounters. Die Eröffnung bei sommerlichen Temperaturen lockte zahlreiche Fans und Schaulustige an, die zwischen Kühlregalen und Aktionsflächen auf die Influencerin trafen.
Die Gestaltung der Filiale ist dabei auf die Marke „Leyla Heiter“ zugeschnitten: Neonfarbene Schriftzüge wie „Pizzamour“ oder „Cool Like You“ zieren die Kühltruhen, während eine lebensgroße goldene Statue der Influencerin neben einer goldenen Palme als Blickfang dient. Auch ein Gemälde, das Heiter gemeinsam mit ihrem Partner Mike zeigt, unterstreicht den persönlichen Charakter des Projekts.
Strategisches Influencer-Marketing im Wandel
Die Zusammenarbeit zwischen Penny und Leyla Heiter markiert eine neue Phase des Influencer-Marketings. Während Discounter in der Vergangenheit häufig auf klassische Werbebotschafter oder limitierte Modekollektionen setzten – etwa Aldi mit Philipp Lahm oder Lidl mit Heidi Klum –, geht der aktuelle Ansatz über eine kurzzeitige Kampagne hinaus. Das „Leylaland“ ist als dauerhafter Standort konzipiert, der durch die hohe Reichweite der Influencerin – zwei Millionen Follower auf Instagram und 1,1 Millionen auf TikTok – für Aufmerksamkeit sorgen soll.
Dieser Trend wird durch das veränderte Konsumverhalten junger Zielgruppen gestärkt. Formate wie die Serie „Die Discounter“ haben das Bild des Supermarkts als Ort für spontane, popkulturelle Begegnungen geprägt. Für viele junge Menschen ist die Vorstellung, beim Einkauf auf bekannte Gesichter aus sozialen Medien oder Serien zu treffen, längst Teil der Erwartungshaltung geworden.
Penny unter Druck: Warum die Kooperation wichtig ist
Der Hintergrund für solche Marketing-Offensiven ist wirtschaftlicher Natur. Im Vergleich zu Konkurrenten wie Aldi, Lidl oder Netto verzeichnet Penny derzeit Herausforderungen bei Umsatz und Wachstum. Die Marke sucht nach Wegen, sich im Wettbewerb zu behaupten und ein jüngeres, trendbewusstes Publikum anzusprechen. Das „Leylaland“ dient hierbei als Imageträger, der den Discounter aus der Nische holen soll.
Penny hat in der Vergangenheit bereits mehrfach versucht, durch ungewöhnliche Aktionen Aufmerksamkeit zu generieren. Bekanntheit erlangte etwa der „Kiez-Penny“ auf der Reeperbahn durch eine Dokumentation, die später durch Internet-Memes Kultstatus erreichte. Auch die Präsenz auf dem Elektro-Festival Parookaville mit eigenen Supermärkten zielte darauf ab, die Marke als nahbar und „kiezig“ zu positionieren.
Zwischen Alltag und Inszenierung
Die Filiale in Frankfurt-Praunheim fungiert dabei als Schnittstelle zwischen normalem Supermarktalltag und digitaler Bühne. Dass die Einkaufswagen im „Leylaland“ mit speziellen Selfie-Halterungen ausgestattet wurden, unterstreicht den Anspruch, den Einkauf als Content-Erlebnis zu begreifen. Kunden sollen nicht nur Lebensmittel erwerben, sondern das Erlebnis teilen können.
Leyla Heiter selbst sieht in der Kooperation eine Möglichkeit, ihre Vorlieben direkt in das Sortiment einfließen zu lassen. Sie deutete an, dass Fans anhand ihrer persönlichen Empfehlungen – etwa bei Produkten wie Ayran – künftig gezielt nach ihren Favoriten Ausschau halten können. Ob das Konzept der „emotionalen Aufladung“ eines Discounters langfristig aufgeht, bleibt abzuwarten. Für den Moment jedoch scheint die Rechnung aufzugehen: Die Eröffnung zog ein breites Publikum an, von Jugendlichen, die kostenloses Softeis genossen, bis hin zu Fans, die das Treffen mit der Influencerin suchten. Laut Heiter soll der Besuch im „Leylaland“ selbst in trüben Momenten für ein besseres Lebensgefühl sorgen.