Ein neuer Akteur im kommerziellen Orbit
Die Ära der staatlich dominierten Raumfahrt wandelt sich hin zu einer zunehmenden Kommerzialisierung. Ein zentraler Akteur in diesem Prozess ist das US-Unternehmen Axiom Space. Mit Sitz in Houston, unweit des Johnson Space Centers der Nasa, beschäftigt das 2022 gegründete Unternehmen derzeit rund 720 Mitarbeiter. Das ambitionierte Ziel: Eine eigene kommerzielle Raumstation, die Axiom Station, soll den Übergang nach dem Ende der Internationalen Raumstation (ISS) sichern.
Nach aktuellen Planungen ist der Start der Plattform für das Jahr 2029 vorgesehen. Dieser Zeitplan ist strategisch gewählt, da er etwa ein Jahr vor der geplanten endgültigen Stilllegung der ISS liegt. Ursprünglich hatte das Unternehmen einen deutlich früheren Termin für das Jahr 2024 angepeilt. Laut Jonathan Cirtain, CEO von Axiom und ehemaliger Nasa-Mitarbeiter, machten jedoch technische Herausforderungen – insbesondere die Neuentwicklung spezifischer Antriebssysteme – eine zeitliche Anpassung erforderlich.
Fokus auf Ergonomie und Produktivität
Ein wesentlicher Unterschied zur ISS soll das Innendesign der neuen Station sein. Axiom hat intensiv das Feedback von Astronauten ausgewertet, um die Arbeits- und Lebensbedingungen im All zu verbessern. Ein zentraler Kritikpunkt an der ISS ist das visuelle Chaos, das durch die Vielzahl an sichtbaren Kabeln und Drähten entsteht. Laut Cirtain belastet eine solche Umgebung die Psyche der Raumfahrer langfristig. Das Design der Axiom Station setzt daher auf eine spartanische, aber geordnete Ästhetik, um die mentale Belastung zu reduzieren und die Produktivität der Crew zu steigern.
Neben dem Wohnkomfort steht die industrielle Nutzung im Vordergrund. Axiom sieht die Station als Produktionsstandort für kommerzielle Güter, insbesondere im pharmazeutischen Sektor. Die Herstellung von Medikamenten direkt im Orbit könnte logistische Probleme lösen, da viele Präparate nur eine begrenzte Haltbarkeit von wenigen Jahren aufweisen. Da der Transport von der Erde in den Weltraum kostenintensiv ist und der Platz an Bord begrenzt bleibt, stellt die lokale Produktion eine plausible Lösung für die Versorgung künftiger Missionen dar.
Mondanzüge und technologische Expansion
Über die Orbitalplattform hinaus ist Axiom maßgeblich an der Ausrüstung für die Mondmissionen beteiligt. Im Rahmen der Artemis-IV-Mission, die für 2028 geplant ist, sollen Astronauten auf dem Mond landen. Hierfür entwickelt das Unternehmen in Kooperation mit dem italienischen Modekonzern Prada die sogenannten Axemu-Anzüge. Die Produktion der ersten fünf Einheiten läuft nach Angaben von Cirtain planmäßig; die Auslieferung des ersten Anzugs an die Nasa ist für Ende 2026 vorgesehen. Nachfolgende Tests sollen sicherstellen, dass die Technik sowohl auf der ISS als auch während der Artemis-III-Mission ihre Zuverlässigkeit unter Beweis stellt.
Ein weiteres Geschäftsfeld ist das Weltraum-Computing. Da die Energieversorgung auf Raumstationen ein kritischer Faktor ist, plant Axiom, rechenintensive Prozesse auf ein Netzwerk eigener Satelliten auszulagern, um die Bordenergie zu schonen. Zwei Satelliten befinden sich bereits im Einsatz. Um dieses Segment zu stärken, plant das Unternehmen den Aufbau eines Standorts in Luzern, Schweiz, an dem 20 bis 50 Mitarbeiter tätig sein sollen.
Ein wachsender Markt im niedrigen Erdorbit
Die Axiom Station ist Teil einer größeren Entwicklung. In den kommenden Jahren ist eine deutliche Zunahme an kommerziellen und staatlichen Stationen in der Erdumlaufbahn zu erwarten. Neben Axiom planen Akteure wie Starlab, Haven und Orbital Reef eigene Plattformen. Auch staatliche Akteure wie Russland und Indien arbeiten an eigenen Stationen, während China mit der Tiangong-Station bereits seit Längerem präsent ist. Die nächsten Schritte für Axiom bestehen nun in der erfolgreichen Fertigstellung der Hardware und der Einhaltung der anspruchsvollen Zeitpläne für die Mondanzüge, um sich im internationalen Wettbewerb als verlässlicher Partner der Raumfahrtbehörden zu etablieren.