Herausforderungen bei der Diversifizierung der Lieferkette
Apple, einer der weltweit größten Abnehmer von SDRAM-Modulen, steht derzeit vor einer komplexen Situation in der Beschaffung. Das Unternehmen versucht seit geraumer Zeit, seine Abhängigkeit von den drei dominierenden Speicherherstellern – Micron, SK Hynix und Samsung Electronics – zu verringern. Ein strategischer Ansatz war dabei die Zusammenarbeit mit dem aufstrebenden chinesischen Unternehmen CXMT (ChangXin Memory Technologies). Ziel war es, durch einen zusätzlichen Lieferanten einen größeren Hebel bei Preisverhandlungen zu gewinnen.
Berichten zufolge sind diese Bemühungen jedoch ins Stocken geraten. Die Hoffnung, durch den Einstieg von CXMT günstigere Konditionen für LPDDR5X-Speichermodule zu erzielen, hat sich bisher nicht erfüllt. Dies verschafft den etablierten Marktführern eine komfortable Position, da sie weiterhin hohe Kapazitäten an den KI-Sektor binden können, insbesondere für den stark nachgefragten High-Bandwidth-Speicher (HBM).
Technische und wirtschaftliche Hürden bei CXMT
Die Gründe für das Scheitern der Preisstrategie sind vielfältig. Neben potenziellen regulatorischen Bedenken in den USA, die den Einkauf von Halbleitern aus China erschweren könnten, spielen vor allem wirtschaftliche und technische Faktoren eine Rolle. Laut Fachberichten der DigiTimes kämpft CXMT mit technologischen Einschränkungen bei der Fertigung.
Da dem Unternehmen der Zugang zu moderner EUV-Lithografie-Technologie aufgrund von Exportbeschränkungen verwehrt bleibt, ist es auf ältere DUV-Anlagen angewiesen. Dies führt zu einer geringeren Effizienz: Die Produktion benötigt etwa ein Drittel mehr Platz auf den Silizium-Wafern, was die Herstellungskosten in die Höhe treibt. Infolgedessen kann CXMT keine günstigeren Preise anbieten als die südkoreanische Konkurrenz. Die genannten Tarife für Apple lagen auf einem ähnlichen Niveau wie bei Samsung oder SK Hynix.
Kapazitätsengpässe und politische Bedeutung
Ein weiterer Aspekt ist die Auslastung der Produktionskapazitäten bei CXMT. Obwohl eine Partnerschaft mit Apple für das chinesische Unternehmen von hoher strategischer und politischer Bedeutung wäre, scheint die Pipeline bereits gut gefüllt. CXMT unterhält langfristige Lieferverträge mit Unternehmen wie Huawei und Xiaomi. Es wird davon ausgegangen, dass das Unternehmen schlichtweg nicht über genügend freie Kapazitäten verfügt, um die hohen Anforderungen von Apple in der gewünschten Größenordnung zu bedienen.
Ursprünglich hatte Apple wohl geplant, CXMT-Speicher zumindest in Geräten einzusetzen, die exklusiv für den chinesischen Markt vorgesehen sind. Angesichts der aktuellen Preisstruktur und der begrenzten Verfügbarkeit scheint dieser Plan jedoch vorerst nicht realisierbar.
Auswirkungen auf die iPhone-Produktion
Die angespannte Lage auf dem Speichermarkt wirft Fragen zur Verfügbarkeit der kommenden iPhone-Generation auf. Experten wie der Chipexperte Tim Culpan weisen darauf hin, dass die Beschaffung von ausreichend DRAM für die im September erwarteten Modelle – darunter das iPhone 18 Pro, Pro Max und Ultra – derzeit eine Herausforderung darstellt.
Die Hauptlast der Versorgung liegt weiterhin bei Micron, unterstützt durch SK Hynix und Samsung. Ob die allgemeine Knappheit an LPDDR5X-Modulen zu Engpässen bei den anfänglichen Stückzahlen der neuen Smartphones führen wird, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Die Branche beobachtet die Lieferketten genau, da die Speicherkomponenten ein kritischer Bestandteil des A18-Pro-SoC sind, der das Herzstück der neuen Geräte bildet.