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Psychologin über motivierende Arbeit: „KI darf nicht die Erfahrung von Selbstwirksamkeit verdrängen&quot
Technik · 14.08.2026 07:30

Psychologin über motivierende Arbeit: „KI darf nicht die Erfahrung von Selbstwirksamkeit verdrängen&quot

Kurz: Die Psychologin Tatjana Schnell warnt vor den psychologischen Folgen durch KI am Arbeitsplatz: Selbstwirksamkeit darf durch Automatisierung nicht verloren gehen

Die Gefahr der schleichenden Entmachtung durch KI

Die zunehmende Integration von Künstlicher Intelligenz in den beruflichen Alltag verändert die Art und Weise, wie Menschen ihre Aufgaben wahrnehmen und bewerten. Während viele Unternehmen den Einsatz von KI-Tools primär unter dem Gesichtspunkt der Effizienzsteigerung betrachten, wirft die Psychologin Tatjana Schnell ein kritisches Licht auf die langfristigen Auswirkungen dieser technologischen Entwicklung. Die Kernbotschaft der Expertin ist eindeutig: Der Mensch darf in seinem beruflichen Umfeld nicht zum bloßen Beobachter degradiert werden. Wenn KI-Systeme zunehmend komplexe Aufgaben übernehmen – vom Verfassen von Texten über das Schreiben von Programmcode bis hin zur eigenständigen Recherche –, droht ein schleichender Verlust dessen, was psychologisch als Selbstwirksamkeit bezeichnet wird. Dieser Prozess vollzieht sich oft unbemerkt, da der kurzfristige Gewinn an Geschwindigkeit und Arbeitserleichterung die tieferliegenden psychologischen Kosten zunächst überdeckt. Die Gefahr besteht darin, dass Beschäftigte den Bezug zu ihren eigenen Leistungen verlieren, wenn die eigentliche Problemlösungskompetenz zunehmend an Algorithmen delegiert wird. Die menschliche Erfahrung, durch eigene Anstrengung und Überwindung von Hürden ein Ergebnis zu erzielen, ist jedoch essenziell für die psychische Gesundheit und die berufliche Identität. Wenn KI diese Hürden systematisch abträgt, entzieht sie dem Individuum die Basis für das Gefühl, selbstwirksam und kompetent zu handeln.

Zentrale Aspekte der psychologischen Forschung

Tatjana Schnell, die als Professorin für existenzielle Psychologie an der MF Specialized University im norwegischen Oslo tätig ist, hat ihre wissenschaftliche Laufbahn intensiv der Erforschung von Sinn, Arbeit und Selbstwirksamkeit gewidmet. In einem Gespräch mit dem Magazin t3n erläuterte sie ihre Sichtweise auf die aktuelle Transformation der Arbeitswelt. Die Psychologin betont, dass die menschliche Souveränität über den Arbeitsprozess gewahrt bleiben muss. Es sei von entscheidender Bedeutung, dass die Beschäftigten weiterhin die Instanz bleiben, die über den Verlauf und die Ziele ihrer Tätigkeit entscheidet. Die Erfahrung von Handlungsspielraum und die Übernahme von Verantwortung sind nach Ansicht der Wissenschaftlerin keine optionalen Faktoren, sondern fundamentale Bedürfnisse, die durch eine KI-gestützte Arbeitsumgebung nicht beschnitten werden dürfen. Die KI sollte lediglich als unterstützendes Werkzeug fungieren, das den Arbeitsalltag erleichtert, ohne dabei die gestaltende Rolle des Menschen zu untergraben. Diese Differenzierung ist entscheidend, um die Motivation und die psychologische Bindung an die eigene Arbeit langfristig aufrechtzuerhalten. Die Forschungsergebnisse von Schnell deuten darauf hin, dass ein Mangel an Selbstwirksamkeit zu einer Entfremdung von der eigenen Tätigkeit führen kann, was das Risiko für Frustration und Sinnverlust am Arbeitsplatz massiv erhöht.

Der Hintergrund der technologischen Transformation

Die aktuelle Debatte um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist geprägt von einer starken Fokussierung auf Produktivitätskennzahlen. Viele Unternehmen implementieren KI-Lösungen, um Wettbewerbsvorteile zu generieren und Prozesse zu beschleunigen. Dabei wird jedoch häufig übersehen, dass Arbeit weit mehr ist als die bloße Produktion von Ergebnissen. Psychologisch gesehen ist Arbeit ein zentraler Ort für die Erfahrung von Kompetenz und Selbstwirksamkeit. Wenn nun KI-Systeme in rasantem Tempo Aufgaben übernehmen, die zuvor menschliche Expertise und kognitive Anstrengung erforderten, verschiebt sich das Anforderungsprofil für Arbeitnehmer grundlegend. Die historische Entwicklung zeigt, dass technologische Sprünge oft mit einer Entlastung von repetitiven Tätigkeiten einhergingen. Bei modernen KI-Systemen ist jedoch eine neue Qualität der Automatisierung erreicht, die auch kreative und analytische Prozesse umfasst. Dies führt dazu, dass viele Beschäftigte heute das Gefühl haben, ihre eigene Funktion im Unternehmen sei in Frage gestellt. Diese Verunsicherung ist ein direktes Resultat der technologischen Entwicklung, die den Menschen in eine passive Rolle drängt, sofern keine bewusste Gegensteuerung erfolgt. Die Diskussion um die psychologischen Folgen ist daher eine notwendige Ergänzung zur rein ökonomischen Betrachtung der Digitalisierung.

Die Akteure und ihre Perspektiven

Die Debatte wird maßgeblich durch Experten wie Tatjana Schnell geprägt, die als Bindeglied zwischen akademischer Forschung und praktischer Arbeitswelt fungiert. Ihre Position ist klar: Die menschliche Autonomie steht über der rein technologischen Effizienz. Auf der anderen Seite stehen die Beschäftigten, die sich in einer Phase der Transformation befinden und zunehmend mit der Frage konfrontiert sind, ob sie in ihren jeweiligen Rollen künftig noch benötigt werden. Die Institutionen, in denen diese Arbeit stattfindet, stehen vor der Herausforderung, KI-Implementierungen so zu gestalten, dass sie den Menschen stärken und nicht ersetzen. Auch der Journalist Ingmar Höhmann, der das Interview für t3n führte, unterstreicht durch seine redaktionelle Arbeit die Relevanz dieser psychologischen Perspektive für die breitere Öffentlichkeit. Die Beteiligten sind somit sowohl die Wissenschaft, die die psychologischen Rahmenbedingungen analysiert, als auch die Arbeitnehmer, die die Auswirkungen der KI-Integration täglich spüren. Die Entscheidung darüber, wie KI eingesetzt wird, liegt letztlich bei den Unternehmen und den Führungskräften, die den technologischen Wandel steuern. Eine verantwortungsvolle Gestaltung erfordert dabei eine ständige Reflexion darüber, welche Aufgaben an die KI abgegeben werden und welche Tätigkeiten zwingend in menschlicher Hand verbleiben müssen, um die psychische Integrität der Mitarbeiter zu schützen.

Einordnung der psychologischen Auswirkungen

Einzuordnen ist die aktuelle Situation als ein kritischer Wendepunkt in der Geschichte der modernen Arbeitswelt. Den Berichten zufolge ist die Sorge um die eigene Bedeutung im Arbeitsprozess weit verbreitet und psychologisch fundiert. Wenn die Überwindung von Schwierigkeiten als Quelle für Selbstvertrauen wegfällt, verliert die Arbeit für viele Menschen ihren Sinn stiftenden Charakter. Die Bewertung von Tatjana Schnell macht deutlich, dass Effizienzgewinne, die auf Kosten der menschlichen Selbstwirksamkeit gehen, einen hohen Preis haben. Dieser Preis zeigt sich nicht sofort in den Quartalszahlen, sondern langfristig in der psychischen Verfassung der Belegschaft. Die Einordnung der Expertin legt nahe, dass eine rein technokratische Sichtweise auf KI-Tools zu kurz greift. Es bedarf einer bewussten Gestaltung der Arbeitsumgebung, die sicherstellt, dass der Mensch weiterhin als gestaltendes Subjekt agiert. Die Bedeutung der Selbstwirksamkeit für das psychische Wohlbefinden ist unbestritten, und jede Technologie, die diese Erfahrung systematisch untergräbt, muss kritisch hinterfragt werden. Die psychologische Perspektive bietet hierbei einen wertvollen Korrekturmechanismus zur rein ökonomischen Logik, die den Menschen oft nur als Kostenfaktor oder als ausführende Ressource begreift.

Offene Fragen und zukünftige Entwicklungen

Der vorliegende Quelltext lässt eine Reihe von Fragen unbeantwortet, die für die praktische Umsetzung der Erkenntnisse von Bedeutung wären. Es bleibt beispielsweise offen, welche konkreten Strategien Unternehmen anwenden können, um die Selbstwirksamkeit trotz KI-Einsatz zu fördern. Ebenso wird nicht spezifiziert, welche spezifischen Tätigkeitsfelder am stärksten von der Entmachtung durch KI betroffen sind und wo die Grenze zwischen notwendiger Entlastung und schädlicher Übernahme durch Algorithmen verläuft. Es fehlen zudem empirische Daten dazu, wie Arbeitnehmer in verschiedenen Branchen individuell auf die KI-gestützte Arbeitswelt reagieren und welche Bewältigungsmechanismen sich bereits als erfolgreich erwiesen haben. Auch die Rolle der Politik oder von Arbeitnehmervertretungen bei der Gestaltung dieser Arbeitsbedingungen wird nicht explizit thematisiert. Wie es weitergeht, hängt maßgeblich davon ab, ob die psychologischen Erkenntnisse in die betriebliche Praxis einfließen. Es steht die Entscheidung aus, ob Unternehmen bereit sind, in die Gestaltung von KI-Systemen zu investieren, die den Menschen als aktiven Gestalter in den Mittelpunkt stellen, oder ob der Fokus weiterhin einseitig auf der kurzfristigen Optimierung von Arbeitsabläufen verbleibt. Die weitere Entwicklung wird zeigen, ob das Bewusstsein für die psychologischen Risiken ausreicht, um eine humane Integration von Künstlicher Intelligenz in die Arbeitswelt zu gewährleisten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-laptop-buro-arbeiten-5717796/ · Foto: https://kaboompics.com/
Quelle: https://t3n.de/news/psychologin-ueber-motivierende-arbeit-ki-darf-nicht-die-erfahrung-von-selbstwirksamkeit-verdraengen-1756442/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed