News aus aller Welt
Start
Proxmox jetzt auch für Arm – aber nicht auf Raspberry Pi
Technik · 07.08.2026 12:31

Proxmox jetzt auch für Arm – aber nicht auf Raspberry Pi

Kurz: Proxmox VE 9.2 unterstützt ab sofort Arm64-Server. Der Fokus liegt dabei auf professioneller Rechenzentrum-Hardware statt auf Bastler-Plattformen wie Raspberry

Virtualisierung für die Arm-Architektur

Die Wiener Proxmox Server Solutions haben mit der Veröffentlichung von Proxmox Virtual Environment (VE) 9.2 einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung ihrer Virtualisierungsplattform vollzogen. Erstmals steht die Software offiziell für Arm64-basierte Serversysteme zur Verfügung. Bisher war das System exklusiv auf die x86-Architektur zugeschnitten, nun wird eine parallele Unterstützung für beide Plattformen etabliert. Das Ziel der Entwickler ist eine weitgehend identische Code- und Feature-Basis, um Anwendern eine einheitliche Verwaltung über die gewohnte Weboberfläche zu ermöglichen.

Technische Basis und Funktionsumfang

Die Arm64-Version basiert auf Debian GNU/Linux 13.5 „Trixie“ und nutzt den Linux-Kernel 7.0. Für die Virtualisierung kommen QEMU 11.0 sowie LXC 7.0 für Linux-Container zum Einsatz. Auch Speicherlösungen wie OpenZFS 2.4 und Ceph Tentacle 20.2.3 sind integriert. Wesentliche Funktionen wie Software-defined Networking, Backup-Optionen und Hochverfügbarkeits-Cluster bleiben erhalten.

Dennoch gibt es architekturbedingte Unterschiede. Da die Arm64-Version zwingend auf UEFI (Unified Extensible Firmware Interface) setzt, wird die spezielle Firmware AAVMF zur Unterstützung der virtuellen Maschinen verwendet. Bestimmte x86-spezifische Funktionen, darunter AMD SEV, Intel GVT-g oder SeaBIOS, sind auf der Arm-Plattform technisch nicht umsetzbar. Zudem ist eine Live-Migration von VMs zwischen x86- und Arm-Systemen nicht möglich.

Fokus auf High-End-Server

Die offizielle Unterstützung konzentriert sich aktuell auf Systeme mit Nvidia Grace Hopper und Nvidia Vera. Diese Prozessoren sind für rechenintensive Workloads in Rechenzentren, wie etwa KI-Anwendungen oder Cloud-Infrastrukturen, konzipiert. Die Entwicklung erfolgte in enger Kooperation mit Nvidia und Supermicro, um den Software-Stack auf dieser Hardware zu validieren.

Die Hardware-Anforderungen sind dementsprechend elitär. Ein Nvidia Grace-Hopper-Superchip (GH200) kombiniert eine ARMv9-A-kompatible CPU mit 72 Kernen und eine leistungsstarke H100-GPU. Derartige Systeme sind für den professionellen Einsatz gedacht; während Testsysteme für einige hundert US-Dollar existieren, bewegen sich professionelle Serverlösungen in einem deutlich höheren Preissegment.

Warum der Raspberry Pi außen vor bleibt

Entgegen der Hoffnung vieler Bastler ist Proxmox VE 9.2 nicht für den Einsatz auf einem Raspberry Pi oder ähnlichen Single-Board-Computern (SBCs) optimiert. Der Grund liegt in der Konfiguration: Während die unterstützten Server auf standardisierte ACPI- und UEFI-Schnittstellen setzen, nutzen SBCs in der Regel einen individuellen Device-Tree.

Zwar schließen die Entwickler nicht aus, dass die Software auf anderen ARMv8-A-Systemen laufen könnte, sofern diese über eine entsprechende ACPI/UEFI-Konfiguration verfügen, doch bleibt dies ein inoffizielles Szenario. In der Vergangenheit gab es zwar Community-Projekte wie PiMox, doch diese spielen für den aktuellen, professionellen Release keine Rolle.

Ausblick und Verfügbarkeit

Proxmox VE 9.2 für Arm64 ist ab sofort als Open-Source-Software verfügbar und kann kostenfrei genutzt werden. Für Support-Abonnements müssen Interessenten das Support-Team direkt kontaktieren. Die Roadmap sieht vor, dass Arm64 und amd64 in zukünftigen Versionen gemeinsam gelistet werden. Zudem ist in naher Zukunft ein Proxmox-Backup-Server für die Arm64-Architektur geplant. Damit unterstreicht das Unternehmen seine Ambitionen, im professionellen Server-Umfeld eine breitere Hardware-Basis abzudecken.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/nahaufnahme-eines-computerbildschirms-mit-code-34804024/ · Foto: Daniil Komov
Quelle: https://www.heise.de/news/Proxmox-jetzt-auch-fuer-Arm-aber-nicht-auf-Raspberry-Pi-11403136.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag