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Prognose: Inferenzkosten für KI-Agenten verfünffachen sich bis 2028
Technik · 18.08.2026 13:29

Prognose: Inferenzkosten für KI-Agenten verfünffachen sich bis 2028

Kurz: Trotz fallender Preise für KI-Modelle prognostiziert Gartner einen massiven Anstieg der Inferenzkosten für KI-Agenten bis zum Jahr 2028.

Was geschehen ist: Die Kostenexplosion bei KI-Agenten

Die Welt der Künstlichen Intelligenz steht vor einer paradoxen Entwicklung, die Unternehmen weltweit vor große Herausforderungen stellt. Während die Preise für einzelne KI-Modelle kontinuierlich sinken, prognostizieren die Marktforscher von Gartner einen drastischen Anstieg der Gesamtkosten für den Einsatz von KI-Agenten. Bis zum Jahr 2028 sollen sich die Inferenzkosten pro agentenbasiertem Workflow verfünffachen. Diese Entwicklung steht im direkten Widerspruch zur allgemeinen Erwartung, dass technologische Fortschritte und Skaleneffekte zu günstigeren Betriebskosten führen würden. Die Kernmeldung besagt, dass Unternehmen, die auf autonome KI-Agenten setzen, mit einer massiven finanziellen Belastung rechnen müssen. Die Ursache liegt in der zunehmenden Komplexität der Aufgaben, die diese Agenten übernehmen sollen. Anstatt lediglich einfache Anfragen zu bearbeiten, werden KI-Systeme zunehmend in komplexe Prozesse eingebunden, die ein ständiges Schlussfolgern, Verhandeln und Selbsthinterfragen erfordern. Diese höheren Anforderungen führen zu einem exponentiell steigenden Tokenverbrauch, der die Einsparungen durch günstigere Modellpreise bei weitem übersteigt. Die wirtschaftliche Realität der agentischen KI ist somit deutlich komplexer, als es die reine Preisentwicklung der zugrunde liegenden Modelle vermuten ließe.

Die Einzelheiten: Das Inferenz-Paradoxon im Detail

Das von Gartner beschriebene Phänomen wird als „Inferenz-Paradoxon“ bezeichnet. Will Sommer, Senior Director Analyst bei Gartner, erläutert, dass der Unterschied zwischen einem klassischen Chatbot und einem KI-Agenten fundamental ist. Ein einfacher Chatbot muss lediglich eine Anfrage interpretieren und eine probabilistisch plausible Antwort generieren. Ein KI-Agent hingegen agiert autonom, zieht fortlaufend Schlussfolgerungen und muss sich in komplexen Szenarien selbst korrigieren. Diese Tätigkeiten verbrauchen ein Vielfaches an Rechenleistung und damit an Tokens. Aktuell steigen die KI-Fähigkeiten deutlich schneller an, als die Preise für die Inferenz sinken können. Unternehmen, die diese neuen Möglichkeiten nutzen, treiben ihren Tokenverbrauch durch die Abwicklung komplexerer Workflows massiv in die Höhe. Gartner stellt fest, dass es aktuell kein verlässliches und wirtschaftlich tragfähiges Kostenmodell pro Einheit gibt. Die Entwicklung wettbewerbsfähiger KI-Produkte erfordert laut Sommer den Aufbau und den dauerhaften Betrieb komplexer Ökosysteme, die aus mehreren Modellen bestehen. Ohne eine solche Infrastruktur riskieren Unternehmen unbegrenzte Kosten, da die Ausgaben für die Inferenz bei steigender Aufgabenkomplexität nahezu unkontrolliert anwachsen können.

Hintergrund: Warum die Kosten trotz Effizienz steigen

Die Geschichte hinter dieser Entwicklung ist geprägt von der Diskrepanz zwischen technologischer Innovation und wirtschaftlicher Skalierbarkeit. Ursprünglich wurde gehofft, dass durch effizientere Token-Ökonomien die Kosten für KI-Anwendungen langfristig sinken würden. Doch die Realität hat diese Hoffnungen eingeholt. Jede neue Generation von KI-Funktionen bringt eine höhere Leistungsfähigkeit mit sich, die jedoch gleichzeitig einen höheren Ressourcenbedarf pro Einheit zur Folge hat. Die Marktforscher von Gartner betonen, dass Produktverantwortliche nicht darauf setzen können, dass eine bloße Effizienzsteigerung der Modelle die Gesamtkosten nachhaltig senkt. Die Entwicklung verlief in den vergangenen Jahren rasant, wobei der Fokus zunächst auf der bloßen Funktionalität lag. Erst mit der Einführung autonomer Agenten wurde deutlich, dass der operative Betrieb dieser Systeme eine völlig neue Kostenstruktur erfordert. Unternehmen haben in der Vergangenheit bereits zahlreiche Pilotprojekte gestartet, von denen viele jedoch wieder eingestellt wurden. Dies deutet darauf hin, dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit von KI-Agenten schon in der frühen Phase der Implementierung eine zentrale Hürde darstellte, die nun durch die prognostizierte Kostenentwicklung bis 2028 weiter verschärft wird.

Die Beteiligten: Wer die Last der Entwicklung trägt

Im Zentrum dieser Analyse steht das Marktforschungsunternehmen Gartner, das durch seine Prognosen die Debatte über die Wirtschaftlichkeit von KI-Technologien maßgeblich prägt. Als zentraler Experte fungiert Will Sommer, Senior Director Analyst bei Gartner, dessen Einschätzungen die Grundlage für die Warnung vor unkontrollierten Kosten bilden. Betroffen von dieser Entwicklung sind vor allem Unternehmen, die KI-Produkte entwickeln oder in ihre Geschäftsprozesse integrieren wollen. Diese Unternehmen stehen vor der Herausforderung, hochoptimierte Inferenztiering-, Routing- und Orchestrierungsverfahren zu implementieren, um ihre Kosten zu beherrschen. Die Verantwortung liegt hierbei bei den Produktverantwortlichen, die entscheiden müssen, welche Aufgaben an welche Modelle delegiert werden. Es ist ein ständiges Abwägen zwischen der Leistungsfähigkeit der KI und den damit verbundenen finanziellen Risiken. Die Akteure sind gezwungen, komplexe Ökosysteme zu verwalten, da ein einfacher Rückgriff auf Standardlösungen bei autonomen Systemen schnell zu finanziellen Engpässen führen kann. Die Institutionen, die hier entscheiden, sind primär die IT-Abteilungen und die strategischen Entscheidungsträger in den Unternehmen, die den Einsatz von KI-Agenten planen und verantworten müssen.

Einordnung: Was das für die Branche bedeutet

Einzuordnen ist diese Prognose als ein Weckruf für die KI-Industrie. Den Berichten zufolge ist der Hype um KI-Agenten mit erheblichen wirtschaftlichen Risiken verbunden, die bisher in der öffentlichen Wahrnehmung oft unterschätzt wurden. Wenn Gartner prognostiziert, dass bis 2027 über 40 Prozent aller geplanten oder bereits eingesetzten KI-Agenten wieder eingestellt werden, unterstreicht dies die Ernsthaftigkeit der Lage. Die Gründe hierfür sind dreigliedrig: Neben den steigenden Kosten werden auch ein fehlender Ertrag für die Unternehmen sowie eine unzureichende Risikokontrolle als Hauptursachen angeführt. Die Bedeutung dieser Entwicklung liegt darin, dass KI-Agenten kein Selbstläufer sind. Unternehmen müssen für den Einsatz dieser Systeme einen erheblichen Aufwand betreiben, sofern sie nicht mit exponentiell höheren Erträgen rechnen können. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit ist derzeit nicht gegeben, was bedeutet, dass der Einsatz von KI-Agenten derzeit nur für Anwendungsfälle sinnvoll erscheint, die einen direkten und signifikanten Mehrwert generieren können. Die bloße Automatisierung von Prozessen reicht als Rechtfertigung für die hohen Inferenzkosten in vielen Fällen nicht aus.

Offene Fragen: Wo die Prognose Lücken lässt

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die für Unternehmen in der Praxis von entscheidender Bedeutung sein könnten. So wird zwar vor „unbegrenzten Kosten“ gewarnt, es fehlen jedoch konkrete Benchmarks oder Preisbeispiele, ab wann ein Projekt als wirtschaftlich nicht mehr tragfähig gilt. Ebenso bleibt unklar, welche spezifischen Branchen oder Anwendungsbereiche besonders stark von der Kostenexplosion betroffen sind. Es wird zwar erwähnt, dass hochoptimierte Verfahren zur Kostenkontrolle nötig sind, doch wie genau diese „Inferenztiering“-Methoden in der Praxis aussehen, wird nicht im Detail ausgeführt. Auch die Frage, ob es technologische Durchbrüche geben könnte, die das Inferenz-Paradoxon auflösen könnten – etwa durch völlig neue Modellarchitekturen, die weniger Token verbrauchen –, bleibt im Rahmen des Quelltextes unbeantwortet. Der Text konzentriert sich auf die aktuelle und absehbare Entwicklung, lässt aber offen, ob es alternative Ansätze gibt, die den Tokenverbrauch drastisch senken könnten, ohne die Leistungsfähigkeit der Agenten zu beeinträchtigen. Die genaue Definition, ab wann ein Ertrag als „exponentiell höher“ im Vergleich zum grundlegenden KI-Einsatz zu bewerten ist, bleibt ebenfalls der Interpretation der jeweiligen Unternehmen überlassen.

Wie es weitergeht: Der Weg in die Zukunft

Die Entwicklung bis 2028 ist laut Gartner durch eine Phase der Konsolidierung und der notwendigen Professionalisierung geprägt. Unternehmen, die weiterhin auf KI-Agenten setzen wollen, müssen ihre Strategien grundlegend anpassen. Es wird erwartet, dass der Druck auf die Entwickler zunimmt, effizientere Orchestrierungsverfahren zu etablieren. Die kommenden Jahre werden zeigen, welche Unternehmen in der Lage sind, komplexe Ökosysteme erfolgreich zu betreiben, ohne an den Inferenzkosten zu scheitern. Der Zeitplan, der bis 2027 eine hohe Rate an Projekteinstellungen vorsieht, deutet auf eine baldige Bereinigung des Marktes hin. Unternehmen werden gezwungen sein, ihre KI-Projekte kritisch zu prüfen und nur solche weiterzuführen, die eine klare wirtschaftliche Rentabilität nachweisen können. Die Ankündigung, dass bis 2028 eine Verfünffachung der Kosten droht, setzt einen klaren Rahmen für die Budgetplanung. Es ist davon auszugehen, dass die Diskussion um die „KI-Ökonomie“ in den kommenden Monaten an Intensität gewinnen wird, da die Diskrepanz zwischen Erwartung und finanzieller Realität immer deutlicher zutage tritt. Die Entscheidungsträger stehen unter dem Druck, verlässliche Kostenmodelle zu entwickeln, bevor die Kosten für ihre KI-Agenten außer Kontrolle geraten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/farbiger-code-auf-bildschirm-mit-lichtmustern-34804022/ · Foto: Daniil Komov
Quelle: https://www.heise.de/news/Prognose-Inferenzkosten-fuer-KI-Agenten-verfuenffachen-sich-bis-2028-11417470.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag