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Kaliforniens Gouverneur weist Gesetzentwurf gegen „Spannerbrillen“ zurück
Technik · 02.10.2026 05:05

Kaliforniens Gouverneur weist Gesetzentwurf gegen „Spannerbrillen“ zurück

Kurz: Gavin Newsom hat den Gesetzentwurf SB1130 gegen geheime Aufnahmen durch Smart Glasses per Veto gestoppt. Er hält die Regelungen für zu unpräzise und überflüssig

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, hat eine weitreichende Entscheidung im Bereich der digitalen Privatsphäre getroffen und sein Vetorecht genutzt. Er hat den Gesetzentwurf mit dem Kürzel SB1130, der zuvor vom Parlament des US-Bundesstaates verabschiedet worden war, nicht unterzeichnet. Das geplante Gesetz zielte darauf ab, geheime Aufnahmen von Personen durch moderne Technik wie Smart Glasses oder andere mobile Geräte unter Strafe zu stellen. Newsom begründete seine Ablehnung damit, dass die formulierten Regelungen in der vorliegenden Fassung zu weit gefasst seien. Er befürchtet, dass eine derartige Gesetzgebung zu einer erheblichen Verwirrung bei den Nutzern führen könnte und zudem unbeabsichtigte negative Folgen nach sich ziehen würde. Der Gouverneur betonte, dass der Schutz der Privatsphäre zwar ein hohes Gut sei, das kalifornische Recht jedoch bereits über ausreichende Vorschriften verfüge, um Bürger vor unrechtmäßigen Überwachungsmaßnahmen zu schützen. Damit verhinderte Newsom das Inkrafttreten einer Regelung, die in den USA als Vorreiter für den Umgang mit diskreten Aufnahmegeräten hätte dienen können.

Die Einzelheiten des Gesetzesentwurfs

Der von der Senatorin Eloise Gómez Reyes eingebrachte Gesetzentwurf SB1130 sah drastische Konsequenzen für das unbefugte Aufzeichnen von Personen vor. Hätte das Gesetz die Unterschrift des Gouverneurs erhalten, wären geheime Aufnahmen durch mobile elektronische Geräte in Kalifornien künftig strafbar gewesen. Der Entwurf sah für Täter, die solche Aufnahmen tätigten, sowohl Geld- als auch Haftstrafen vor. Zudem sollten Hersteller der entsprechenden Geräte mit Bußgeldern belegt werden, falls ihre Produkte in einer Weise genutzt würden, die den neuen Vorgaben widerspricht. Die Intention hinter diesem Vorhaben war es, auf die technologische Entwicklung und den Boom bei sogenannten „Spannerbrillen“ zu reagieren. Senatorin Reyes hatte sich im Vorfeld auf Berichte gestützt, die verdeutlichten, wie Smart Glasses missbräuchlich für heimliche Beobachtungen eingesetzt werden können. Der Entwurf sollte eine Lücke schließen, die durch die rasante Verbreitung von Wearables entstanden ist. Das Gesetz hätte eine Vorreiterrolle in den Vereinigten Staaten eingenommen, da es explizit die technologische Komponente der diskreten Aufnahme adressierte, ähnlich wie es derzeit in Norwegen diskutiert wird, wo strengere Regeln gegen KI-gestützte Überwachung durch Datenbrillen geplant sind.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Debatte um den Schutz der Privatsphäre vor modernen Wearables ist in Kalifornien nicht neu, gewinnt jedoch durch die technologische Entwicklung massiv an Fahrt. Kalifornien hat sich bereits in der Vergangenheit als Vorreiter bei der Regulierung von Tech-Konzernen positioniert, insbesondere im Bereich des Jugendschutzes und der Künstlichen Intelligenz. Erst vor wenigen Wochen unterzeichnete Gouverneur Newsom ein umfangreiches Gesetzespaket, das aus insgesamt 13 Einzelgesetzen besteht. Diese zielen darauf ab, Suchtfaktoren in sozialen Netzwerken zu minimieren und Anbieter von KI-Anwendungen dazu zu verpflichten, weitreichende Schutzmaßnahmen für Nutzer unter 16 Jahren zu implementieren. Vor diesem Hintergrund wirkte der Entwurf SB1130 wie eine logische Fortsetzung der Bemühungen, die digitale Welt stärker zu regulieren. Die Diskussion um die „Spannerbrillen“ wurde durch die zunehmende Marktdurchdringung von Smart Glasses angeheizt. Trotz der anhaltenden Datenschut Datenschutzkontroversen haben sich die Stückzahlen dieser Geräte in jüngster Zeit mehr als verdoppelt. Die Branche befindet sich laut Experten noch in einer frühen Entwicklungsphase, was den regulatorischen Druck auf die Politik stetig erhöht hat, um auf potenzielle Gefahren für die Privatsphäre frühzeitig zu reagieren.

Die Beteiligten und ihre Positionen

Die Akteure in diesem politischen und wirtschaftlichen Konflikt sind vielfältig. Auf der einen Seite steht die Senatorin Eloise Gómez Reyes, die als Initiatorin des Gesetzes den Schutz des Einzelnen in den Vordergrund stellt und ihr Bedauern über das Veto äußerte. Sie betonte gegenüber ABC News, dass Kalifornien verpflichtet sei, alles Notwendige zu unternehmen, um die Privatsphäre zu wahren. Auf der anderen Seite steht Gouverneur Gavin Newsom, der als oberste Instanz die rechtliche Verhältnismäßigkeit prüfte. Er argumentiert, dass bestehende Gesetze bereits ausreichen. Unterstützung erhält der Gouverneur von einer einflussreichen Industriegruppe, der unter anderem Meta Platforms, Google und Amazon angehören. Diese Unternehmen argumentierten, dass SB1130 unfair gegenüber Herstellern und Nutzern gewesen wäre. Ein Sprecher der Gruppe betonte, dass das Gesetz nicht der richtige Ansatz sei, um die bestehenden Bedenken auszuräumen. Insbesondere Meta, als Marktführer bei Smart Glasses, verwies zudem auf den Nutzen der Technologie, etwa bei der Unterstützung von Menschen mit Sehbehinderungen, und versicherte, dem Datenschutz weiterhin höchste Priorität einzuräumen.

Einordnung der Entscheidung

Einzuordnen ist das Veto von Gouverneur Newsom als ein Balanceakt zwischen technologischem Fortschritt und dem Schutz persönlicher Rechte. Den Berichten zufolge sieht Newsom in der schnellen Evolution tragbarer Geräte eine Herausforderung, die durch zu spezifische Gesetze wie SB1130 möglicherweise falsch adressiert wird. Er argumentiert, dass eine zu breite Definition im Gesetzestext, die neben Smart Glasses auch Smartwatches hätte erfassen können, zu einer unnötigen rechtlichen Unsicherheit geführt hätte. Aus Sicht des Gouverneurs existieren bereits hinreichende Verbote für geheime Aufnahmen an Orten, an denen Menschen eine berechtigte Erwartung auf Privatsphäre haben. Die Entscheidung des Gouverneurs kann daher als ein Beharren auf dem Status quo interpretiert werden, bei dem bestehende allgemeine Gesetze Vorrang vor neuen, spezifischen Regulierungen haben sollen. Die Kritik der Industrievertreter, dass das Gesetz die Innovation behindert hätte, scheint bei Newsom Gehör gefunden zu haben. Dennoch bleibt die Debatte um die Überwachungsrisiken durch Wearables bestehen, da die technologische Entwicklung die gesetzlichen Rahmenbedingungen oft überholt.

Offene Fragen und verbleibende Lücken

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die für die zukünftige Debatte von Bedeutung sein könnten. Es bleibt beispielsweise unklar, wie genau die bestehenden kalifornischen Gesetze, auf die sich Newsom beruft, in der Praxis bei der Verwendung von Smart Glasses greifen. Der Text benennt nicht konkret, welche bestehenden Paragrafen den Schutz vor diskreten Aufnahmen durch Wearables garantieren und ob diese tatsächlich in der Lage sind, die spezifischen Herausforderungen der neuen Technologie – etwa die Unauffälligkeit der Geräte – effektiv zu adressieren. Ebenso bleibt offen, ob die Senatorin Reyes oder andere Befürworter des Gesetzes nun einen neuen, präziseren Entwurf vorlegen werden, der die vom Gouverneur kritisierten Punkte, wie die zu weite Fassung der Regelungen, korrigiert. Auch die Frage, wie die Polizei oder Justiz in Kalifornien künftig mit Beweismitteln umgehen wird, die durch Smart Glasses gewonnen wurden, wird im Text nicht explizit thematisiert. Es gibt keine Informationen darüber, ob es bereits konkrete Gerichtsurteile gibt, die den Einsatz dieser Brillen in sensiblen Bereichen als rechtswidrig eingestuft haben.

Wie es weitergeht

Nach dem Veto des Gouverneurs ist der Gesetzentwurf SB1130 vorerst gestoppt. Es gibt im Quelltext keine Hinweise auf unmittelbare Termine für eine Überarbeitung oder einen neuen Anlauf für eine ähnliche Gesetzgebung. Die Branche, angeführt von Unternehmen wie Meta, wird ihre Entwicklung im Bereich der Smart Glasses ungeachtet der politischen Kontroverse weiter vorantreiben. Meta hat bereits angekündigt, weiterhin auf die Vorteile der Technologie zu setzen, während gleichzeitig der Datenschutz als Priorität betont wird. Die Senatorin Reyes hat zwar ihr Bedauern über das Veto geäußert, jedoch keine konkreten nächsten Schritte angekündigt. Es ist davon auszugehen, dass die Diskussion über den Schutz der Privatsphäre im Kontext von Wearables in Kalifornien ein Thema bleiben wird, insbesondere da der Markt für diese Geräte weiter wächst. Da das Gesetz als Pionierprojekt für die USA galt, wird die weitere Entwicklung in Kalifornien auch von anderen Bundesstaaten genau beobachtet werden, um zu sehen, ob dort ähnliche regulatorische Ansätze verfolgt werden oder ob man sich ebenfalls auf bestehende Gesetze stützt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/ki-schnittstelle-auf-dunklem-bildschirm-30530414/ · Foto: Matheus Bertelli
Quelle: https://www.heise.de/news/Kaliforniens-Gouverneur-weist-Gesetzentwurf-gegen-Spannerbrillen-zurueck-11473565.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag