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Pride-Parade in Prag unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen
Schlagzeilen · 08.08.2026 02:41

Pride-Parade in Prag unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen

Kurz: Nach dem Anschlag beim Berliner CSD steht die diesjährige Prague Pride unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Dennoch werden rund 50.000 Teilnehmende erwartet.

Erhöhte Präsenz im Stadtzentrum

Die diesjährige Ausgabe der Prague Pride ist von einer besonderen Atmosphäre geprägt. Während Zehntausende Menschen in der tschechischen Hauptstadt zusammenkommen, um für die Rechte queerer Personen einzutreten, überschatten die Ereignisse des jüngsten Anschlags beim Berliner Christopher Street Day (CSD) die Veranstaltung. Als direkte Konsequenz haben die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen für den Demonstrationszug deutlich verschärft.

Bereits im Vorfeld der Parade, die am Wenzelsplatz ihren Ausgang nimmt, wurden Begleitveranstaltungen wie Workshops und Konzerte im Rahmen der Pride Week durch die Polizei intensiv geschützt. Für den heutigen Hauptmarsch, der sich über eine Distanz von rund zwei Kilometern durch das Stadtzentrum bis auf eine Insel in der Moldau erstreckt, sind mehrere Hundert Einsatzkräfte mobilisiert worden.

Sicherheitsmaßnahmen und behördliche Vorgaben

Die Überwachung des Areals erfolgt umfassend: Neben der Präsenz am Boden kommen auch spezialisierte Einheiten wie die Reiter- und Flusspolizei zum Einsatz. Aus der Luft wird das Geschehen zudem von einem Polizeihubschrauber beobachtet. Auch die Teilnehmenden wurden im Vorfeld gebeten, bei der Gestaltung ihrer Plakate auf Sicherheit zu achten. So wird empfohlen, auf Holzstangen zu verzichten und stattdessen leichtere Kunststoffalternativen zu verwenden, um mögliche Gefahrenquellen zu minimieren.

Trotz der angespannten Sicherheitslage betonen die Veranstalter, dass man sich durch die Ereignisse in Berlin nicht einschüchtern lassen wolle. Eine Schweigeminute kurz vor dem offiziellen Start um 12 Uhr dient dazu, der Opfer des Anschlags in Deutschland zu gedenken. Laut Dorota Vasickova, der Programmmanagerin der Prague Pride, wäre es genau das Ziel des Attentäters gewesen, Angst zu säen und den Kampf für Gleichberechtigung zu schwächen – ein Effekt, den die Community aktiv verhindern möchte.

Tschechien als Vorreiter für queere Rechte

Die 16. Auflage der Prager Parade findet in einem Land statt, das in Mittelosteuropa seit Jahren eine Vorreiterrolle bei der rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen einnimmt. Bereits 2006 führte Tschechien die eingetragene Lebenspartnerschaft ein. Im Jahr 2025 folgte eine weitere Reform, die als „Partnerschaft Plus“ bekannt ist und unter anderem die Adoption leiblicher Kinder des Partners oder der Partnerin ermöglicht. Zudem hat das Verfassungsgericht im Jahr 2024 die Praxis der Zwangssterilisation bei trans Personen für verfassungswidrig erklärt.

Stimmung unter den Teilnehmenden

Die Teilnehmenden zeigen sich trotz der sichtbaren Polizeipräsenz entschlossen. Viele Besucherinnen und Besucher betrachten Prag weiterhin als einen sicheren Ort für sexuelle Minderheiten. Die Stimmung am Wenzelsplatz, wo sich die Menschen vor dem Start versammeln, wird als lebendig beschrieben. Bei sommerlichen Temperaturen von rund 30 Grad haben die Veranstalter zudem Trinkwasserspender bereitgestellt, um die Versorgung der rund 50.000 erwarteten Gäste sicherzustellen.

Für viele Anwesende überwiegt das Bedürfnis, die eigene Identität öffentlich zu zeigen. Die Parade endet auf einer Moldauinsel, wo das Programm mit Konzerten, Workshops und Musik auf fünf Bühnen den Abschluss der Pride Week bildet. Die Zuversicht, dass die Veranstaltung trotz der Bedrohungslage sicher und friedlich verlaufen wird, bleibt in der Community spürbar.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/historischer-innenhof-der-prager-burg-mit-touristen-28891197/ · Foto: Helena Jankovičová Kováčová
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/prag-pride-sicherheitsvorkehrungen-100.html